Autor Thema: Der Feind/Antagonist/Horror etc.  (Gelesen 7606 mal)

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SSJKamui

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Der Feind/Antagonist/Horror etc.
« am: 06.03.12, 09:28 »
Ich hoffe, dieser Thread wird nicht wie meine letzen Postings hier in diesem Unterforum ignoriert. (Keine Ahnung, woran das gelegen hat. Deshalb hatte ich mich auch zuerst nicht getraut, diesen Thread zu eröffnen, obwohl in einem Forum von Alexander_Maclean und Anderen das als gute Idee.)

Also, wie erzeugt man einen guten Gegner für die Geschichte? Wie kann man erreichen, dass dieser Feind dem Leser so richtig das Fürchten lehrt?

Ich fange mal mit einigen paar generellen Tipps an.
1. Suche nach eigenen Ängsten, Dissonanzen, Alpträumen etc.
Das ist wirklich nützlich um wirkungsvolle Gegner zu erzeugen. Viele der schlimmsten Monster der Science Fiction sind so entstanden, beispielsweise der Terminator, der Xenomorph aus Alien (und alle anderen Kreaturen von H.R. Giger) und der Große Alte Cthulhu.  Ich hatte damit auch schon relativ gute Erfahrungen mit der Methode. Zum Beispiel hatte ich als Kind eine riesige Phobie/Angst vor Pilzen. Pilze, die andere Lebewesen quasi von Innen auffressen kamen für mich auch irgendwie von allen Lebensformen am Nahesten einem Dämon. Mein erfolgreichstes Comic und meine erfolgreichste Geschichte hier bisher handelten von einem biologischen Waffensystem, das aus einem alles auffressenden Alienpilz bestand und ganze Welten so verschlang.

2. In der Planung ist alles Erlaubt/Keine Grenzen Setzen
Es hilft wirklich zu versuchen, zumindest am Anfang alles aufzuschreiben, was einem Einfällt und sich zu trainieren, Gedanken wie "passt nicht", "zu brutal/grotesk etc." zu ignorieren und vielleicht solche "verbotenen Gedanken" sogar selbst zu fördern.

3. Metaphern/Implizite Elemente etc.
Wenn ein Gegner mehr aussagt als explizit gezeigt kann der Gegner eine größere/stärkere Wirkung entfalten. Wenn man irgendwelche Metaphern und Anspielungen schafft zu Elementen, die schon so mit Grusel/Angst begegnet wird kann man diese Eigenschaften beim Leser auch assoziativ auf den Gegner übertragen. Dies ist ein Grund, warum viele Monster Insektoid sind, da Insekten schon so als Unheimlich gelten bei den meisten Leuten. Es muss aber nicht unbedingt was aus dem Tierreich sein, auch technische Elemente und Elemente mit indirekter Bedeutung gehen. (Beispielsweise haben einige Monster Elemente von Skeletten, wobei Skelette dann wieder selbst für den Tod stehen.) Hier ist als gutes Beispiel wieder mal der Xenomorph zu nennen.

4. Der Gegner als Infragestellung des Helden
Gegner wirken manchmal etwas stärker wenn ihr Handeln indirekt oder direkt den Helden in Frage stellt, zum Beispiel wenn der Gegner eigentlich derjenige ist, der im Recht ist, oder wenn Verfehlungen des Helden eigentlich den Feind selbst erschaffen haben. Genau so kann man auch in Frage stellen, ob der Gegner überhaupt Böse ist oder ob sich Protagonisten und Antagonisten nicht besser verbünden können

5.  Der Gegner als Rätsel
Wenn der Gegner zum Miträtseln/Mitraten einlädt erhöht das den Bezug, den der Leser zur Geschichte hat und wenn es richtig gemacht wird kann dies das Interesse der Leserschaft merklich erhöhen.

Alexander_Maclean

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Antw:Der Feind/Antagonist/Horror etc.
« Antwort #1 am: 06.03.12, 10:04 »
Also ich setze eher auf die 4. Kategorie. Sprich der Gegner als Infragestellung des Helden.

