Autor Thema: Das Rückgrad der Story - Der Aufbau  (Gelesen 8957 mal)

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ulimann644

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Das Rückgrad der Story - Der Aufbau
« am: 30.08.09, 14:47 »
Hier möchte ich ein wenig über den ( Spannungs )Aufbau einer geplanten Story eingehen. Natürlich gibt es hier kein Patentrezept, aber ein gewisses Muster lässt sich doch, gerade in Actionlastigen Geschichten immer wieder beobachten:

Ein gern benutzter Aufbau:

1. Ein steiler Spannungsanstieg; der erste Feindkontakt - meist verbucht hier erst einmal der Gegner den Triumph.
2. Abflachen der Spannungskurve und ein etwas genaueres Beschreiben der allgemeinen Lage.
3. Die Planungsphase - hier finden sich die Helden zusammen und überlegen was zu tun ist. ( Mit einem Seitenblick was der Gegner derzeit macht )
4. Eine zweite erneute Kontaktaufnahme zum Feind.
5. Das hineinreiten der Heldenpartie in größere Schwierigkeiten denen man in...
6. ...nur mit Mühe und Not entkommt - manchmal erleidet man hier einen schmerzlichen Verlust
7. Der Anstieg der Spannungskurve - man trifft sich zur finalen Auseinandersetzung ( Eventuelle erneute Verluste inklusive )
8. Das mehr oder weniger glorreiche Ende derer, die überleben.

Sicher gibt es auch Abweichungen oder Erweiterungen dazu, aber dieses Grundgerüst kann man oft - gerade in Filmen - beobachten. ( Zum Beispiel benutzt \"Star Wars Episode 4\" genau diesen Aufbau )

David

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Das Rückgrad der Story - Der Aufbau
« Antwort #1 am: 12.08.10, 21:43 »
Zitat
Ich hoffe, es ist okay, wenn ich meine Taktik zum Aufbau einer Story hier mit einfüge und keinen neuen Thread extra aufmache.
Ich finde es passt hier gut rein


Ich organisiere das zumeist in einem *.odt-Dokument von OpenOffice.
Dabei teile ich das in bestimmte Punkte auf:
  • grober Handlungsbogen - hier mache ich mir kurze Notizen zum groben Ablauf der Story. Einfach zum zwischendurch zu wissen, wo ich stehe.
  • Locations - dieser Abschnitt dient der konkreten Beschreibung bestimmter Orte, die in der Handlung relevant sind. Da bastel ich gern ma mit rum, um mir ein gutes Bild von einigen Szenen machen zu können.
    Z.B.: Wie soll das Zentrum einer Stadt aussehen? oder gerade konkret: Tokara Forest - ein mythischer Wald auf dem Planeten Antalus.
  • wichtige Randnotizen - hier schreibe ich mir i.A. alles auf, was mir im Verlauf des Schreibens auffällt, was man später noch ma bedenken muss.
    Z.B.: aktuell, dass ich vor dem Beginn der Außenmission zwischen den Mitgliedern des Außenteams ein bisschen Konversation einbauen sollte - die Leute sollen ja da unten auf einander vertrauen können
  • Konkrete Einzelszenen - wie schon im letzten Roman, so hatte ich auch schon für \"Opferung\" lange vor Beginn ein paar bestimme Szenen ganz konkret vor Augen.
    Diese notiere ich mir natürlich auch genau und füge Anmerkungen oder Erweiterungen bei. Außerdem, wann in etwa diese Szene in der Handlung auftauchen soll
  • aktuelle Szene(n) - im vorletzten Abschnitt mache ich mir dann immer eine kurze Auflistung der nächsten 3-4 Szenen, die ich schon sicher einbauen möchte. Eben auch einfach, damit diese Ideen aus dem Kopf sind und mich nicht ständig stören.
  • TrekSpace - Wiki - hier kommen nur stichwortartig alle Begriffe rein, die IMO gut in unser TrekSpace-Wiki passen.
    Entweder als Unterpunkt eines existierenden Artikels oder als neuer Artikel.
    last but not least
  • offene Fragen / Probleme - hier stelle ich mir selbst konkret Fragen, die möglicherweise den Leser beim Lesen beschäftigen könnten.
    Außerdem will ich dadurch vermeiden, Logiklöcher zu verursachen. Also konkret: Ich stelle mir bei bestimmten Szenen selbst die Fragen, z.B.: Was könnte an dem Planeten Antalus interessant sein, dass der Captain der Ulysses sich für eine Außenmission entscheidet?
  • Details zur Story - bestimmte Dinge in der Story stelle ich mir bereits im vornherein konkret vor.
    Z.B.: Neues Volk: Aussehen, Mode, wichtige Traditionen, Charaktereigenschaften; eben alles, was relevant ist.
  • Vorerst übersprungene Szenen - wenn ich ma an einer Szene partout nicht weiterkomme, dann lasse ich sie erst ma liegen und schreibe die nächste.
    Damit ich nicht vergesse, diese Lücke am Ende zu schließen, mache ich mir hier eine Noitz mit Angabe der Seitennummer und was für eine Szene das sein sollte (Location, Charaktere, Situation)
  • übriges Gedöhns - alles, was sonst noch nützlich sein kann
    Konkretes Beispiel: Namen für Antalusianer (nach männlich und weiblich getrennt)
=A=

