Autor Thema: Military Science Fiction  (Gelesen 17617 mal)

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Drake

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Antw:Military Science Fiction
« Antwort #75 am: 15.04.11, 11:08 »
@SSJKamui:

Wie immer schön recherchiert und ausgeführt.

Zu deinen abschließenden drei Punkten:

Zu 1.: Der Gedanke mit der Propaganda kam mir in der Tat auch schon. Ich bin mittlerweile dazu übergegangen, selbst im Canon-Trek, die Selbstdarstellung der Menschen im Speziellen und der Föderation im allgemeinen als genau das anzusehen. Es gibt direkte Gegenbeweise, wie Picard in "First Contact", Ransom UND Janeway in "Equinox" oder Sisko in "In The Pale Moonlight", und andere Spezies legen zumindest nahe, dass sie das ähnlich sehen. Z.B. Azetbur in ST6, deren verächtlicher Kommentar "MENSCHENrechte! Allein das WORT ist rassistisch!" darauf hindeutet, dass sie die Selbstdarstellung der Föderation als reine Fassade ansieht. Oder Quark, der sich darüber auslässt, dass die Menschen nur solange lieb und nett sind, wie sie ihren Luxus und Überfluss haben.
Und wo ich in meiner eigenen Fanfic freie Hand habe... Da wird der Föderation wesentlich öfter und direkter ins Gesicht gespuckt. Es gibt selbst Sternenflottenangehörige, die wegen der offensichtlichen Heuchelei die Augen verdrehen und spotten (Colin Gray z.B. sieht die Föderation in ihrer Gesamtheit als selbstgerechten bis gefährlich-naiven Haufen von Spinnern).

Zu 2.: Vollste Zustimmung, da kann ich auch nicht viel ergänzen.

Zu 3.: Insgesamt würde ich sagen, dass sich "pragmatische" Krieger in Military-Sci-Fi-Darstellungen besser machen, als "ideologische". Jeder halbwegs vernünftige Militärangehörige würde z.B. den klingonischen "Ruhm und Ehre"-Bullshit bei der ersten Gelegenheit in die Tonne treten, weil er zum einen der Realität des Konflikts widerspricht und zum anderen die Handlungsweise zu sehr einschränkt. Cardassianer machen sich da wesentlich besser, wegen ihrer flexibleren Kulturdarstellung.

@ulimann644:

Ich kann jetzt leider nichts zu Icicle selbst sagen, da ich es noch nicht gelesen habe.

Aber: Bei allem was auf Star Trek basiert wäre ich mit der Einschätzung vorsichtig. Viele meinen mit Military-Sci-Fi auch nur Stories, die Sci-Fi sind und sich in der Erzählung auf Militär konzentrieren. Das sagt nichts darüber aus, ob dieses militärische Setting auch wirklich komplett und konsequent durchgezogen wird, was ich als entscheidendes Kriterium sehen würde.
Da steht Star Trek mit seiner laxen Einstellung in Bezug auf Befehl und Gehorsam, Kommandoketten und militärische Disziplin eher abseits.

SSJKamui

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Antw:Military Science Fiction
« Antwort #76 am: 15.04.11, 11:19 »
@SSJKamui:

Wie immer schön recherchiert und ausgeführt.

Zu deinen abschließenden drei Punkten:

Zu 1.: Der Gedanke mit der Propaganda kam mir in der Tat auch schon. Ich bin mittlerweile dazu übergegangen, selbst im Canon-Trek, die Selbstdarstellung der Menschen im Speziellen und der Föderation im allgemeinen als genau das anzusehen. Es gibt direkte Gegenbeweise, wie Picard in "First Contact", Ransom UND Janeway in "Equinox" oder Sisko in "In The Pale Moonlight", und andere Spezies legen zumindest nahe, dass sie das ähnlich sehen. Z.B. Azetbur in ST6, deren verächtlicher Kommentar "MENSCHENrechte! Allein das WORT ist rassistisch!" darauf hindeutet, dass sie die Selbstdarstellung der Föderation als reine Fassade ansieht. Oder Quark, der sich darüber auslässt, dass die Menschen nur solange lieb und nett sind, wie sie ihren Luxus und Überfluss haben.
Und wo ich in meiner eigenen Fanfic freie Hand habe... Da wird der Föderation wesentlich öfter und direkter ins Gesicht gespuckt. Es gibt selbst Sternenflottenangehörige, die wegen der offensichtlichen Heuchelei die Augen verdrehen und spotten (Colin Gray z.B. sieht die Föderation in ihrer Gesamtheit als selbstgerechten bis gefährlich-naiven Haufen von Spinnern).

