Autor Thema: Wirtschaftssystem der Föderation  (Gelesen 3121 mal)

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Tolayon

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Wirtschaftssystem der Föderation
« am: 15.03.12, 10:52 »
Ich könnte schwören, dieses Thema wurde hier schon mal angesprochen, dann aber wohl in dem einen oder anderen allgemeineren Thread.
Dabei verdient das föderale Wirtschaftssystem, wie es z.T. (scheinbar) widersprüchlich in den Filmen und Serien dargestellt wird durchaus einen eigenen Thread.

Noch in der Mitte des 23. Jahrhunderts (TOS-Serienzeit) gab es sogennante "Föderations-Dukaten", was darauf hinweist, dass Geld nach wie vor eine Rolle spielt - allerdings wurde nie klar gesagt, ob diese Dukaten für Bezahlung und Einkauf innerhalb der Föderation dienen, oder zum Handel mit Welten außerhalb.

In STAR TREK IV wird wiederum klar, dass es im späten 23. Jahrhundert kein Geld mehr gibt. Dieser Wegfall der internen Währung wurde auch ganz groß in TNG aufgenommen, wo Picard nicht müde wird zu betonen, dass die Anhäufung materiellen Reichtums in der Föderation nicht mehr nötig sei, da alle dank der (Replikator-)Technologie ausreichend versorgt sind.

Ironischerweise bildet ausgerechnet Picards Geliebte, Vash, eine Ausnahme von dieser Regel. Sie ist offenbar menschlicher Abstammung, hat der Föderation aber wie es aussieht weitgehend den Rücken zugekehrt und sich eine Mentalität angeeignet, die mehr an die Ferengi bzw. heutige Kapitalisten erinnert. Vash plündert oftmals illegal archäologische Stätten, um die Funde mit maximalem Profit zu verkaufen - und das, obwohl sie es zum Lebensunterhalt eigentlich nicht nötig haben sollte.

Auch Benjamin Siskos Freundin, Cassidy Yates, scheint ihrer Arbeit als Frachter-Captain zwecks dem Erwerb von Latinum (zum Lebensunterhalt?) nachzugehen. Dabei sieht es aber so aus, als wäre sie im Auftrag nicht-föderaler Arbeitgeber unterwegs, was das Latinum zumindest erklären würde.

Apropos Latinum:
Mit diesem meist in Gold gepressten flüssigen Edelmetall wurde in DS9 doch wieder eine Geldwährung eingeführt, wenn auch als allgemein galaktische Währung zum Handel mit nicht-föderierten Welten und Individuen.

Auch Ezris Familie betreibt ihr Bergwerk offenbar im nicht-föderalen Bereich, denn auch hier wird der Erwerb von Latinum als notwendig dargestellt.


Zusammengefasst kann man sagen, dass innerhalb der Föderation, zumindest auf ihren zentralen Mitgliedswelten Geld keine Rolle mehr spielt. Erst wenn der Handel mit nicht-föderierten Partnern ansteht, kommt das Latinum ins Spiel.
Wobei, Worf sagt einmal bei einem Poker-Spiel etwas in Richtung "sauer verdiente Groschen" oder so, was darauf hinweist, dass Sternenflottenoffiziere doch irgendeine Art von Bezahlung erhalten.

Der Erwerb von Reichtum ist, wie Picard sagt zwar nicht mehr notwendig, aber für einzelne Personen nach wie vor reizvoll, wie wir am Beispiel von Vash sehen.
Glaubt ihr, dass sie nur eine Ausnahme bildet, oder sind vielleicht selbst im 24. Jahrhundert viele Menschen nach wie vor von einer Gier nach Geld geprägt, die vielleicht aus Langeweile angesichts der perfekten Versorgung entstehen kann?

Lassen all diese Widersprüche - Föderationsdukaten, Abschaffung des Geldes, Verdienst von Sternenflottenoffizieren, Latinum - sich gut in ein einziges Wirtschaftssystem integrieren, oder hat man es tatsächlich schon innerhalb der Föderation mit zwei Ebenen zu tun, von denen eine noch fast genauso funktioniert wie heute?

