Autor Thema: Tipps für "Doctor Who"-Fanfictions  (Gelesen 353 mal)

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Tolayon

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Tipps für "Doctor Who"-Fanfictions
« am: 18.04.18, 14:27 »
Da ich mich bald wahrscheinlich auch in diesem britischen Franchise bewegen werde, möchte ich hier mal ein paar Tipps zum Schreiben von Fan-Fictions im "Whoniverse" geben.

Das Einzigartige an dieser Serie ist, dass der Hauptcharakter sich immer wieder ändert und per Regeneration nicht nur eine andere Gestalt, sondern auch eine andere Persönlichkeit annimmt. Da besteht schon mal die erste Hürde darin, welchen Doktor man überhaupt für sein Abenteuer nehmen soll, denn teilweise sind die Persönlichkeitsunterschiede so stark, dass der eine Doktor in derselben Situation ganz anders reagiert als sein Vorgänger oder Nachfolger.

Da ich selbst nur die neuen Folgen ab 2005 kenne, möchte ich hier fürs Erste mal kurz die entsprechenden Inkarnationen der Hauptfigur vorstellen; sie sind der fiktiven Chronologie nach geordnet, in Klammern steht jeweils der Name des Schauspielers, um den jeweiligen Doktor besser einordnen zu können.

Der Kriegsdoktor (John Hurt)
Im Original auch bekannt als "Doctor no more"; er zählt nicht zur offiziellen Reihe und ist zwischen dem regulären 8. und 9. Doktor angesiedelt. Wie der Name schon sagt, hat er ausschließlich im letzten großen Zeitkrieg gegen die Daleks gekämpft und am Ende beide Fraktionen (darunter auch sein eigenes Volk, zumindest glaubt er dies) vernichtet. Mit ihm kann man am wenigsten klassische Dr.-Who-Geschichten schreiben, da er aller Wahrscheinlichkeit nach nie auf der Erde war und auch nie mit menschlichen Begleitern gereist ist. Nun ja, bis auf seinen einzigen Canon-Auftritt im Fernsehen, im 50-jährigen Jubiläums-Special "Der Tag des Doktors" von 2013.

Der Neunte Doktor (Christopher Eccleston)
Der direkte Nachfolger des obigen Kriegsdoktors. Entsprechend düster fallen sowohl seine Kleidung als oft auch seine Stimmung aus; er trägt stets eine dunkle Lederjacke mit wechselnden T-Shirts in verschiedenen Farben. Er sieht die Menschen als Primaten mit Entwicklungs-Potenzial an, geht rau mit all jenen um, die ihm quer kommen und ist freundlich zu jenen, die ihm am Herzen liegen. Letzteres ist vor allem Rose Tyler, seine Hauptbegleiterin in der ersten Staffel der neuen Serie. Sein Lieblingswort, das er immer dann sagt, wenn ihm ein Licht aufgeht, sei es auch mal negativ, ist "Fantastisch!".

Der Zehnte Doktor (David Tennant)
Vielleicht die beste Wahl für eine Fan-Fiction, hatte er die Rolle doch ganze fünf ergiebige Jahre mit wechselnde Hauptbegleitern inne - Rose Tyler in seiner ersten Staffel, Martha Jones in der zweiten und Donna Noble in der dritten. Tennants Doktor gab sich schon deutlich fröhlicher als sein Vorgänger, trug stets einen hellen Anzug mit Krawatte und konnte je nach Situation mal enthusiastisch, hyperaktiv oder ernsthaft sein. Dabei ließ er auch stets eine Vorliebe für gehobenere Sprachwahl erkennen, wie an seiner Lieblings-Phrase "Allons-y" oder zuweilen auch "Molto Bene" zu hören ist. Der zehnte Doktor ist aber auch ganz schön eitel; er will partout nicht gehen, sprich in eine neue Form regenerieren, und stoppt einmal sogar eine Regeneration mittendrin, um sein altes Gesicht zu behalten.

