Autor Thema: Synthesizer, Sampler & Co.  (Gelesen 2460 mal)

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Tolayon

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Synthesizer, Sampler & Co.
« am: 04.09.12, 12:42 »
Wahrscheinlich ist dies ein Thema, zu dem außer mir kaum noch jemand hier etwas sagen kann...
Trotzdem passt es hervorragend zu diesem Forum, denn Synthesizer und andere elektronische Instrumente sind ein praktisch unverzichtbarer Bestandteil beim Soundtrack vieler Science-Fiction-Filme.
Es gibt heute zwar legionen virtueller Instrumente als Software, die man über ein angeschlossenes Master-Keyboard auf einem möglichst leistungsfähigen PC/ Laptop spielen kann (mit Einschränkungen sogar auf iPad und iPhone).

Dennoch sind Hardware-Synthesizer oft immer noch überlegen, vor allem was Handhabung und auf die Klangerzeugung abgestimmte Bedienelemente betrifft.
Von den unterschiedlichen Synthese-Formen will ich hier jetzt gar nicht erst im Detail anfangen, daher nur soviel:
Am meisten ist die sogenannte "Subtraktive Synthese" verbreitet, bei der ein möglichst obertonreiches Rohmaterial mit Filtern und Hüllkurven in Form gebracht und mittels LFOs (Low Frequency Oscillators) rhythmisch moduliert werden.

Bei analogen Synthesizern wird das Rohmaterial durch Oszillatoren und Rauschgeneratoren bereitgestellt, wobei durch wechselseitige Modulation/ Verschaltung dieser Elemente auch noch weitere Ausgangswellenformen erzeugt werden können.
Im digitalen Bereich gibt es vielfältige Modelle der Klangerzeugung, die zum Teil auch ohne subtraktive Elemente auskommen (dafür aber schwerer zu handhaben sind). Am weitesten sind heute jedoch samplebasierte Instrumente verbreitet, welche digital aufgenommene synthetische und natürliche Klänge mittels sybtraktiver Synthese aufbereiten bzw. verfremden können.

Nach dieser allgemeinen Einführung nun zwei Klassiker aus der analogen (reine Hardware) und digitalen (Hard- und Software) Ära.
Der Yamaha CS 80 (1978) war lange Jahre Vangelis' Lieblingsinstrument und hat vor allem auch den Sound von Bladerunner geprägt.

Der Roland D-50 (1987) verbindet digital synthetisierte "Analog"-Wellenformen mit gesampelten Bestandteilen. Er hat u.a. die sogenannten "Fantasia"-Sounds berühmt gemacht, bei denen glöckchenartiges Geklingel mit warmen Flächen unterlegt wird.
Der D-50 kam rechtzeitig zum Beginn von Star Trek TNG raus und wurde vor allem bei den ersten Episoden eingesetzt.

Hier die Demo-Videos von Youtube:

Yamaha CS 80
Yamaha CS80 - Famous Presets


Roland D-50
Roland D-50 Demo - Famous Sounds

Fleetadmiral J.J. Belar

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Antw:Synthesizer, Sampler & Co.
« Antwort #1 am: 07.09.12, 11:46 »
Davon habe ich zwar gar keine Ahnung, aber ich höre sowas eigentlich ganz gerne.
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Tolayon

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Antw:Synthesizer, Sampler & Co.
« Antwort #2 am: 08.09.12, 13:27 »
Das ist auch ein ziemlich komplexes Gebiet - bei Musikelektronik verschwimmen grundsätzlich die Grenzen zwischen Künstler und Ingenieur. Manche Geräte sind so kompliziert zu bedienen, dass man fast schon ein Physik- oder Informatikstudium absolvieren müsste, nur um eigene Klänge richtig zu programmieren. Viele Studios beschäftigen daher extra Soundprogrammierer, welche den Musikern und Produzenten bei der Bedienung der Instrumente zur Hand gehen.


Aber nun weiter in der Terminologie:

Wie man in den obigen Videos sieht, kommen Synthesizer meistens als Keyboards daher. Doch beide Instrumentengattungen müssen nicht zwangsläufig zusammenfallen.
Ein Keyboard ist im weitesten Sinne jede Art von (nicht-akustischem) Tasteninstrument. Im engeren Sinne bezeichnet man damit "Portable Keyboards" bzw. "Arranger Workstations".