So in etwa sieht btw. meine Skriptdatei für einen Roman aus.
Fertige Szenen werden dabei nicht gelöscht, sondern einfach durchgestrichen.
Übersprungene Szenen rot gefärbt.
Probleme oder unfertige Szenen grün

Die Datei zu \"Opferung\" umfasst momentan 6 Seiten.

Vielleicht ist diese Veranschauung meiner Vorgehensweise ja für den ein oder anderen von euch ma ganz hilfreich, besonders, wenn ihr ma den Überblick über euer Werk verliert oder einfach nicht wisst, wie ihr mit vielen Ideen schon im Vorfeld eines Roman umgehen sollt.

Will Pears

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Das Rückgrad der Story - Der Aufbau
« Antwort #2 am: 13.08.10, 14:01 »
Tja.. ich bin im Moment dabei, einen handlungsbogen auf eine Story zu spannen, wo keine Feinde auftauchen. Es handelt sich dabei um die Pilot-Folge meiner FF-ST-Serie..

- Einführung von zwei Charakteren in konträren Situationen

- Eingriff in das Leben eines der Charaktere (Kommandoübernahme eines wichtigen Projekts; in meinem Fall Schifssaustausch mit der Romulanischen Flotte)

- Vorstellung von 1-2 Charakteren

- Aufeinandertreffen der beiden konträren Charaktere und Veränderung der Leben beider Charaktere

- Beginn der eigentlichen Handlung (Start des Projekts)

- Soap-Phase 1: (Zusammenleben der Crew; Vorstellung von unwichtigeren Charakteren, kleinere Plots)

- Spannungshöhepunkt 1: Diplomatisches Aufeinandertreffen = Empfang (für die Serie wichtige Polit. Personen, Militärs, usw. der randeren Fraktion beziehen Position gegenüber dem Projekt)

- Soapphase 2: Erkundung der für die Serie häufiger auftretenden Lokalität (in meinem Fall Romulus); 1 weiterer Charakter

- Spannungshöhepunkt 2: Diplomatisches Aufeinandertreffen = Bankett (weniger Personen als bei Empfang; Festlegung der Missionen im Zuge des Projekts)

- unterschwellig wird die geheime Gefahr dargestellt/angedeutet, bleibt der Crew jedoch verborgen (Shinzon)

- Cliffhanger: Die 1. wirkliche Mission steht bevor und der Hauptcharakter hält eine Rede zum Abschluss

Ich weiß, dass das kaum an ulimanns Handlungsbogen rankommt und sehr verworren ist. Aber ich würd gerne andere Ideen für Pilotfolgen hören

mfg,
Daniel
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David

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Das Rückgrad der Story - Der Aufbau
« Antwort #3 am: 13.08.10, 14:05 »
Also ich finde, dein Konzept ist schon recht gut.
Das wichtigste IMO ist, dass man nicht zu sehr durchplant, um sich chancen offen zu halten, wenn man doch ma watt verändern will.