Und zwar in der Form, das Gegner von seiner Sicht aus das Richtige tut. Und das es eben eine Frage de Ansichten ist, die zu dem Konflikt führt.

Gutes beispiel ist hier meiesn erachtens der Dominionkrieg in ST, wo sich

a) Die Gründer von den Solids bedroht fühlen aufgrund früherer schlechter Erfahrungen.
b) Die Föderation ihren Forscherdrang nachgeht.
b) die AQ Völker mit ihren ständigen Flügen durch das Wurmloch bzw. dann auch den angriff der Geheimdienste nichte gerade dazu beitragen dieses Misstrauen abzubauen.
c) Wo die Cardassianer sich dem Domnion anschließen um ihre alte Stärke zu erlangen.
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ulimann644

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Antw:Der Feind/Antagonist/Horror etc.
« Antwort #2 am: 06.03.12, 10:08 »
Ich würde diesen Überlegungen noch einen sechsten Punkt hinzufügen.
Nämlich den Feind, den man zunächst einmal gar nicht als Feind wahrnimmt, oder wahrhaben will...
Das sind IMO die gefährlichsten und gleichzeitig die gerissensten IMO.

Eine interessante Abwandlung/Ergänzung dazu sind die Feinde, bei denen sich erst nach einer Weile herausstellt, dass sie gar keine Feinde sind.

SSJKamui

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Antw:Der Feind/Antagonist/Horror etc.
« Antwort #3 am: 06.03.12, 10:32 »
Also ich setze eher auf die 4. Kategorie. Sprich der Gegner als Infragestellung des Helden.

Und zwar in der Form, das Gegner von seiner Sicht aus das Richtige tut. Und das es eben eine Frage de Ansichten ist, die zu dem Konflikt führt.

Gutes beispiel ist hier meiesn erachtens der Dominionkrieg in ST, wo sich

a) Die Gründer von den Solids bedroht fühlen aufgrund früherer schlechter Erfahrungen.
b) Die Föderation ihren Forscherdrang nachgeht.
b) die AQ Völker mit ihren ständigen Flügen durch das Wurmloch bzw. dann auch den angriff der Geheimdienste nichte gerade dazu beitragen dieses Misstrauen abzubauen.
c) Wo die Cardassianer sich dem Domnion anschließen um ihre alte Stärke zu erlangen.

Danke für die Antwort. Ich stimme vollends zu. Allerdings meinte ich das hier nicht als Ausschließliche Kategorien sondern eher als Aspekte, die durchaus zusammen wirken können.

Ich würde diesen Überlegungen noch einen sechsten Punkt hinzufügen.
Nämlich den Feind, den man zunächst einmal gar nicht als Feind wahrnimmt, oder wahrhaben will...
Das sind IMO die gefährlichsten und gleichzeitig die gerissensten IMO.

Eine interessante Abwandlung/Ergänzung dazu sind die Feinde, bei denen sich erst nach einer Weile herausstellt, dass sie gar keine Feinde sind.

Dem stimme ich zu. Stephen King nannte sowas auch den "Werwolf" als eine Hauptkategorie von Feinden. Ein eher harmlos oder gut erscheinender Charakter, der aber ein Doppelleben hat und insgeheim Böses im Schilde führt. Da ist auch ein Element der Paranoia dabei, da man so nicht weiß, wem man trauen kann und wem nicht. Auf die Spitze treiben kann man dies mit Leuten, die unabsichtlich ein Doppelleben führen (oder sogar ein Dreifachleben), zum Beispiel Manchurianische Kandidaten, andere Arten von Gehirnwäsche, Besessenheit oder Alienparasiten. Dadurch erzeugt man teilweise sogar Mittleid für den Gegner, da er sogar selbst Opfer ist. Die führt auch zu ethischen Fragen, darf man den Unschuldigen Opfern um den Feind zu erledigen.

