Autor Thema: Konversationen  (Gelesen 1977 mal)

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Drake

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« Antwort #15 am: 18.02.11, 13:31 »
Ich sehe das auch so, dass man deutlich trennen sollte zwischen der vom Autor geplanten und der implizierten Botschaft. Das kann zum einen sehr weit auseinander driften (vor allem wenn die implizierte Botschaft durch ungünstige Plotumstände so ziemlich das Gegenteil von der eigentlich geplanten ist), zum anderen ist es für den Autoren unter Umständen wenig schmeichelhaft, wenn man aus seinen Stories z.B. ein Loblied auf totalitäre Regimes oder Militarismus herausliest, er aber einfach nur eine spannende Geschichte im Warhammer-Universum schreiben wollte.

Tolkien hat sich z.B. immer vehement gegen die Interpretation gewehrt, der Herr der Ringe sei eine Parabel auf den 2. Weltkrieg.

Max

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« Antwort #16 am: 18.02.11, 13:43 »
Zitat
Original von Drake
Ich sehe das auch so, dass man deutlich trennen sollte zwischen der vom Autor geplanten und der implizierten Botschaft. Das kann zum einen sehr weit auseinander driften (vor allem wenn die implizierte Botschaft durch ungünstige Plotumstände so ziemlich das Gegenteil von der eigentlich geplanten ist), zum anderen ist es für den Autoren unter Umständen wenig schmeichelhaft, wenn man aus seinen Stories z.B. ein Loblied auf totalitäre Regimes oder Militarismus herausliest, er aber einfach nur eine spannende Geschichte im Warhammer-Universum schreiben wollte.

Tolkien hat sich z.B. immer vehement gegen die Interpretation gewehrt, der Herr der Ringe sei eine Parabel auf den 2. Weltkrieg.

Man kann sich, das ist doch auch wunderbar, als Autor von Deutungen distanzieren, am besten ist es aber, wenn man das textintern fertig bringt.

Plotumstände definiert der Autor selbst und sogar wenn er sie als ungünstig übernimmt, gibt es viele Methoden, sich zu distanzieren.
Als Beispiel: Sollte Alex selbst die Meinung vertreten, Kendalls Aussage sei Quatsch, kann er die Figur Kendall negativ darstellen und ohne großen Aufwand damit auch die Aussage in ein anderes Licht rücken.

Klar: Nicht jede Interpretation trifft ins Schwarze, aber man muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass der, der eine Geschichte deutet, dort einfach das hineinliest, wonach ihm gerade der Sinn steht. Zu einer guten literaturwissenschaftliche Methode gehört gerade auch das Streben, so objektiv und so nah am Text wie möglich vorzugehen.
Ins Hirn des Autoren kann niemand reinschauen, das ist klar. Das bedeutet aber auch umgekehrt, dass sich der Autor im Klaren darüber sein muss, dass der Leser der Geschichte den Autor als Mensch nicht gut genug kennt und erstrecht nicht seine Gedanken lesen kann und sich deswegen an den Text und an die dort hergestellten Bezüge halten muss, um die Inhalte zu entdecken. Man darf da denke ich als Autor also nicht zu naiv an die Sache herangehen!
- [...] Kelvin, machen wir die Luken auf, wir rufen ihn, rufen dort hinunter, vielleicht hört er uns? Aber wie heißt er? Denk nur, wir haben alle Sterne und Planeten benannt, aber vielleicht hatten die schon Namen? Welch ein Übergriff! Hör zu, gehen wir hin. Wir werden schreien... wir sagen ihm, was er aus uns gemacht hat, bis er entsetzt ist... dann baut er uns silberne Symmetriaden und betet für uns mit seiner Mathematik und überschüttet uns mit blutenden Engeln, und seine Qual wird unsere Qual sein, und seine Angst unsere Angst, und er wird uns anflehen um das Ende. Denn das ist alles, was er sein mag und tun mag, das ist Flehen um das Ende. Warum lachst du nicht? Ich mache doch nur Spaß. Wenn wir als Rasse mehr Humor hätten, wäre es vielleicht nicht soweit gekommen.