SSJKamui

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Antw:Wirtschaftssystem der Föderation
« Antwort #1 am: 15.03.12, 11:12 »
Ich hatte mal die Idee für ein Konzept in der Föderation, was quasi die Ausweitung/Abänderung des Konzepts der  Sonderwirtschaftszonen des chinesischen Staatschefs Deng Xiao Ping ist und zwar in dem Zusammenhang, dass in der Föderation nicht alle Gebiete die selbe Wirtschaftsordnung haben, sondern auch gewisse experimentelle Abänderungen möglich sind für soziologische Versuche, die nur in begrenzten Gebieten gelten. (Ein paar Planeten.) Diese Gebiete sind teilweise anders funktionierende Sonderwirtschaftszonen mit anderen Regeln, wissenschaftlich überwacht. Für neue Mitglieder der Föderation kann man kurzzeitig ebenfalls eine solche Sonderzonendeklaration vornehmen. Dies würde bedeuten, auf einigen Planeten gibt es vielleicht noch Geld und bei anderen vielleicht sogar Muscheln als Tauschhandel.  (Irgendwie denke ich auch, so ein Konzept würde interessantes Potential für Fanfics anbieten.) 

Diese Fehler, wo was erwähnt wird, was es eigentlich nicht  geben soll laut Setting passierten auch in anderen Serien wie BSG, wo einige Crewmates "Jesus" erwähnt hatten in typischem christlichen Kontext obwohl die eher eine griechische Kultur hatten. Diese Erwähnungen von Geld könnten bei Star Trek deshalb ähnliche Fehler sein.

Ron Moore sagte mal kritisch, Roddenberry hätte zuerst nicht dieses TNG Konzept der Föderation gehabt und wäre erst so ab TNG zu quasi missionarischem Eifer dabei gekommen. Deshalb könnten da auch mehrere Konzeptänderungen von Autorenseite vorliegen.

Zum Thema Abspalter, die ausserhalb der UFP Geldgeschäfte haben hatte ich mal die Idee für eine FF, nach der Abschaffung des Gelds hätte eine kleine Gruppe von Politikern, Industriellen etc. irgendwo fernab eine zweite, kleinere, kapitalistische Föderation aufgemacht, die zwar weniger politische Bedeutung hat aber stark im Bereich Technik etc. ist und teilweise auch eine ähnliche Rolle Spielt wie die Schweiz oder Luxenburg. Die Föderation hätte aber aus ideologischen Gründen ein ziemlich gespanntes Verhältnis zu diesen Abspaltern.
« Letzte Änderung: 15.03.12, 11:23 by SSJKamui »

PercyKeys

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Antw:Wirtschaftssystem der Föderation
« Antwort #2 am: 15.03.12, 11:24 »
Das mit dem "Diebestum" hängt vielleicht auch mit Interesse daran zusammen, diesen "Thrill" erleben zu wollen und es so kaum noch gibt...

Das mit den "Groschen"... ähm auf eine Aussage einer SYNCHRONISATION braucht man in so einem Fall rein gar nichts zu geben. Wenn ich bloß denke, was bei Übersetzungen schon für ein Mist rauskam... :D

--> Lustige Synchronisation in Star Trek - The Next Generation

Viel Spaß! :)

SSJKamui

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Antw:Wirtschaftssystem der Föderation
« Antwort #3 am: 15.03.12, 11:36 »
Zum Thema Latinum, Internationale Wirtschaft. Ich glaube nicht, dass die Föderation eine totale Autarkie hat, trotz Sternenflotte. Ich denke, einen gewissen Einfluss werden gerade bei Rohstoffen internationale Finanzmärkte auf das UFP System haben. Wahrscheinlich wird das durch den Dominion Krieg, wo mehr verbraucht wurde und weniger entdeckt wurde durch Forschungsmissionen sogar noch verschärft sein. Gleichzeitig könnte dies auch ein wenig die politische Lage aber stabilisieren und einen Krieg zwischen den Großmächten Klingonen, Romulanern und UFP unwahrscheinlicher machen, da so ein Krieg immer ein Schnitt ins eigene Fleisch wäre.

Tolayon

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Antw:Wirtschaftssystem der Föderation
« Antwort #4 am: 30.03.12, 17:40 »
Die Sonderwirtschafts-Zonen halte auch ich für den besten Kompromiss, denn wie es aussieht scheint - neben ein paar anderen, eher wenigen Mitgliedswelten - tatsächlich nur die Erde selbst eine Art geldlosen Kommunismus etabliert zu haben.

Andererseits könnte diese Geldlosigkeit immer noch das Ideal der gesamten Föderation sein, und die meisten Beispiele, in denen Föderationsmitglieder oder gar Sternenflottenoffiziere mit Geld handelten, lassen sich als Interaktionen mit nicht-föderierten Handelspartnern interpretieren (gerade Farpoint Station aus dem TNG-Pilotfilm soll von einem Volk errichtet worden sein, das nicht wirklich festes Mitglied der Föderation ist).