In einem Ratgeber, den ich mal gelesen hatte nannte man auch das Element von Dr.Jeckyll und Hyde Spaltungen (wie bei einigen Transporterunfällen in Star Trek oder dem Spiegeluniversum) und Kämpfe "gegen sich selbst" ebenfalls als Variante davon. Dazu passt auch die campbellianische/jungsche Konzeption des Schattens als Gegner, der Verkörperung der Verdrängten Eigenschaften die der Protagonist nicht wahr haben will, denen sich der Protagonist aber selbst stellen muss. Häufig muss der Held sich auch bei so einer Konfrontation mit seinem "Schatten" symbolisch oder warhaftig wiedervereinen um zur vollen Stärke zu gelangen.

Als Tipp dazu wird bei solchen Plots empfohlen, besonders auf die Enthüllungsszene zu achten und die besonders spektakulär/gut zu planen.

Daneben hat King als andere Kategorien auch gemeint eine quasi Todesverkörperung wie Beispielsweise Zombies, Geister etc. (Oder bei Star Trek die Borg) und als Letztes eine Sprengung der bekannten Naturgesetze und ein scheinbarer Widerspruch mit den logischen Gesetzen der Welt. Dazu gehören sowohl ungewöhnliche, monströse Varianten realer Wesen (Mutanten etc.) als auch Kreaturen, die durch andere Evolution auf anderen Planeten so fremd sind, dass sie vom menschlichen Geist nicht mehr wirklich verständlich sind.  Dies wird auch als die ultimativste Bedrohung für Menschen gesehen, da die Menschen so auch nicht mehr wirklich vorhersagen können, wie der Gegner sich verhalten wird, da es wirklich keine bekannte Entsprechung dazu gibt in der bekannten Welt und auch dies der ultimativste geistige Widerspruch für Menschen ist. (Und der Mensch sowieso Widersprüche/Dissonanzen als Problem empfindet.)   Dies ist somit auch fast der ultimative Machtverlust der Protagonisten.

Lairis77

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Antw:Der Feind/Antagonist/Horror etc.
« Antwort #4 am: 06.03.12, 14:41 »
Cooler Thread!  :thumb
Ich würde noch eine 7. Kategorie hinzufügen: Das Opfer, das zum Täter wird. So erschafft man interessante Gegner, die man verstehen und für die man zu einem gewissen Grade sogar Mitleid empfinden kann. Lässt sich auch gut verknüpfen mit Punkt 4: Infragestellung der Helden.
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SSJKamui

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Antw:Der Feind/Antagonist/Horror etc.
« Antwort #5 am: 06.03.12, 16:50 »
Stimmt. So ein Racheplot eines Verbrechensopfers ist ja auch typisch für Geistergeschichten. Eines der bekanntesten neuesten Beispiele dürften die Yurei sein, eine Form japanischer Geisterfrauen, die im letzten Jahrzehnt zu extremer Bekanntheit auch in Westmedien schaffte. (Die berühmtesten Beispiele dafür sind The Ring, Der Fluch und die Spielereihe F.E.A.R.)

Auch bei künstlichen Menschen wie Frankenstein etc. spielt das Element der Rache eines Opfers ja eine Rolle.

Dies passt auch gut zur typischen Funktion von Gegnern in Horrorgeschichten. Diese sind zum Einen nämlich die Strafe (oder Vollstrecker der Strafe) dafür, dass die Gesellschaft oder die Protagonisten im Speziellen Grenzen überschritten und sich in etwa "Versündigten". Zum Beispiel durch wissenschaftliche Versuche (Frankenstein) oder Ähnliche Recherchen um an Biowaffen zu kommen (Die Ereignisse in Alien sind auch ausgelöst wurden durch den Versuch von Weyland Yutani, die Aliens zu suchen um diese als Biowaffen zu benutzen. Bei den Metroid Spielen ist es ähnlich mit den Metroids und im Resident Evil Franchise waren auch illegale Biowaffenversuche die Ursache für alles) oder beispielsweise unkonkreter Gesellschaftliche Ereignisse/Missstände. (Bei der Figur Leatherface gibt es einige Anspielungen, dass dieses "Ungeheuer" auch durch die Verarmung der amerikanischen Arbeiterklasse, Arbeitslosigkeit etc. erzeugt wurde. (Der Stammte aus einer Familie von Fleischereiarbeitern die vom wirtschaftlichen Verfall und Arbeitslosigkeit bedroht waren.))