Einen konkreten Tipp kann ich dir leider nicht geben, da ich mit Pilotromanen immer so meine Schwierigkeiten hatte, was auch der Grund ist, dass ich keine FF-Serien mehr schreibe und schreiben möchte.

Da sind Einzelromane einfacher.

=A=

Ansonsten denke ich, dass du natürlich selbst wissen musst, in wie weit im Voraus du deine Story planen willst.

Ich selbst habe schlechte Erfahrungen damit gemacht, alles von vorn bis hinten durchzuplanen.

Aber wenn du damit klar kommst... kein Ding.

Ich bin gespannt, was du daraus zauberst.

Visitor5

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Das Rückgrad der Story - Der Aufbau
« Antwort #4 am: 13.08.10, 14:09 »
Ich bin von der Idee einer zu langen Geschichte auch abgekommen und schreibe sie nun als Kurzgeschichten.

Sicher zieht sich die Handlung durch alle Teile hindurch, die Charaktere verändern sich, aber dennoch sind sie eigentlich in sich abgeschlossen, behandeln eine Situation oder zwei, und das war\'s.

Es ist verdammt kraftraubend, wenn man an einer Stelle nicht weiterkommt, aber man mindestens zwanzig Ideen für einen späteren Zeitraum hat. :D

David

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Das Rückgrad der Story - Der Aufbau
« Antwort #5 am: 13.08.10, 14:12 »
Zitat
Original von Visitor5
Es ist verdammt kraftraubend, wenn man an einer Stelle nicht weiterkommt, aber man mindestens zwanzig Ideen für einen späteren Zeitraum hat. :D



Sach ma, kannst du Gedanken lesen?!?  8o
Genau so geht es mir meistens auch.

Zum Bleistift:
Ich weis schon ziemlich genau, wie ich eine Reihe von Szenen in einem Wald im Hauptteil der Story schreiben will, dat is alles schon seit Monaten im Kopf.

Aber im Moment, noch weit von der Handlung auf dem Planeten entfernt, da geht das ziemlich zäh voran.

Könnte man ja glatt ma einen wissenschaftlichen Essay drüber verfassen.  :D

Alexander_Maclean

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Das Rückgrad der Story - Der Aufbau
« Antwort #6 am: 13.08.10, 14:22 »
Wenn man aber ein Storyauugbau hat, kann man doch die Szenen \"vorschreiben\".

zumnindest mache ich es so.

bsp: Morning Star Entscheidungen II

aktuell 53 Seiten (gut 52einviertel ;) )

Drei Kaptiel sind noch nicht ganz fertig. Und bei einen muss ich die einleitung neu schreiben. Aber das letzte Kapitel steht schon.


Und dann habe ich noch eine xtratdatei für sogenannte \"Splitter\", szenen die mir spontan eingefallen sind, die ich mir für später aufhebe.
Portfolio
Projekt "One Year a Crew" Status: Konzept 100% Schreiben 28,26% Grafisches 0% Erscheinjahr 2020


Visitor5

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Das Rückgrad der Story - Der Aufbau
« Antwort #7 am: 13.08.10, 14:26 »
Naja... zuerst war es eine Geschichte, die nicht recht in mein Universum zu passen schien und ein weiser Mann brachte es wie folgt auf den Punkt:

Zitat
Wie wäre es, wenn du die KuGe unabhängig von deinem \"Kontinuum\" schreibst?

Dann wäre sie aus deinem Kopf und du könntest dich besser auf dein anderes Werk konzentrieren.


Das gab den Anstoss, die Ideen die ich habe als Kurzgeschichten zu verfassen und sie, ähnlich einem Säckchen Perlen, auf eine Schnur aufzuziehen...