Diese Gattungen elektronischer Instrumente zeichnen sich dadurch aus, dass sie über eine komplexe Begleitautomatik inklusive Schlagzeugspur für die linke Hand und einen Haufen Instrumentalklänge für die rechte Hand verfügen.
Rein technisch gesehen entspricht die Klangerzeugung der von (Preset-)Synthesizern, nur sind die Programmiermöglichkeiten, sofern überhaupt vorhanden meist stark eingeschränkt.
Der Unterschied zwischen den beiden Untergattungen besteht, soweit ich weiß darin, dass die "Portables" über eingebaute Lautsprecher verfügen, die "Arranger" dagegen eher nicht. Allerdings werden heute beide Begriffe weitestgehend synonym verwendet, und "Arranger Workstation" mutiert zum verkaufsfördernden Namen für selbst billige Portables mit Lautsprechern.

Umgekehrt gibt es auch Synthesizer (oder sonstige Klangerzeuger), die als reine Expander in Form von Desktop-Gehäusen oder Rack-Modulen zum Einbau in eine Art von Regal daherkommen. Man kann sie mit jedem modernen Keyboard, aber auch modifizierten E-Gitarren, E-Violinen, Blaswandlern oder Drum-Pads ansteuern.

Ein Sampler entspricht von seiner Klangformung einem samplebasierten ROM-Synthesizer, nur dass er seine Klänge ausschließlich in einem RAM-Speicher ablegt, welcher beim Einschalten stets erneut von einer Festplatte, CD oder - bei älteren Geräten - auch Disketten mit Rohmaterial und Programmdaten gefüllt werden muss. Dafür kann man je nach Einsatz selbst entscheiden, ob jetzt etwa ein ganzes Orchester auf nur 32 MB gepresst werden, oder derselbe Speicher für ein möglichst authentisches Klavier zur Verfügung stehen soll.

Reine Sampler gibt es heute nicht mehr auf Hardware-Basis, sondern nur noch als Software, die u.a. auch per "Disk-Streaming" Samples in Gigabyte-Größe direkt von der Festplatte abspielen kann (was die Qualität noch einmal deutlich erhöht).

Eine "(Music) Workstation" ist ein samplebasierter Synthesizer mit integriertem Effektgerät und Sequenzer, womit sich komplette Musikproduktionen mit einem Gerät durchführen lassen. Speichererweiterungen, sowohl ROM als auch RAM betreffend (Workstations sind somit auch die heute letzten noch verbliebenen Hardware-Sampler), gehören zum Standard und Exemplare der Oberklasse lassen sich sogar mit komplett neuen Synthese-Modulen (auf Hard- oder Software-Basis) ausrüsten.

Die erste moderne, für die breite Masse erschwingliche Workstation war die Korg M1 von 1988.
Naturklangmäßig war wegen des damals noch recht teuren Speichers nicht allzu viel los, dafür konnten die synthetischeren Varianten umso besser überzeugen.
Das eigentlich total unnatürlich klingende, sogenannte "Dance Piano" der M1 wurde längst zum Klassiker in der House-, Reggae- und Techno-Szene, zusammen mit der Jazz-Orgel desselben Instruments.
Auch das "Slap Bass"-Preset erlangte einige Berühmtheit: in der Titelmelodie der Comedy-Serie "Seinfeld".

Hier mal ein ausführliches Demo mit Custom-Klangprogrammen, die zeigen welches Potential auch heute noch in der M1 steckt.
Passend zu unserem Forum habe ich mir ein Video mit einem Haufen SciFi-tauglicher Klänge ausgesucht. Wer die M1 übrigens selbst einmal ausprobieren möchte, auf E-Bay gibt es sie schon für unter 100 Euro (aktuelle Workstations wie die M3 kosten das Zehnfache).

Korg M1 Demo

The Scout

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Antw:Synthesizer, Sampler & Co.
« Antwort #3 am: 09.09.12, 20:16 »
Hab mal den Thread gearde etwas überflogen. War erstaunt, dass der berühmte Moog-Synthesizer dabei nicht erwähnt wurde. Zählt in der Musikszene (insbesondere Klassik Rock der 70er und Progressive Rock / Psychedelic Rock der 70er) eine große Rolle. Persönlich höre ich u.a. einiges an Musik, in der der Moog-Syntheziser und Sampler-Instrumente wie das Mellotron vorkommen. Aber diese spielen vermutlich bei Filmmusik eine geringere Rolle.