Das Böse, was durch Grenzüberschreitungen oder Sünden der Gesellschaft ausgelöst wird taucht auch in nicht Horror Filmen auf. (Ein Non Horror Beispiel ist der Film Akira, mit dem Gerede "Es gibt Energieformen, die der Mensch nicht kontrollieren kann" etc. und den Experimenten, die dann amoklaufende Mutanten und Explosionen durch unkontrollierbare Energieentladungen zur Folge haben.)

Bei Typen von Gegnern habe ich eben auch noch eine Dr.Jeckyll und Hyde Variante vergessen. Das Böse/der Gegner nicht als Person sondern als Transformation. Beispielsweise Kafkas die Verwandlung, einige Mutantenfilme, Akira ein wenig (genau so wie die Borg Assimilation ein wenig) und die Tetsuo Reihe. Da ist nicht das Problem der Protagonisten, das Böse zu bekämpfen, sondern zu verhindern, dass man selbst zum "Bösen" wird. Der Gegner ist kein Wesen sondern ein Prozess, indem sich die Protagonisten wider Willen befinden.

ToVa

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Antw:Der Feind/Antagonist/Horror etc.
« Antwort #6 am: 06.03.12, 18:04 »
Die in meinen Augen schlimmsten Gegner sind jene die in gewissen Zwangsläufigkeiten feststecken bzw. auch die ganz Rationalen. Gerade auch deswegen weil sie nicht so eindimensional sind.

Adrian Veidt ("Watchmen") ist zB so ein Gegner, der rational handelt - so das der Leser/Zuschauer fast schon nickt und sich selber die Frage stellen muss, "Kann man das anders machen?" Zb die Ermordung von 20 Mio Mneschen ist natürlich böse par excellence... aber was wenn damit die Rettung des Weltfriedens und damit das Wohl von mehreren Milliarden dran hängt, wie er argumentiert?

Bei Star Trek wäre so ein Gegner zB Vger... denn; Warum nicht das ganze Universum als Datenmuster speichern? Passt doch! Auch General Chang in ST VI tendiert in die Kategorie... er handelt "böse" weil er keine Veränderung des Status will. Er argumentiert sogar damit das die Klingonen durch eine Anbindung an die Föderation ihre kulturelle Identität gefährden... Schaut man was die Serien TNG/DS9 später mit den Klingonen gemacht haben, *hust* hatte Chang nicht ganz Unrecht.

Auch Star Wars verfügt (in Teilen) über so eine Figur: Count Dooku. Dieser führt die Droiden-Allianz an, gegen die Republik... in einer Szene versucht der Obi-Wan auf seine Seite zu ziehen indem er ihm sagt das dies die einzige Wahl sei, da die Republik von den Sith unterwandert sei. Was ja stimmt... mit Palpatine hat ein Sith Lord das Kommando über die Republik übernommen. So gesehen hat Dooku Recht... (leider, und dafür könnte ich Lucas heute noch treten, nutzt dieser die Chance nicht, sondern macht Doku am Ende zu eindimensional, weil dieser tatsächlich mit Palpatine verbündet ist).

David

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Antw:Der Feind/Antagonist/Horror etc.
« Antwort #7 am: 07.03.12, 00:14 »
Apropos, Frankenstein.

Ich hoffe es wurde nicht schon erwähnt und ich habe es - da ich schon  ein wenig Müde bin (grad erst zu Hause) - überlesen.

