Mir ist vor einiger Zeit ein Effekt aufgefallen, den es zu vermeiden gilt und der Geschichten Schlecht macht. Ich nenne diesen die
Unabsichtliche Postmoderne
Um das zu verstehen, mal ganz grob was Postmoderne ist: Postmoderne ist eine Strömung insbesondere aus der französischen Philosophie, die aus dem Poststrukturalismus und der Analyse von Sprache hervor ging. Der Philosoph Focault ist der bekannteste postmoderne Philosoph. Typisch für die Postmoderne ist die Analyse von Narrativen und deren Einfluss auf das menschliche Leben. Die Postmoderne geht davon aus, dass vieles, was wir für selbstverständlich halten eigentlich eine Art Story ist, durch die wir die Welt sehen und die unser Handeln beeinflusst. (Der Begriff "Soziales Konstrukt" spielt hier eine Rolle.)
Ein paar Beispiel wie das angewandt wird: Es gibt einmal den Philosophen Jean Baudrillard der quasi sagte, dass die Mediendarstellung der Realität wichtiger wird als die eigentliche Wirklichkeit die wir sehen können. (Bestes Beispiel sind peinliche Situationen von Jugendlichen bei ihrem "ersten Mal" die daraus entstehen, weil sie entweder Pornos folgen oder Dinge erwarten, die sie in Pornos gesehen haben, ohne zu bemerken, dass das überzeichnete Fiktion ist. Mehr Details bringe ich nicht.) Bei Gillez Deleuze und Felix Guattari ist das menschliche Ego eigentlich nur ein System, was eine Lebensgeschichte zurecht spinnt und bestimmte Erinnerungen passend zurecht legt, um die eigenen Begierden und Wünsche zu rechtfertigen. Laut Alexander Dugin (den werden viele wahrscheinlich nicht mögen, aber der ist hier ein sehr gutes Beispiel) sind politische Ideologien keine neutralen Vorschläge die Welt zu verändern, sondern Stories die aussagen, was ein Mensch ist, was er braucht und wie die Politik dazu zu reagieren hätte, mit dem Ergebnis, dass ihre Anhänger nicht mehr objektiv denken, sondern alles im Hinblick dieser Story. (Beispielsweise der liberale Individidualismus oder der sozialistische Klassenkampf.) Der britische postmoderne Philosoph Nick Land erfand wiederum den Begriff der Hyperstition, was quasi die Steigerung von Aberglauben ist. Eine Hyperstition ist eine Story und ein Aberglaube, an den Leute glauben, nur während der Aberglaube nicht real ist, erzeugt die Hyperstition eine Situation wo Leute, die an sie glauben, unabsichtlich daran arbeiten, dass sie real wird. Ein Beispiel wäre, wenn jemand glaubt, schwarze Katzen bringen unglück, einer schwarzen Katze begegnet, Angst kriegt, ausweichen will und von der Treppe fällt. Da hätte der Aberglaube, dass schwarze Katzen unglück bringen, tatsächlich nun dafür gesorgt, dass die schwarze Katze unglück brachte. Die Prophezeiung am Anfang von Ödipus, wo Ödipus dadurch dann versehentlich genau die Prophezeihung in Gang setzt, obwohl er sie verhindern wollte, ist auch ein Beispiel für Hyperstition. Anakins Handlung in die Rache der Sith ist auch ein gutes Beispiel.
Diese Beispiele erklären gut, was Postmoderne mit Narrativen zu tun hat. (Ein anderes Beispiel wo man das sehen kann, sind dass viele Abschlussarbeiten in Gender Studies auffällig "Nerdig" sind und Serien wie Star Trek oder Star Wars analysieren. Das kommt aus der Betonung von Narrativen.)
In Fiktion wirkt sich das so aus, dass postmoderne Geschichten quasi Self Aware Geschichten sind, wo die Geschichte (und die Hauptfiguren oft) wissen, dass sie nur Fiktion sind und sich deshalb auch so benehmen. Am Bekanntesten ist hier Deadpool, aber auch Werke wie Neon Genesis Evangelion, Haruhi Suzumiya und Alan Moores Watchmen sind in dem Sinne Postmodern.
Was meine ich nun mit versehentlicher Postmoderne
Dies ist ein Phänomen, wenn ein Autor ein bestimmtes Ergebnis in der Story haben will, wie ein bestimmtes Klischee oder Trope und die Story so konstruiert dass dieser Trope auftaucht und es so aufgebaut ist, dass der Konsument bemerkt, dass die Story auf diese Trope hin aufgebaut ist und darauf hinaus soll. In Animes ist es typisch, dass bestimmte spätere Moe Autoren bestimmte Klischee Mädchentypen wie Tsundere (ein Mädchen was übertrieben Zickig und Aggressiv ist aber doch heimlich in die Hauptfigur verliebt ist) haben wollen und die Story so aufbauen, dass sie dem Klischee dient weil sie so ihre persönlichen Fetische bedienen wollen.
Bei Star Trek ist das Klischee, dass Picard gerne tiefgründige Reden hält und die Fans davon beeindruckt sind und die gerne zitieren. Bei der neuen Star Trek Academy Serie ist ein Hauptziel der Ausbildung als Sternenflottenwissenschaftler nun nicht, Wissenschaft wie Physik beherrschen zu können, sondern Rhetorik und das Lernen, solche Reden zu schwingen. Man merkt also das die Geschichte in einem schon sehr unrealistischen Maß genau darauf aufgebaut ist, diese wahrscheinlichen Lieblingsmomente der Autoren in früheren Serien zu ermöglichen, obwohl das in der Lore wiederum zu Unlogik und Canon Ungereimtheiten führt. (Beispielsweise würde man annehmen, dass die Sternenflotte mehr Wert darauf legt, Physik und die Handhabung des ziemlich gefährlichen Warpkerns zu lernen.)
Und an beiden Beispielen merkt man auch, das hat so eine Mary Sue Artige Form von Wunscherfüllung für den Autoren, die dann wichtiger wird als die eigentliche Geschichtenlogik.