Der Moog-Synthesizer (wurde erst vor ein paar wochen von google geehrt) gilt in der Musikszene als einer der beliebtesten und erfolgreichsten Synthsizer. Bands sie The Who, Led Zeppelin und andere aus der Klassik Rock Szene nutzen das Gerät. Es heißt, dass ein Leben nicht ausreicht um die Möglichkeiten der Klänge dieses Synthesizers auszunutzen. http://de.wikipedia.org/wiki/Moog_Synthesizer

Das Mellotron ist ein wohl inzwischen in die Vergessenheit geratener analoger Sampler (Quasi Vorläufer des Keyboards bzw. digitaler Sampler). Die Klänge sind auf einem Tonband aufgespielt mit ca. 7 Sekunden Laufzeit und jedem Tonband ist eine Taste zu geordnet. Das ganze sieht einem Keyboard sehr ähnlich. Vorteile waren die hervorragende Klangqualität eines Magnetbandes bzw. vor allem original getreue Wiedergabe von Klängen. Nachteil: es war mechanisch und durch die Komplexität entsprechend Fehleranfällig (die Band King Crimson nannte ihre Mellotron deshalb "the black bitch"). In der Rockszene der 60er und 70er Jahre kam das Mellotron noch relativ häufig zum Einsatz, die Beatles zum Beispiel nutzen das Mellotron für Strawberry Fields. In der Progressive Rock Szene der 70er Jahre war das Mellotron trotzalledem sehr beliebt, da es damals quasi die einzige Möglichkeit darstellte in dieser experimentier freudigen Musikszene entsprechende Sampler zu verwenden. http://de.wikipedia.org/wiki/Mellotron
« Letzte Änderung: 09.09.12, 20:40 by The Scout »
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Tolayon

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Antw:Synthesizer, Sampler & Co.
« Antwort #4 am: 08.10.12, 11:32 »
Ja, rein zeitlich gesehen hätte ich mit den Moog-Geräten anfangen sollen, wobei es in dieser Hinsicht sogar noch ältere, exotischere Vorgänger gibt.
Tatsache ist, dass Robert Moog mit seinen Erfindungen die auch heute noch gültige subtraktive Synthese etabliert hat (welche bei analogen wie digitalen Systemen den Schwerpunkt bilden).

Dass ich für den Anfang den Yamaha CS-80 genommen habe, liegt an dem SciFi-Kontext. Nicht nur weil er u.a. bei "Bladerunner" zum Einsatz kam, sondern weil er mit einigen Features aufwarten kann, die bei kompakten Moog-Synthesizern so nicht vorkommen (wie den einzigartigen Ringmodulator für metallisch-dissonante Klänge oder den Ribbon-Controller).

Dennoch sollte man auch die Anfänge ehren, und sowohl der am weitesten verbreitete Minimoog als auch das Mellotron existieren derzeit in neuen Inkarnationen - letzteres auch digital, was einem Platz und Kosten erspart und außerdem vor Tonband-Verschleiß schützt:

Minimoog Voyager (herausgekommen 2005)
Moog MiniMoog Voyager Performance Stage Edition


Digitales Mellotron M-4000 D
Mellotron M-4000 D

Tolayon

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Antw:Synthesizer, Sampler & Co.
« Antwort #5 am: 19.01.13, 23:01 »
Ich habe hier mal wieder zwei interessante Videos...

Das erste zeigt eine moderne Digital-Workstation (Roland Fantom G) mit spezialangefertigter Tastatur, wie man sie von einigen Akkordeons kennt. Sie erinnert an eine Schreibmaschine und scheint sich für osteuropäische und orientalische Musik besonders gut zu eignen.

Das zweite Video zeigt analoge Synthesizer von Korg aus den 70er Jahren. Die Sprache ist zwar japanisch, aber der Klang der Instrumente spricht für sich. Den Anfang macht der duofone 800DV (wer kein Japanisch versteht, sollte bis ca. Minute 1:00 "vorspulen", ab da beginnt die eigentliche Demonstration. Besonders gelungen und geradezu unheimlich finde ich die Fähigkeit des 800DV, eine menschliche Stimme nachzuahmen (ab Minute 1:55).


Folkore mit Roland Fantom G
Alex Scandal Band


Korg Vintage Synthesizer
'The Vintage Synth - Volume 3: Korg' (3/11)

Tolayon

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Antw:Synthesizer, Sampler & Co.
« Antwort #6 am: 07.04.18, 17:34 »
Cosplay der mal etwas anderen Art:
"Geordi La Forge" stellt in weitaus mehr als nur einer Minute einen aktuellen Synthesizer vor ...


 

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