Interessant ist auch der Feind/Gegner, der im Film für die Charaktere und den/die Zuschauer den Bösewicht darstellt, dies aber eigentlich gar nicht ist.

Frankenstein - bzw. das Monster von Dr. Frankenstein, ist ja gar kein Bösewicht sondern wird einfach nur aufgrund seiner Fremdartigkeit von den Menschen (Dorfbewohnern oder so) als solcher angesehen, was aber eigentlich nicht der Fall ist.
Ich glaube T'Pol hatte - als sie in einer ENT Folge den Film gesehen hatte - Parallelen zu der Beziehung Vulkanier - Menschen gezogen.

Das ist auch eine sehr interessante Herangehensweise, IMO. ;)

SSJKamui

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Antw:Der Feind/Antagonist/Horror etc.
« Antwort #8 am: 07.03.12, 08:40 »
Apropos, Frankenstein.

Ich hoffe es wurde nicht schon erwähnt und ich habe es - da ich schon  ein wenig Müde bin (grad erst zu Hause) - überlesen.

Interessant ist auch der Feind/Gegner, der im Film für die Charaktere und den/die Zuschauer den Bösewicht darstellt, dies aber eigentlich gar nicht ist.

Frankenstein - bzw. das Monster von Dr. Frankenstein, ist ja gar kein Bösewicht sondern wird einfach nur aufgrund seiner Fremdartigkeit von den Menschen (Dorfbewohnern oder so) als solcher angesehen, was aber eigentlich nicht der Fall ist.
Ich glaube T'Pol hatte - als sie in einer ENT Folge den Film gesehen hatte - Parallelen zu der Beziehung Vulkanier - Menschen gezogen.

Das ist auch eine sehr interessante Herangehensweise, IMO. ;)

Stimmt. Wenn gar nicht erst klar ist, was der "Feind" überhaupt will kann diese Unsicherheit auch sehr dazu beitragen, dass der "Feind" unheimlicher wird. Ein extremes Beispiel ist die Zone im Film Stalker. Da ist noch nicht einmal klar, was passiert ist.  Es ist nur ein großer Teil Land scheinbar Verseucht und zum Sperrgebiet erklärt nach erfolglosen Versuchen des Militärs, das Ganze unter Kontrolle zu bringen. Es ist nicht mal klar, ob dies ein Unfall war oder geplant war, von irgendjemanden, oder wer oder was überhaupt dahinter steckte. Die genauen Effekte der Zone auf die Menschen werden ebenfalls nicht erklärt, es wird aber angedeutet, dies kann tödlich sein und selbst wenn es nicht zum Tode führt unter Anderem zu körperlichen Schäden wie Haarausfall oder genetischen Missbildungen in späteren Generationen führen. Dies ist für mich deshalb (und wegen einiger unbeabsichtigter aktueller Bezüge) eines der unheimlichsten Sci Fi Konzepte ever und war deshalb auch eines der direkten Vorbilder meiner Caine.

Zum Thema "nicht wirklich Böse", es gibt ein Alienkonzept von Lovecraft mit der Überlegung, unsere ganze Wahrnehmung etc. ist an die Erde angepasst und wirkliche Aliens hätten so fundamental andere Bedingungen der Evolution und würden sich deshalb so anders entwickeln, dass unser an die Erde angepasster Verstand sie nicht wirklich verstehen oder noch nicht mal wirklich erkennen könnte, wenn nicht sogar der Kontakt mit diesen Aliens sogar direkten Schaden anrichten könnte am menschlichen Geist, da dies die Grenzen unseres Denkens auf dermaßen fundamentale Weise sprengen könnte. (Es gibt reale Überlegungen, dass das Thema Unendlichkeit in zu genauer Betrachtung für den menschlichen Verstand durchaus in ähnlicher Weise gefährlich sein könnte, da für uns ein elementares Faktum ist, dass etwas enden muss. ) Lovecraft meinte, diese Aliens seien durch ihre fundamentale Andersartigkeit die schlimmstmögliche Bedrohung für die Menschheit. (Was teilweise von anderen Autoren zu extremen Klischees geführt hatte wie Leute, die diesen Aliens Jungfrauen opfern etc.) Einige Guides zu dem Thema haben aber die Meinung, diese Art von Aliens muss obwohl sie Fremd ist gar nicht Böse sein. Die könnten entweder genau so viel Angst vor Uns haben wie wir vor ihnen oder potentielle Partner sein, was alles an der mangelnden Kommunikation scheitern würde. Ich finde den Gedanken faszinierend  und auch besonders für Star Trek passend. V'Ger wird ja von manchen dieser Guides auch als Beispiel eines solchen "guten" Aliens dieser Variante gesehen, was zuerst nur scheinbar als Bedrohung agiert.