Dies passt perfekt in mein Konzept und zu meinem Stil, scheint aber die Leserschaft nicht wirklich zu beglücken... :D


Edit: \"Deutsche Sprache... \"

Drake

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Das Rückgrad der Story - Der Aufbau
« Antwort #8 am: 15.10.10, 21:52 »
Ein Thema das ich persönlich als ebenso reizvoll wie wichtig finde ist die \"Wendung\". Grob gesagt, man versucht, dem Leser etwas zu geben, was er so nicht erwartet hat. So ein Moment kann in mehreren Variationen auftauchen (darauf gehe ich später weiter ein), hat aber generell den Sinn, zu überraschen. Damit so etwas funktioniert braucht man natürlich ein gewisses Maß an Planung, sei es in Bezug auf die Story selbst oder einen größeren Handlungsbogen. Man muss wissen, wohin man mit dem Plot will und wie man diesen Moment schrittweise aufbauen kann. Aber letztendlich lohnt es sich, weil man die Befriedigung hat, dass der Leser beeindruckt sein wird, was man sich da zurechtgesponnen hat.

Da ich mir durchaus anmaße, auf dem Gebiet ein paar Erfahrungen (sowohl als Leser, als auch als Autor) zu haben, möchte ich das mal en Detail aufdröseln und vielleicht ein paar nützliche Tipps verteilen und Beispiele geben. Aus Spoilergründen greife ich da aber lieber nicht auf mein eigenes Repertoire zurück. ;)

Also, welche Ausprägungen gibt es (ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber diese drei mag und benutze ich besonders gerne)?

1. Der \"Xanatos-Gambit\"

Eines meiner Lieblingsstilmittel, das aber gleichzeitig auch am schwersten durchzuziehen ist. Wem der Begriff nichts sagt, der Name kommt vom Charakter des David Xanatos aus der Zeichentrickserie \"Gargoyles\", der für diese Art Taktik berühmt war (und netterweise von Jonathan \"Riker\" Frakes gesprochen wurde). Standardmäßig ist das eine Bösewicht-Taktik, aber durchaus auch für Helden anwendbar.

Der Xanatos-Gambit umfasst zwei aufeinander aufbauende Pläne, oder auch einen Plan mit zwei möglichen Ausgängen. Alles dreht sich darum, dass der Planer von beiden (oder allen) möglichen Ausgängen profitiert, wobei idealerweise zunächst nur ein Teilplan sichtbar ist. Dieser \"offene\" Plan ist der, den der Leser (und die Helden/Bösewichter) kennt. Egal wer ihn ausführt, dieser Plan wird von der Gegenseite zu sabotieren versucht und zwar erfolgreich. das ist einfach, aber dann beginnt der schwierige Part: In dem Moment der Niederlage oder kurz danach muss offenbart werden, dass der Planer in Wahrheit noch einen anderen, \"geheimen\" Plan hatte und durch Durchkreuzung des \"offenen\" dieser \"geheime\" Plan entweder aufgeht oder vorangetrieben wurde.

Nehmen wir ein Beispiel, das viele kennen dürften, nämlich Star Wars, konkret den Klonkrieg.

Palpatine aka Darth Sidious hat dort eine Position inne, die es ihm erlaubt, egal was passiert, vom Ausgang des Krieges zu profitieren. Er sitzt als Kanzler mit Notstandsvollmachten auf dem Chefsessel der Republik, gleichzeitig dirigiert er als Sidious die Separatisten. Egal wer gewinnt, er bleibt an der Spitze sitzen und kann seine Feinde die Jedi ausrotten (durch Order 66 oder durch den Sieg der Separatisten). In diesem Beispiel kennt der Zuschauer natürlich durch die Originaltrilogie die Identität von Sidious, aber man stelle sich vor, das wäre ihm unbekannt: In dem Moment in dem Palpatine als Sidious enttarnt wird, hat der Leser einen Schock-Moment, denn ihm wird klar, dass Palpi das alles geplant hat und er gewinnen wird, egal was passiert.

Die Schwierigkeit liegt darin, diese Pläne sorgfältig darauf abzuklopfen, dass möglichst wenig schiefgehen kann. Wenn man eine Schwachstelle übersieht und der Leser denkt: \"Ja, das hat aber nur funktioniert, weil er einfach Glück hatte!\", dann ist der ganze Effekt für die Katz. Das erfordert eine Menge Planung und kontinuierliches Abklopfen des eigenen Plans.