Zu 2.: Vollste Zustimmung, da kann ich auch nicht viel ergänzen.

Zu 3.: Insgesamt würde ich sagen, dass sich "pragmatische" Krieger in Military-Sci-Fi-Darstellungen besser machen, als "ideologische". Jeder halbwegs vernünftige Militärangehörige würde z.B. den klingonischen "Ruhm und Ehre"-Bullshit bei der ersten Gelegenheit in die Tonne treten, weil er zum einen der Realität des Konflikts widerspricht und zum anderen die Handlungsweise zu sehr einschränkt. Cardassianer machen sich da wesentlich besser, wegen ihrer flexibleren Kulturdarstellung.

Genau meine Meinung. Bei Star Trek Deep Space Nine haben leider häufig die Narrativen Moralprinzipien von Star Trek und die Kriegshandlung sehr unschön zusammengewirkt, das es teilweise sehr stark in Propaganda abgerutscht ist. (Und nicht nur das, teilweise wie die Leute dargestellt wurden, die nicht in die Flotte gehen wollten, beispielsweise Siskos Großvater. Das wirkte sehr nach der Aussage "Nur Langweilige Alte Leute, die nicht richtig mit der Zeit gehen wollen nicht zur Sternenflotte".) Gerade sowas finde ich relativ problematisch und nahe der Propaganda.

Als ich das erste Mal Star Trek DS9 sah habe ich manchmal teilweise auch gedacht "geil, währe Cool bei der Flotte zu sein und das Dominion aufzuhalten". Anders bei Gundam. Bei den Gundam Filmen habe ich fast die ganze Zeit nur gedacht "wie Furchtbar sowas doch währe". Der erste Gundam Film war auch bisher die einzige Sci Fi Geschichte, die bei mir tatsächlich so eine Emotion wie Trauer hervorrief.

ulimann644

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Antw:Military Science Fiction
« Antwort #77 am: 15.04.11, 11:23 »
"Unity One" hat definitiv einen militärischen Hauptschwerpunkt, und sämtliche Ableger dürften automatisch auch mehr oder weniger in diese Richtung tendieren. Ob das jetzt ausreicht, alle Serien in diesem Universum per se zu diesem Subgenre zu rechnen, darüber kann man sicherlich streiten, aber Fakt ist dass Krieg und Kampf einen deutlich größeren Raum einnehmen als in der üblichen Forschung-und-Diplomatie-Serie.

Einerseits sehe ich das UO-Verse allgemein schon in diese Richtung tendieren - andererseits habe ich mit diesem Begriff immer Serien verbunden, bei denen der Krieg mittel zum Zweck ist. Und da habe ich Trek und alle angebundenen Folgeserien und auch die meisten FF eigentlich nie gesehen.

Bei BREAKABLE würde ich diesen Begriff eher anwenden - da geht es nun wirklich rund.
Und möglicherweise wird auch DIVIDED stärker dahin tendieren, als ICICLE.

SSJKamui

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Antw:Military Science Fiction
« Antwort #78 am: 15.04.11, 11:29 »
"Unity One" hat definitiv einen militärischen Hauptschwerpunkt, und sämtliche Ableger dürften automatisch auch mehr oder weniger in diese Richtung tendieren. Ob das jetzt ausreicht, alle Serien in diesem Universum per se zu diesem Subgenre zu rechnen, darüber kann man sicherlich streiten, aber Fakt ist dass Krieg und Kampf einen deutlich größeren Raum einnehmen als in der üblichen Forschung-und-Diplomatie-Serie.

Einerseits sehe ich das UO-Verse allgemein schon in diese Richtung tendieren - andererseits habe ich mit diesem Begriff immer Serien verbunden, bei denen der Krieg mittel zum Zweck ist. Und da habe ich Trek und alle angebundenen Folgeserien und auch die meisten FF eigentlich nie gesehen.