Der Elfte Doktor (Matt Smith)
Ein noch größerer, hyperaktiverer Kindskopf als sein Vorgänger. Einerseits über 1000 Jahre alt, andererseits die jüngste Erscheinungsform in der Neuauflage der Serie (oder sogar der ganzen Serie überhaupt?). So bezeichnet er sich selbst wiederholt als "Verrückter mit einer blauen Kiste", und sein Lieblings-Ausruf ist "Geronimo!", wenn es so richtig zur Sache geht.
Hinter all dem aufgedrehten, jugendlichen Gehabe steckt aber eine Form der Selbstverleugnung; dieser Doktor will gar nicht mehr über den Zeitkrieg und das Ende seiner Rasse nachdenken. Dennoch ist ihm der Schmerz über diesen Verlust und die Dinge, die er getan hat, manchmal anzumerken. Passend zum wahren Alter des Doktors trägt Nummer Elf stets altmodisch anmutende Fliegen, zu denen sich immer mal wieder ein türkischer Fez als Kopfbegleitung gesellt, aber nie für lange.
Die Haupt-Begleiterin dieses Doktors ist über zweieinhalb Staffeln lang Amy Pond, oft zusammen mit ihrem Ehemann (anfangs Verlobten) Rory Williams. Ab der zweiten Hälfte der letzten Matt-Smith-Staffel tritt Clara Oswald die Nachfolge an.
Es muss an dieser Stelle auch noch angemerkt werden, dass der Elfte Doktor normalerweise auch der letzte gewesen wäre. Denn wenn man die nicht offiziell gezählte Kriegs-Inkarnation (s. oben) sowie die nicht voll durchgezogene Regeneration des Zehnten Doktors berücksichtigt, hat er seinen gesamten Zyklus bereits aufgebraucht und müsste eigentlich, wie in einigen Folgen auch angedeutet, auf Trenzalore endgültig sterben. Doch die Time-Lords, welche den Krieg dank eines Kniffs des Doktors doch überlebt haben, gewähren ihm einen vollen weiteren Zyklus von 12 Inkarnationen, was uns auch gleich zum Nachfolger führt:

Der Zwölfte Doktor (Peter Capaldi)
Von einem Extrem zum anderen: Capaldi ist bei Antritt der Rolle als Doktor mit Mitte 50 der älteste Haupdarsteller in der neuen Serie. Dementsprechend gibt er sich auch als alternder Exzentriker, der zum Zeitpunkt der Regeneration vom 11. zum 12. Doktor bereits über 2000 Jahre alt ist. Dennoch bricht auch in ihm hin und wieder das kleine Kind durch, etwa, als er in einem Weihnachts-Special kurz den Schlitten des Weihnachtsmanns führen darf. Ansonsten wirkt er wie eine Mischung aus halb wahnsinnigem Professor und Zauberer, wozu vor allem sein Kleidungsstil mit dem langen Mantel und den Hemden ohne jede Form von Krawatte oder Fliege beiträgt.
Im Gegensatz zum 12. Doktor bemüht er sich nicht darum, die Menschen, die er retten will, auch zu verstehen. Auf Knuddeln steht er gar nicht, und die meisten Vertreter des Homo Sapiens sind für ihn nur "Pudding-Hirne", wenn auch zuweilen "Fluoriszierend", wenn sie mal einen Geistesblitz haben.
« Letzte Änderung: 18.04.18, 14:29 by Tolayon »

Sg Trooper

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Antw:Tipps für "Doctor Who"-Fanfictions
« Antwort #1 am: 19.04.18, 08:18 »
Da kannst du dich aber schnell dich in ein ziemliches Minenfeld begeben. Da gibt es bei den Whovians einige Fraktionen die selbst bei Conventions nicht davor zurückschrecken Fanfiction auf der Bühne lächerlich zu machen. So geschehen auf der vorletzten Timelash in Giessen. Finde ich persönlich absolut inakzeptabel. Auch das die Veranstalter sich von solchen Programm Punkten sich nicht distanziert haben.

Tolayon

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Antw:Tipps für "Doctor Who"-Fanfictions
« Antwort #2 am: 22.04.18, 13:22 »
Das war mir jetzt echt nicht geläufig ...
Zumal die BBC auf ihrer "Doctor Who"-Seite auch explizit zum Schreiben von Fan-Fictions auffordert, wohl mit dem Hintergedanken, es könnten sich einige Vorlagen für offizielle Drehbücher darunter finden.