Ein besonderer Vorteil dieses Stilmittels (und mit der Grund, warum ich es so sehr mag) ist, dass der Leser den Eindruck bekommt, dass der Planer intelligent ist und mitdenkt. Das ist besonders nützlich, wenn es sich um einen Bösewicht handelt, da intelligente Bösewichte leider immer noch eher rar gesäht sind.
Der andere Vorteil ist, dass man den Helden einen Scheinsieg gönnt und gleichzeitig dem Bösewicht einen eigenen Sieg verschafft. Das wirkt der Abnutzung entgegen, die jeder Antagonist hat, der zu oft den Kürzeren gegen den Helden zieht (s. die Borg in Trek, oder diverse effektiv zu Lachnummern verkommende Kinderserien-Bösewichte).

2. Foreshadowing

Ein sehr schönes Fremdwort, das im Prinzip nichts anderes bedeutet als \"Andeutungen\", hier speziell in Bezug auf spätere Plotereignisse. Das ist mit etwas Planung sehr einfach abzuziehen und ich denke viele haben es schon in der einen oder anderen Variation benutzt. Dennoch, es lohnt, sich darüber gesondert Gedanken zu machen, aus Gründen die weiter unten erläutert werden.

Diesmal ein klassisches Beispiel: MacBeth

Der Hauptcharakter bekommt prophezeit, dass \"kein Mann, geboren von einer Frau\" (sinngemäße Übersetzung des englischen \"No man from a woman born\") ihn töten könne und ist natürlich dementsprechend übermütig. Bis er dann doch getötet wird und von seinem Gegner gesagt bekommt, dass er \"aus dem Leib seiner Mutter gerissen\", also per Kaiserschnitt und nicht \"von einer Frau\" geboren wurde.
(Eine einfacher gestrickte Variation davon findet sich im Herrn der Ringe: Der Hexenkönig prahlt, dass kein Mann ihn töten könne, Eowyn antwortet lapidar sie sei kein Mann und erledigt ihn)

Das erklärt auch direkt, worum es dabei geht: Idealerweise darf der Leser nicht merken, dass das was man ihm da hinwirft etwas wichtiges ist, bis er dann ein paar Absätze/Stories weiter merkt, dass sich da schon lange im Hintergrund etwas zusammengebraut hat. Bei sowas muss man sich in die Lage des Lesers versetzen können und sich darüber im klaren sein, was er a.) gerade weiß (wir Autoren wissen ja meistens mehr als er) und b.) was er erwartet. Dieses Wissen (bzw. Unwissen) und die Erwartungen nutzt man für dieses Stilmittel aus, entweder indem man die andeutung nur in einem Nebensatz einstreut oder indem man eine Aussage bewusst so doppeldeutig formuliert, dass er auf eine falsche Fährte gelockt wird.

Was hierbei schiefgehen kann, ist dass man zuviel verrät, oder die Andeutung zu offensichtlich und durchschaubar macht. Immer dran denken, das funktioniert nur, wenn der Leser später denkt: \"Moment, da war doch vorhin schon mal was! *Zurückblätter* Das ergibt ja auf einmal alles einen Sinn!\" Prophezeiungen oder Vorhersagen sind eine sehr klassische Art das zu erreichen (s. das Beispiel), können aber auch nach hinten losgehen, eben WEIL sie schon so oft verwendet wurden.
Also aufpassen. ;)

3. Plot-Coupons

Diese kleinen Biester sind eng verwandt mit dem Foreshadowing und ich glaube jeder der schonmal eine klassische Detektivgeschichte der Marke Sherlock Holmes gelesen hat dürfte sich etwas darunter vorstellen können. Es sind minimale Hinweise, die direkt auf eine Lösung hinarbeiten. Der Unterschied ist, dass Plot-Coupons für die Lösung des Problems wichtig bis unverzichtbar sind, Foreshadowing dagegen nur ein \"netter Bonus\". Auch hier ist das Ziel ein \"Aha!\"-Erlebnis für den Leser.

Ein Beispiel hatte ich ja schon genannt: Sherlock Holmes, der seine Fälle löst, weil er wichtige Details bemerkt und zusammenführt, die den anderen (und dem Leser) verborgen bleiben, bis Holmes seine Beweiskette herunterrappelt und den Täter überführt.