Nun ja, um Ehrlich zu sein ist Deep Space Nine auch eine gewisse Definitionsproblematik. Es gibt sehr viele leute, die das als Military Sci Fi sehen (weshalb ich es im Thread auch ausführlichst thematisiert habe). Es gibt aber auch viele Leute die das anders sehen. (Ich habe um gewisse Prinzipien zu verdeutlichen auch einige solcher "Definitorischer Problemfälle" aufgenommen. )

Alexander_Maclean

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Antw:Military Science Fiction
« Antwort #79 am: 15.04.11, 12:10 »
@All
BTW: Eine Frage: Letztens ist mir in einer Kritik zu ICICLE 3 gesagt worden, es wäre MILITARY-SF, was mich ziemlich verblüfft hat, denn ich selbst sehe ICICLE nicht in diesem Genre...
Darum: Wie seht ihr das...??
Ist das UO-Verse allgemein und ICICLE im besonderen wirklich Military-SF ??
Schwer zu sagen.

aber viele elemente die auf M - Sci Fi zutreffen trifft man auch in UO und halt auch in Icle. selbst Midway zeigt bereits jetzt in der "fortgeschrittenen" Planungspahse viele Elemente davon. Ganz besonders im bereich Figurenzeichnung. hab ich soagr mal weiter vorne im thread erwähnt.

jedoch muss mach auch sagen, dass es dieses "reine" military scifi IMO gar nicht gibt. dafür verwendet gerade M SciFi viele elemente aus anderen Subgenres. Sprich, anders als bei anderes subgenres gibt es hier zu wenig Alleinstellungsmerkmale.

von daher würde ich mir keinen Kopf machen.
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Fleetadmiral J.J. Belar

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Antw:Military Science Fiction
« Antwort #80 am: 15.04.11, 12:16 »
Es klingt immer so als sei das Prädikat "Military SciFi" etwas schlechtes.
Ich sehe es vielmer als Lob. Und zwar dass ich als Autor in der Lage war, der eigentlich null Ahnung von Militär hat, ein halbwegs plausibles Bild dessen zu zeichnen. Klar, UNITY ONE sorgt zwangsläufig für eine militärischere Gangart, auch bei den Spinoffs, da das Setting eben durch und durch militärisch ist. Doch liegt es in unserem Spielraum, die Serie dahingehend zu vertiefen, dass wir auch andere Aspekte einfließen lassen können und sollten. Wie gesagt, auch eine ESCORT wird mal forschen und die Zwischenmenschliche Ebene baue ja selbst ich gegenwärtig aus. Also eine absolut klare Kategorisierung von UO ist imo gar nicht möglich. Da könnte man ebenso sagen, es sei eine Soap Opera mit Geballer.

Gruß
J.J.
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- Si vis pacem para bellum -

RPG Charakter: - Lieutenant Ynarea Tohan / Stellvertr. Sicherheitschef -

 

ulimann644

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Antw:Military Science Fiction
« Antwort #81 am: 16.04.11, 22:41 »
Es klingt immer so als sei das Prädikat "Military SciFi" etwas schlechtes.
Ich sehe es vielmer als Lob. Und zwar dass ich als Autor in der Lage war, der eigentlich null Ahnung von Militär hat, ein halbwegs plausibles Bild dessen zu zeichnen. Klar, UNITY ONE sorgt zwangsläufig für eine militärischere Gangart, auch bei den Spinoffs, da das Setting eben durch und durch militärisch ist. Doch liegt es in unserem Spielraum, die Serie dahingehend zu vertiefen, dass wir auch andere Aspekte einfließen lassen können und sollten. Wie gesagt, auch eine ESCORT wird mal forschen und die Zwischenmenschliche Ebene baue ja selbst ich gegenwärtig aus. Also eine absolut klare Kategorisierung von UO ist imo gar nicht möglich. Da könnte man ebenso sagen, es sei eine Soap Opera mit Geballer.

Gruß
J.J.

Ich wollte damit auch nicht andeuten, dass ich in "Military SciFi" etwas Schlechtes sehe - es ist nur nicht Jedermanns Geschmack ( Ich für meinen Teil lese ganz gern welche - nicht weil ich Gewalt mag, sondern wegen der Action... :andorian )

Eine Mischung aus mehreren Genres ist mir allerdings lieber. Ich mag zwischendurch auch gerne mal humorvolle Einlagen, oder den religiös-mystischen Kram. ( Darum lese ich z.B. so gerne DEFENDER und RESISTANCE )

Ich schreibe es sogar hin und wieder ganz gerne ( vor allem BREAKABLE passt da hervorragend rein - noch dazu wenn man ein so düsteres Universum dazu verwenden kann ) Aber auch hier ist mir ein Mix - a la ICICLE - eigentlich das Liebste ( Darum mag ich es auch sehr an dieser Serie zu schreiben )