Wie gesagt, diese Überlegungen finde ich extremst faszinierend.

Dazu passt auch folgendes Gegnerkonzept genannt Paranoide Fiktion/Paranoider Horror. Grundüberlegung davon ist, es gibt ja viele psychisch Kranke mit Wahnvorstellungen. Was wäre, wenn nur eine einzige Wahnvorstellung gar keine Illusion gewesen wäre, sondern Wirklichkeit und die Begegnung damit die Ursache der Krankheit? Unter Anderem zählt man zu diesem Konzept viele Werke von Lovecraft, Franz Kafka und Phillip K. Dick und auch das Werk 1984 von George Orwell. Der Gegner kann da viele Formen haben, von Aliens über KI, Überwachungs-/Polizeistaaten bis zu Aliens etc. Meistens aber sind solche Gegner scheinbar übermächtig und können mühelos überall auftauchen und aktionen durchführen. Sie wissen meistens wahrscheinlich auch viel über den Protagonisten, während der Protagonist fast gar nichts über den Antagonisten weiß und der Antagonist zielt irgendwie beabsichtigt oder unbeabsichtigt auf den Verstand der Protagonisten ab. Dabei kann auch die Realität selbst in Frage gestellt werden. Häufig am Ende solcher Geschichten kommen die Protagonisten auch in die Psychiartrie und ihr Erlebtes wird als Wahnvorstellung abgetan, sodass niemand weiß, was wirklich für Kreaturen lauern in der Welt.

Diese Art von Gegnerkonzeption bietet sich eigentlich auch zur Frage an, ob der Gegner nicht wirklich nur eingebildet war.


David

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Antw:Der Feind/Antagonist/Horror etc.
« Antwort #9 am: 07.03.12, 12:39 »
Wow, das geht hier ja ab.
Fast schon philosophisch.

Deine Überlegungen und Beispiele sind wirklich faszinierend SSJ.
Da kommt man ins Grübeln.

Und ich stelle fest, dass ich um so mehr Bock darauf bekomme, diesen Roman asbald in Angriff zu nehmen,

Danke, auch wenn es nicht der Sinn dieses Threads war (oder vielleicht doch? ;)), hat mir das sehr geholfen.

=A=

Vielleicht hätte dieses Thema auch heißen können >> Antagonisten - von Feindbildern, Vorurteilen und .... na ja, was auch immer.

Feinde und Gegner der Hauptfigur hier gleich mit Horror gleichzusetzen ist irgendwie... na ja.

=A=

Jetzt aber btt.

=A=

Ich frage mich, warum es in Filmen und Serien immer wieder so erfolgreich gelingt, frühere Gegner/Feinde so erfolgreich zu Freunden/Alliierten der Hauptakteure zu machen, dass sie sogar zu Sypmathieträgern der ganzen Serie werden können.

Bestes Beispiel, das mir gerade einfällt: Spike aus Buffy.

Alexander_Maclean

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« Antwort #10 am: 07.03.12, 12:51 »
Das ist IMO rrelativ einfach und dennoch schwer.

Nämlich das die "Bösen" eiegnschaften bekommen die sie sympathisch machen.

Gerade bei Spike ist das der Humor.
Ähnlich sieht es auch bei Todd aus Atlantis aus.