Hier ist die Hauptschwierigkeit die Hinweise so einzubauen, dass es später nicht so wirkt als habe man sie beider Auflösung erst aus dem Hut gezaubert, aber sie trotzdem beim ersten Durchlesen unscheinbar sind. Gesprochene Hinweise kann man in Dialogen über ein eigentlich anderes Thema (oder in einem Nebensatz) verstecken, Gegenstände oder andere Hinweise in Beschreibungen der Umgebung. Es muss sich so lesen, als würde man eigentlich die ganze Zeit von etwas anderem schreiben, dem der Leser gerade keine echte Bedeutung für die Lösung des Problems beimisst. Außerdem ergeben idealerweise nur alle Coupons zusammen die Lösung, damit der Leser nicht zufällig beim Stolpern über einen einzelnen die Lösung erkennt, die man eigentlich erst Seiten später enthüllen wollte.

SSJKamui

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« Antwort #9 am: 16.10.10, 14:35 »
Ich stimme zu.

Irgendwie erinnern mich manche Ausdrücke, die du verwendet hast an die Lexikonseite \"TVTropes.com\". Besonders der Begriff \"Xanatos Gambit\" kommt mir sehr bekannt vor.

Die Seite ist teilweise wirklich echt nützlich bei der Planung von Geschichten. Zum Beispiel hatte ich mein Caine Konzept zu seiner aktuellen Form entwickelt nachdem ich dort einige Artikel zu Alienkonzepten las.

So ein Xanatos Gambit hatte ich in meiner ersten Star Trek Fanfic eingesetzt. Da wurden die Q Opfer einer solchen Falle und wollten den Plan einer anderen Spezies aufhalten. Erst am Ende erfuhren sie, dass diese andere Spezies die Aktionen der Q genau eingeplant hatte, weshalb die Q genau das auslösten, was diese Spezies wollte. (Und das war mehr als \"ungemütlich\", um es mal so zu sagen.)

Fleetadmiral J.J. Belar

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« Antwort #10 am: 16.10.10, 14:37 »
@ Drake

Toller Post. Und sehr lehrreich.
Ich denke, ich werde mich irgendwann mal an das Xanatos Gamit wagen. Denn diese Form der Verwicklung liebe ich sehr. Ich könnte mir aber vorstellen, dass ich mir damit im Moment noch die Zähne ausbeiße.

Gruß
J.J.
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« Antwort #11 am: 16.10.10, 14:40 »
Zitat
Original von Fleetadmiral J.J. Belar
@ Drake

Toller Post. Und sehr lehrreich.
Ich denke, ich werde mich irgendwann mal an das Xanatos Gamit wagen. Denn diese Form der Verwicklung liebe ich sehr. Ich könnte mir aber vorstellen, dass ich mir damit im Moment noch die Zähne ausbeiße.

Gruß
J.J.


Ja, ich liebe diese Pläne auch sehr. Gerade beim Thema Zeitreisen nutzte ich dieses Thema häufig, dass die Antagonisten die Protagonisten häufig zu Zeitreisen verleitet haben, da diese so glaubten, sie könnten die Antagonisten aufhalten, was dann aber das Gegenteil auslöste. (Komischerweise verleiten mich gerade Zeitreiseplots immer zu solchen Ideen.)

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« Antwort #12 am: 16.10.10, 14:48 »
Zeitreisen scheinen in der Tat für solcherlei Pläne geradezu prädestiniert zu sein.
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« Antwort #13 am: 16.10.10, 15:02 »
Zitat
Original von Fleetadmiral J.J. Belar
Zeitreisen scheinen in der Tat für solcherlei Pläne geradezu prädestiniert zu sein.


Ja, das stimmt wirklich. Eine Frage, die sich mir gerade stellt ist ob man vielleicht mal einen Plot aufziehen kann, in dem die Guten so einen Plot nutzen gegen die Feinde und es erst in der letzten Sekunde klar wird, dass sowohl die Protagonisten als auch die Antagonisten von einer höherrangigen Person so reingelegt wurden.

Fleetadmiral J.J. Belar

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« Antwort #14 am: 16.10.10, 15:10 »
Das wäre mal was innovatives. Die Idee gefällt mir. Ich sehe mich nur im Moment außer Stande, sowas kompliziertes umzusetzen. Aber das wäre echt mal ein Versuch wert.
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