SSJKamui

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Antw:Military Science Fiction
« Antwort #82 am: 08.07.11, 13:19 »
Der Vernichtungsschlag
Ein Element, was typisch in japanischen Medien ist (und wahrscheinlich sehr stark auf die Nachwirkungen von den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki zurück geht.) Dabei greifen die Feinde direkt mit Waffen die Erde (oder den/die jeweiligen Hauptplaneten) so an, dass er eigentlich für menschliches Leben nicht mehr Bewohnbar ist. Typischer Weise löst dies sehr häufig den schon vorher im Thread besprochenen Exodus aus. Manchmal kommt es als verzweifelte Flucht auch zu einem "Blindsprung ins Ungewisse". (Pegasus bei Battlestar Galactica, Macross bei Macross/Robotech.) Eine andere Variante davon ist, das die Protagonisten endlich die Heimat oder das Ziel der Reise wieder erreichen, dieses aber durch so einen Schlag oder eine Naturkatastrophe in einem völlig zerstörten Zustand ist und deshalb "keine Hoffnung mehr zu bestehen scheint" (BSG, Ideon, Macross.) Das kann, zum Beispiel bei Ideon auch zu einer Eskalation des Kriegs führen. (Wo das wirklich am Ende in einem unmenschlichen Massaker endete bei dem die Kriegsparteien sogar vor Kindern keine Rücksicht nehmen. ) Eine weitere Variante wäre wahrscheinlich auch der "Beinahe Untergang" bei manchen Serien, zum Beispiel Neon Genesis Evangelion, wo die Menschen durch einen "Unfall" die Schmelze der Polkappen auslöste, was wiederum zu einer großen Umweltkatastrophe führte.

Beispiele: Macross, Ideon, Battlestar Galactica, Space Battleship Yamato

Als Tipp für so einen Plot kann ich nur zu bedenken geben, ob es nicht manchmal interessanter sein könnte, wenn der "Volltreffer" der Feinde die Erde nicht sofort zerstört, sondern die Menschen noch einen relativ verzweifelten, aussichtslosen Kampf kämpfen um die Erde vielleicht doch noch vor dem Untergang zu bewahren, die Erde aber trotzdem als politisches Zentrum aufgegeben werden muss.

Die Parade
Ein beliebtes Element, was durch die Space Opera Star Wars beliebt wurde, welche häufig Aufmärsche von Soldaten und Paraden einsetzte. Dabei sind das meistens dann riesige Paraden mit richtig vielen Leuten, welche in Reih und Glied auf einem großen Platz stehen wo nur ein Mittelgang frei ist, durch den die VIPs gehen. Eine andere Variante ist die Vereinigung "Marsch/Parade" mit einer Kampfszene, wo Soldaten alles was ihnen im Weg steht erbarmungslos "wegschießen" und dabei ihre Formation nichtmal um Zentimeter verlassen. Diese Variante soll eher die Grausamkeit und Unmenschlichkeit einer Armee darstellen. (Das Ganze geht zurück auf den Non Sci Fi Film "Panzerkreuzer Potemkin", wo die Armee des Zaren in so einer Szene friedliche Demonstranten auf den berühmten "Odessa Stufen" regelrecht niedermetzelt.)

Autoren müssen dabei aufpassen, denn diese Art von Szenen basieren zum Teil auf einem (mittlerweile in Deutschland Verbotenen) Propagandafilm aus einer gewissen dunklen Periode der deutschen Geschichte. (Dies könnte möglicherweise deshalb dann wenn man es falsch macht ungute Assoziationen wecken. Bestes Beispiel dafür ist die wirkliche "Siegesfeier" zum Irakkrieg unter Präsident George W. Bush, was stark zum Gespött wurde, da sich die Planer ebenfalls an diesem Propagandafilm orientierten.) Man kann dies aber auch gut als Anspielung auf dieses Regime verwenden.

Außerdem ist dies leider mittlerweile zu einem sehr übertrieben oft eingesetzten Klischee geworden.

Beispiele: Killzone, Starship Troopers (erster Film), Gundam (meistens bei den Antagonisten)

Non Military Sci Fi Beispiele: Star Wars ,(Sehr viele Dystopie Filme verwenden das ebenfalls zur Verdeutlichung der Unterdrückung.)