Andere Beispiel sind Gul Dukat, der sich durchaus liebevoller Vater präsentiert.

Weiterer Punkt ist die nachvollziehbarkeit der Motive

oder Londo Mollaris B5. Ihm ging s ja nie darum, sienen eigene Macht zu verstärken sondern, wier auch selber sagte immer um den Ruhm seiner Rasse.

Der Zentralpunkt bei allen ist aber: Sie sind anchvollzienbar. also eben nicht pur böse.
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SSJKamui

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« Antwort #11 am: 07.03.12, 13:21 »
Wow, das geht hier ja ab.
Fast schon philosophisch.

Deine Überlegungen und Beispiele sind wirklich faszinierend SSJ.
Da kommt man ins Grübeln.

Und ich stelle fest, dass ich um so mehr Bock darauf bekomme, diesen Roman asbald in Angriff zu nehmen,

Danke, auch wenn es nicht der Sinn dieses Threads war (oder vielleicht doch? ;)), hat mir das sehr geholfen.

=A=

Vielleicht hätte dieses Thema auch heißen können >> Antagonisten - von Feindbildern, Vorurteilen und .... na ja, was auch immer.

Feinde und Gegner der Hauptfigur hier gleich mit Horror gleichzusetzen ist irgendwie... na ja.

=A=

Jetzt aber btt.

=A=

Ich frage mich, warum es in Filmen und Serien immer wieder so erfolgreich gelingt, frühere Gegner/Feinde so erfolgreich zu Freunden/Alliierten der Hauptakteure zu machen, dass sie sogar zu Sypmathieträgern der ganzen Serie werden können.

Bestes Beispiel, das mir gerade einfällt: Spike aus Buffy.

Danke für das Kompliment. Einige Beispiele, die ich erwähnt hatte basieren sogar teilweise auf philosophischen Konzepten. Dieses Element der Aliens die zu fremd sind für den menschlichen Geist basieren indirekt auf Diskussionen zur menschlichen Erkenntnis, und zwar dem Konzept, dass der Mensch nicht nur mit den Augen direkt sieht, sondern dazu auch ein geistiger Vorgang der Interpretation der Sinnesdaten gehört, welcher durch Evolution an die Verhältnisse der Erde angepasst ist. (Unter Anderem haben sich die Philosophen Kant und Schopenhauer mit dem Thema beschäftigt und der Evolutionsbiologe Konrad Lorenz.)

Ausserdem haben einige Feinde, besonders im Horror und Sci Fi Genre indirekt oder direkt mit Ethik zu tun, da sie als Vollstrecker für Sünden der Menschheit tätig sind. (Bei Horror meistens alles mögliche, bei Sci Fi meistens irgendein Ge-/Missbrauch der Wissenschaft.) Da kommt man leicht in den Bereich der Moralphilosophie

Das mit dem Horror hatte ich deshalb dazu gepackt nicht um Feinde pauschal mit Horror gleichzusetzen, sondern weil ich dachte, das passt hier besser zu als zu einem eigenen Thread, da man auch Horror Techniken nutzen kann für Antagonisten in anderen Geschichten. Ausserdem stammen viele Bereiche von mir aus dem Horror Genre (Alien, The Ring, Yu On, Tetsuo, Leatherface etc.)

Zum Thema Überläufer, dies ist ein typisches Element von Magical Girl Serien. (Und Buffy ist zwar ein wenig anders, wird aber häufig zu dem Genre gezählt.) Bei solchen Serien gibt es meistens den Grundsatz, selbst der schlimmste Mensch hat irgendwo noch ein gutes Herz. Man muss sich nur manchmal anstrengen, damit dieses Gute zum Vorschein kommt. Deshalb gibt es dort in fast jeder Serie mindestens einmal einen Bösen, der zu den Guten überläuft weil er versteht, dass er Unrecht begangen hat. Gerade wenn solche Serien an jüngere Rezipienten wie Teenager gerichtet sind kommt das häufig vor. (Ein Extremes Beispiel für eine eher an Jüngere gerichtete Serie mit sowas ist die Sailor Moon Serie, wo noch im Comic fast jeder Feind fachgerecht (und häufig sogar auf ziemlich blutige Weise (!)) "entsorgt" wurde, konnten in der Serie teilweise sogar die Oberschurken davon überzeugt werden, zum Guten überzulaufen.)