Wie auch immer, von solchen Extremisten (scheinen wohl eine Mischung aus Daleks und Taliban zu sein ;)) sollte man sich nicht so leicht einschüchtern lassen - daher geht's jetzt gleich weiter mit meinen Tipps.

Als nächstes ist das nicht weniger kultige "Raumfahrzeug"/ die Zeitmaschine des Doktors dran, seine fast alle Rekorde brechende
TARDIS:

Außen klein und blau, innen bunt und groß (wobei die Gänge für meine Begriffe fast schon klaustrophobisch eng sind, dafür können sich hinter den Türen wiederum gleich ganze Kathedralen verbergen).
Dabei ist das Exemplar des Doktors ein relativ altes Modell, Typ 40 laut Hintergrundinformationen. In etwa der Rasende Falke unter den TARDISen, immer mal wieder sieht man den Doktor unter der Konsole in der Mitte des Kontrollraums hocken und irgendetwas reparieren. Allerdings nicht den Chamäleon-Schaltkreis, der scheint immer noch bei "Blauer Polizei-Notrufzelle" steckengeblieben zu sein.

Eine weitere interessante Tatsache ist, dass TARDISe teilweise am Leben sind, was auch das oftmals recht bockige Verhalten dieses einen Exemplars erklärt. So kommt es immer mal wieder vor, dass der Doktor und seine Begleiter nicht exakt dort ankommen, wo sie hinwollen, aber stets dort landen, wo irgendwas los ist und der Doktor gerade tatsächlich gebraucht wird. So gesehen wäre ein derartiger "Raumzeit-Fehler" auch ein guter Einstieg in eine Fan-Fiction, getreu nach dem Motto "Sie hatten sich geirrt". ;)

Des Weiteren - das nur mal zur allgemeinen Info - scheint die TARDIS auch fast jedes mal einen Schaltkreis-Kollaps zu kriegen, wenn der Doktor regeneriert und gleich darauf eine Bruchlandung irgendwo und irgendwann hinzulegen. Da die Regenerationen aber stets offiziell in den Fernseh-Episoden erfolgen, sind sie für Fan-Fictions weniger relevant.

Kommen wir nun zu einem weiteren wichtigen Aspekt:

Fixpunkte in der Zeit

Jeder Held braucht sein Kryptonit, sonst wird es auf Dauer langweilig und unglaubwürdig. So kann auch der Doktor nicht beliebig überall hin reisen und den Zeitablauf verändern, auch wenn die Serie immer wieder Beispiele für drastisch veränderte Zeitlinien liefert.
Um aber klarzumachen, dass selbst ein Time-Lord sich nicht alles erlauben kann, wurde das Konzept der "Fixpunkte" eingeführt: Ein historisches Ereignis zu einer ganz bestimmten Zeit an einem ganz bestimmten Ort, das unter gar keinen Umständen verhindert oder verändert werden kann/ darf. Ein Beispiel in der Serie war der Ausbruchs des Vesuvs und die damit einhergehende Zerstörung von Pompeii; der Doktor konnte lediglich eine Familie retten. Der Untergang der Titanic dürfte ein ähnlicher Fixpunkt sein, zumindest wird gleich in der ersten neuen Folge mit Christopher Eccleston angedeutet, dass der Doktor eine Familie auch vor dieser Katastrophe bewahrt hat - das Ereignis selbst jedoch nicht verhindern konnte oder wollte.
Versucht man aber dennoch einmal, einen solchen Fixpunkt zu verändern, bricht das gesamte Raumzeit-Gefüge auseinander, und vor dem endgültigen Kollaps finden alle Epochen der Weltgeschichte auf einmal statt und die Uhr zeigt permanent dieselbe Zeit an, ohne Tag- und Nacht-Rhythmus. Fixpunkte können große Tragödien sein, die den Tod Tausender oder Millionen beinhalten, oder auch nur den Tod eines einzelnen, wie in einem Fall des Doktors (welcher sich aber durch ein "Double" ersetzen ließ) oder der Tod des einen oder anderen Begleiters, wie bei Amy und Rory, als diese von den Weinenden Engeln in die Vergangenheit transportiert wurden und der Doktor selbst beim besten Willen nicht mehr zu ihnen gelangen konnte.

 

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