Non Sci Fi Beispiele: Hero (Chinesischer Wuxia Film), Herr der Ringe, sehr viele Filme die zur Zeit des 2. Weltkriegs spielen (Ich meine, in Film Valkyre mit Tom Cruise währe das auch drin gewesen.)


Der Supersoldat
Ein gewisses problematisches Element, da es die „einer von vielen“ Mentalität des Military Sci Fi Genres ad absurdum führt. Bei diesem Element gibt es durch irgendeinen Grund, zum Beispiel durch Chemie-/Genversuche Supersoldaten in der Armee mit Superkräften. Durch dieses Element lässt sich aber auch gut das Genre der Military Science Fiction mit dem Element des Superhelden kombinieren. (Beste Beispiele dafür sind Captain America  (ich weiß nicht, ob das zum Bereich Militär Science Fiction dazugehört, aber ich zähle es einfach mal dazu, da Captain America eine Geschichte ist von Gruppierungen (Red Skulls Armee), welche mit Science Fiction Technologie im 2. Weltkrieg kämpfen) und Magical Girl Lynn Nanoha.)
Eine mögliche Verwendung von Supersoldaten ist die Thematisierung „vormilitärischer Zeiten“ und der Übergang vom Kriegeradel (Ritter, Samurai) zur „gesichtslosen“ modernen Armee.  Das ist  zu einem Teil in der Space Opera Star Wars (besonders durch Obi Wans Verachtung von modernen Waffen und den Sturmtruppen als moderne Armee) thematisiert. Teilweise gehen auch Captain Americas Probleme, sich nach dem Auftauen aus dem Eis in die neue Gesellschaft einzufinden in eine ähnliche Richtung, genauso wie gewisse Verhaltensweisen von Kahn Noonien Singh in Star Trek 2. (Bei Non Sci Fi Geschichten ist unter anderem die Samurai Geschichte Rurouni Kenshin durch so eine Thematik bekannt geworden.)

Einige allgemeine Hinweise für Autoren in dem Genre:
 Die Uniform ist ein äußerst wichtiges Element nicht nur für Charaktere. Auch viele Fans sehen dieses Thema sehr wichtig, weshalb durch eine interessant gestaltete Uniform (zum Beispiel für Cover Illustrationen) schon viel bei den Fans gewonnen werden kann. Deshalb sollte man dieses Thema auf keinen Fall vernachlässigen.
« Letzte Änderung: 08.07.11, 15:16 by SSJKamui »

SSJKamui

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Antw:Military Science Fiction
« Antwort #83 am: 24.09.11, 09:32 »
Das Prinzip "ein Teil für das Ganze"
Ein Prinzip, was nicht speziell aus der Science Fiction kommt, sondern allgemein im Bereich Storytelling, aber gerade bei Schlachten eine große Rolle Spielt. Bei großen Schlachten mit hunderten, tausenden Leuten kann man meistens nicht alle Leute gleichzeitig beschreiben das es wirklich spannend und mitreissend ist. (Es geht allenfalls suboptimal.) Besser ist es während der Schlacht für kurze Zeit den Blick auf eine kleine Gruppe Kämpfender zu richten und deren Handlungen/Gefühle etc. detaillierter zu zeigen. Wenn man dort häufig durchswitcht zwischen einzelnen Gruppen mit einigen kurzen "Einblendungen", was die gesamte Armee macht wirkt die Schlacht viel spannender beschrieben und man hat auch mehr Möglichkeiten als wenn man entweder sich nur auf eine kleine Gruppe "Kriegshelden" konzentriert oder immer die Armee als Ganzes beschreibt.  Man kann sich das Beschäftigen mit einem Teil der Armee in etwa vorstellen wie einen Zug bei einem Schachspiel. (oder einem Vergleichbaren Spiel.)  Es hilft dabei teilweise ungemein einem als Autor, sich tatsächlich die Schlacht als Spiel mit mehreren Zügen vorzustellen.