Tolayon

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Antw:Wirtschaftssystem der Föderation
« Antwort #5 am: 12.01.13, 11:48 »
Vor Kurzem habe ich auf einer von Ex Astria Scientia mit einem Award ausgezeichneten Seite einen Artikel gelesen, welcher die Präsidenten der Föderation chronologisch vorstellt und dabei Canon-Fakten mit eigenen Ergänzungen/ Vermutungen erweitert.

Jonathan Archer war demnach tatsächlich der erste Präsident, aber laut dortigem Fanon erst ab 2184, zuvor war die Föderation nur ein lockerer Bund mit einem eher machtlosen Ratspräsidenten. Etwas erschreckend finde ich in diesem Zusammenhang die Archer unterstellte Wirtschaftspolitik, welche auf eine komplette Enteignung (mittels 100%-Steuer) aller Föderationsbürger abzielte. Die Rückverteilung sollte anschließend nach möglichst "gerechten" Gesichtspunkten erfolgen, wobei auch hier ein gewisses eigenes Ermessen die Wichtigkeit einzelner privilegierter Bürger betreffend vorzuherrschen scheint.

Ein solches, wohl als praktisch reinrassig kommunistisch zu nennendes Wirtschaftssystem erfordert aber auch zwangsläufig eine starke Kontrolle der Föderation über ihre einzelnen Mitgliedswelten und Kolonien. Nun scheinen aber Canon-Folgen aus TOS und TNG/ DS-9 auf eine weiterhin starke Eigenständigkeit der Föderationswelten hinzuweisen; lediglich Argelius wird in TOS als Planet genannt, welcher einen zivilen Verwalter von der Erde rekrutieren musste - aber auch nur, weil die Argelianer anscheinend lieber Partys statt Politik machen. Eine kommunistische Enteignungspolitik ist auch hier nicht erkennbar, selbst wenn die Argelianer wie ein typisches Volk von "Transfer-Empfängern" (die lieber feiern statt arbeiten) wirken.

In diesem Zusammenhang wird die "Zurück zu den Wurzeln"-Bewegung des 24. Jahrhunderts, welche in einer DS-9-Folge auf Risa als Quasi-Terroristen in Erscheinung tritt, als Vertreter einer kapitalistisch-marktwirtschaftlichen Strömung mit Forderung nach unpfändbarem Privatbesitz interpretiert.


Was haltet ihr von dieser - allenfalls indirekt auf den Canon gestützte - Ansicht, die Föderation sei ein ihre Bürger enteignender und gleich darauf wieder kostenlos mit Grundversorgung ausstattender Quasi-Unterdrückungsstaat?

Max

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Antw:Wirtschaftssystem der Föderation
« Antwort #6 am: 12.01.13, 12:00 »
Jonathan Archer war demnach tatsächlich der erste Präsident, aber laut dortigem Fanon erst ab 2184, zuvor war die Föderation nur ein lockerer Bund mit einem eher machtlosen Ratspräsidenten. Etwas erschreckend finde ich in diesem Zusammenhang die Archer unterstellte Wirtschaftspolitik, welche auf eine komplette Enteignung (mittels 100%-Steuer) aller Föderationsbürger abzielte.
Das klingt auch für mich etwas extrem.
Wenn ich an die Darstellung der Menschheit in ENT denke, glaube ich nicht, dass die zu so einem Schritt bereit sein würde. Um die vollkommene Aufgabe des eigenen Besitzes "schmackhaft" zu machen, wird mMn deutlich mehr Zeit nötig sein als eine Generation, denn sowas muss mit pädagogischem Gespür lange "beigebracht" werden.
Sie saß aufrecht da und schaute entsetzt ihre blutenden Hände an.
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Kirk

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Antw:Wirtschaftssystem der Föderation
« Antwort #7 am: 25.03.20, 20:33 »
Kleine Frage zum Thema, ich habe vor ein Video zu machen in dem ich über die Möglichkeit einer (vermeidlich) Geldlosen Wirtschaft am Beispiel von Star Trek behandeln will. Neben den Quellen aus Star Trek werde ich auch das behandeln was Marx in "Das Kapital" (jepp durch Buch I bin ich durch Buch II hab ich ca. 50 % gelesen) geschrieben hat.
Hat noch jemand irgendwelche Denkansätze, die hier noch nicht aufgeführt sind?
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