The Lurkaholic

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Antw:Konversationen
« Antwort #17 am: 16.03.11, 06:15 »
Ich lese mir das gerade so durch, und muss zugeben, ich stimme eher Alex und Drake zu. Ich verstehe schon, dass jede Geschichte von selbst eine Botschaft rüberbringt. Aber muss das den Autor wirklich so sehr interessieren? Vielleicht will man ja einfach nur eine Geschichte zu erzählen, ohne sich mit ethischen Fragen zu beschäftigen. Ich persönlich interessiere mich immer dafür, aber es ist doch auch nicht schlimm wenn ein Autor sich sehr für seine Charaktere und Handlungen interessiert, ihm aber schnurz ist, was bei deren Darstellung für eine ethische Frage behandelt wird. Dann würde ich nämlich auch wie Alex eher das nehmen was mir gerade so unterbewusst eingefallen ist, auch wenn sich die Message dabei meinetwegen komplett umkehrt. Da kommt es mMn auf die eigenen Prioritäten an.
Ich weiß, was ich weiß, doch nur das, was ich nicht weiß, macht mich heiß, weil ich's gerne besser wüsste.

ulimann644

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« Antwort #18 am: 16.03.11, 06:50 »

Zitat von: Max


Klar: Nicht jede Interpretation trifft ins Schwarze, aber man muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass der, der eine Geschichte deutet, dort einfach das hineinliest, wonach ihm gerade der Sinn steht.


Wenn jemand in einer Fantasy-Story Bezüge zu WW2 findet, dann halte ich diese Aussage für ein Gerücht !!


Und wenn jemand aus einem harmlosen Satz in einer TREK-FF einen Bezug zu einem SS-Motto herstellen will - ebenfalls... ;)


@Lurk
Natürlich sollte man aufpassen, welche Aussagen man in einer Story transportiert, aber das Ganze kann man natürlich auch übertreiben.
Eine SF-Story ist für mich grundsätzlich und primär erst einmal eine SF-Story, in die ich nicht um jeden Preis etwas hineinlesen muss - was darin nicht steht. ( Und in den meisten Fällen auch gar nicht vermittelt werden soll )

Tolayon

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Antw:Konversationen
« Antwort #19 am: 16.03.11, 10:52 »
Bei Fan-Fictions mag in der Tat in den meisten Fällen kein weitergehender Hintergerdanke, außer dem der reinen Unterhaltung stehen.

In der kommerziellen Science-Fiction jedoch, die von Autoren, die in stark autoritären Staaten leben geschrieben wurde und wird (etwa von Stanislav Lem zu Zeiten der Sowjetunion), kann man unter dem Mantel des Genres durchaus regimekritische Gedanken äußern, die Eingeweihte durchaus richtig deuten können - allerdings darf die Allegorie dann nicht zu offensichtlich sein, um nicht der Zensur zum Opfer zu fallen.

Kirk

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Antw:Konversationen
« Antwort #20 am: 22.10.18, 22:30 »
also ich muss sagen das ich ein Problem mit Dialogen habe. Endweder verwende ich (gefühlt oder auch nur eingebildet) zu wenige und Beschreibe in einem elen Langen Text die Gegend oder Handlung und die Charakter reden nicht oder nur kaum.
Und auf der anderen Seite habe ich manchmal das Gefühl das die Charakter Stundenlang über die selbe Sache schwafeln aber rein gar nichts Passiert.

habt ihr das auch manchmal?
Wen ja, was macht ihr dann?
Oder lasst es so und niemand beschwert sich weil das Problem nur eingebildet war?
Star Trek: Starfleet: USS Galactica Status:
Kapitel 5 von 13 fertig
Star Trek: Starfleet: USS Dingo Status:
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Roger van Dyke

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« Antwort #21 am: Heute um 08:45 »
Hi Kirk,

ich habe jetzt gerade mal deine Kurzgeschichte gelesen und dabei auf die Dialoge geachtet.
Speziell in dieser Episode finde ich das komplett ausreichend. Es geht hier um militärische Konversation, die zwangsweise kurz angebunden ist, während die private Unterhaltung zwischen den Teammitgliedern auch ein wenig Emotion aufkommen lässt.
Da hat mir an manchen Stellen eher ein wenig mehr Information gefehlt. In dieser Kurzgeschichte hast Du jedenfalls nix falsch gemacht was die Konversation angeht.
=/\=
Rogers Portfolio


Kürzlich war ich in Frankfurt auf der Zeil und habe den Menschen zugehört, die an mir vorübereilten. Da hab ich wieder richtig Sehnsucht nach Deutschland bekommen, wo alle meine Sprache sprechen.

Alexander_Maclean

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Antw:Konversationen
« Antwort #22 am: Heute um 01:28 »
Was gerade bei deinem zweiten Problem - dass nur drm rum geredet wird - helfen kann, ist folgendes:

1.Überlege dir, wann du die Info an dem Leser weitergeben willst.
Manchmal kann es sinnvoll, wenn Figuren die Infos vor dem Leser erhalten, diese aber nur andeuten.

2. Vermeide Wiederholungen.
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Projekt "One Year a Crew" Status: Konzept 100% Schreiben 21,34% Grafisches 0% Erscheinjahr 2019


 

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