Meistens bekommen solche Überläufer dann schon vorher symphatische/coole Eigenschaften oder zeigen schon vorher ab und zu mal gute Seiten. (Bis hin dazu, dass diese die Protagonisten, also ihre eigentlichen Feinde retten. ) Sehr häufig haben diese Antagonisten auch ihren eigenen Kopf und führen nicht alles aus, was ihnen befohlen wird sondern ignorieren oder stellen sich explizit gegen höhere Befehle, wenn diese ihnen nicht passen.

Eine andere Variante, die so ähnlich sind, sind Symphatieträger auf der gegnerischen Seite, die aber nicht überlaufen, wo es heißt, die sind eigentlich ganz nette Menschen und Protagonisten und Antagonisten hätten eigentlich Freunde werden können, wenn sie nicht auf gegenteiligen Seiten standen/stehen. Das kommt häufig in Military Science Fiction Serien vor, weshalb ich das auch dort schonmal erklärt hatte. Diese Konstellation dient hauptsächlich dazu, den Konflikt als solches zu hinterfragen und eher zu einer Aussage zu kommen nach dem Motto "nicht der Feind ist das Böse, sondern der Krieg an sich ist schlecht und zerstört Leben auf allen Seiten". (Beispiele dafür sind Char Aznabel aus Gundam, genau so wie einige andere Figuren aus der Serie, oder der romulanische Captain in dieser TOS Folge, der sich ein Duell mit Kirk geleistet hatte.) Viele laufen dann doch in späteren Serien über, hauptsächlich als Fanservice, aber ich finde persönlich, das zerschießt ein wenig die Message solcher Konstellationen.

Alexander_Maclean

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Antw:Der Feind/Antagonist/Horror etc.
« Antwort #12 am: 07.03.12, 13:29 »
Interessanterweise gab es in "The Clone Wars" mal eine Folge dazu unter dem Titel "Helden auf beiden Seiten"

Da besucht Senatorin Amidala zusammen mit Ahsoka heimlich eine alte Freundin von Padme die bei den Separatisten ist.

war sehr interessant.
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« Antwort #13 am: 07.03.12, 13:39 »
Interessanterweise gab es in "The Clone Wars" mal eine Folge dazu unter dem Titel "Helden auf beiden Seiten"

Da besucht Senatorin Amidala zusammen mit Ahsoka heimlich eine alte Freundin von Padme die bei den Separatisten ist.

war sehr interessant.

Wie gesagt, dies ist eine große Stärke vieler Kriegsgeschichten, egal ob Sci Fi oder Fantasy Parabeln über das Thema wie Devilman. Bei vielen Sci Fi Geschichten dieser Art gibt es häufig sogar ganze Episoden, die nur die Sicht der "Feinde" zeigen und das Leid, was diese erlitten haben, ohne Hämisch darauf zu reagieren a la "die haben es doch verdient".  (Beispielsweise Battlestar Galactica.)

David

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Antw:Der Feind/Antagonist/Horror etc.
« Antwort #14 am: 07.03.12, 13:40 »
Ja, an die Folge kann ich mich auch vage erinnern. (bezogen auf CLoneWars)

Das finde ich immer sehr spannend.
Viele Bösewichte handeln ja auch nicht boshaft, sondern nur aufgrund ihrer Überzeugungen.

Auch wenn diese vielleicht nicht immer richtig sind, so haben sie dennoch manchmal einen Grund für ihr Handeln.

Das ist einer der besten Ansätze, um zu verhindern, einen Charakter "schablonenhaft" als "nur böse" darzustellen.

 

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