Ein kleiner Tipp für Leute die sich diesem Thema in graphischen Medien widmen wollen:
Military Science Fiction arbeitet stark mit Uniformierung, Normierung etc. Dies ist zwar für den einzelnen Menschen durch ethische Sicht durchaus problematisch, aber häufig in graphischen Medien (3D,Comics, Wallpaper etc.) ermöglicht dies möglichst "billig" Massenszenen zu erzeugen durch die Möglichkeit, viele Elemente wiederzuwenden und zu kopieren. Deshalb erleichtert dieses Genre sowieso bei Science Fiction den Einstieg in die Produktion mehr als andere Genres. Dies ist ein Vorteil, den man nicht unterschätzen sollte. Mit der Zeit wird das zwar weniger wichtig, da man mehr Modelle, Stock images etc. gesammelt/gebaut hat und deshalb schneller variantenreichere Werke erzeugen kann, aber wenn man "von Null anfangen" muss ist es ein wichtiger Zeitvorteil so "effizienter arbeiten" zu können.

Bei einer Schlacht sollte man auch an "Accessoires" denken, die nicht direkt zur Kampfhandlung gehören
Elemente wie  Panzersperren, Trümmer, Rauchschwaden (welche auch nicht unbedingt von explodierenden Gefährten stammen müssen und auch nicht so schnell verschwinden) etc.  sind wichtige Elemente um Bodenschlachtfelder realistischer wirken zu lassen. Solche Elemente sollten deshalb bei der Beschreibung einer Schlachtszene bedacht werden.

SSJKamui

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Antw:Military Science Fiction
« Antwort #84 am: 29.09.12, 16:41 »
Diese Sache betrifft zwar auch Space Opera Stories wie Star Wars oder Planetary Romance Geschichten, aber da dies eine starke militärische Komponente hat packe ich dieses mal hier rein.

Cäsarismus
Ein Konzept eines Charakters, dessen Auftauchen quasi das Ende eines Staates bedeuten kann, aber auch seine (wieder) geburt. Diese Figur eint das Volk unter einem Banner und führt meistens gleichzeitig eine starke militärische Expansionspolitik aus, um den Einfluss des Staats zu erweitern. Die eine Variante davon sind quasi "Reichseiniger" wie Karl der Große, Chin Chi Huang Di oder Oda Nobunaga im realen Leben gewesen. Daneben gibt es da aber auch die Variante, dass ein gescheiterter Staat quasi im Putschversuch oder durch Wahl übernommen und in gewisser Weise in eine Militärdiktatur verwandelt wird. (Im realen Leben unter Anderem Napoleon. In Fiktion ist der berühmteste Charakter dieser Art wohl Imperator Palpantine.) Deshalb sind in der Science Fiction die Cäsaren meistens auf der Seite der Gegner.

Einer der ersten, der über solche Charaktere geschrieben hat, war Oswald Sprengler in seinem Buch "Der Untergang des Abendlandes". Dieser titelgebende Untergang passiert laut Sprengler durch so einen "Militärputsch". Das Problem mit so einem Charakter ist für Autoren, dass sowas auch dank Palpantine ziemlich Klischeehaft ist und das sowas natürlich sehr schnell dafür sorgen wird, dass die entsprechenden Figuren mit gewissen realen Diktatoren verglichen werden.

Außerdem bietet so ein Plot das Problem, schnell in einfache Gut gegen Böse Klischees abzudriften und dem "Cäsaren" die Rolle des bösen Oberschurken zu verpassen, der unbedingt vernichtet werden müsste. (Dass solche politischen Herrscher nicht hundertprozentig böse sein müssen zeigt unter Anderem Napoleons Code Civil, der in den eroberten Gebieten zur Verbreitung der Menschenrechte beigetragen hatte.)

Das Problem mit diesem Charakter auf der guten Seite ist, dass so ein Plotelement den Eindruck hinterlassen kann, dass Volk sei nicht in der Lage, seine Probleme allein zu lösen, sondern sei auf eine Person angewiesen, die ihnen sagt, was zu tun sei. Deshalb ist diese Figur extremst problematisch. Außerdem wird dadurch eine Figur wieder zu wichtig. (Was auch wieder die Gefahr einer Mary Sue Geschichte steigert.)

Beispiele für so eine Thematik: Imperator Palpantine aus Star Wars (George Lucas hat sogar Leute wie Napoleon etc. als Vorbild für Palpantine genannt), die Cardassianer bei DS9 und TNG hatten ebenfalls gewisse Ähnlichkeiten mit dem Cäsarismus, Commander von Lohengran bei Legend of the Galactic Heroes, Paul Atreides hat in Dune auch einige "Cäsaristische Züge" durch seine Entwicklung zum Padischah Imperator, Londo Mollaris Pakt mit den Schatten zur Stabilisierung des Centauri Reichs geht auch ein klein wenig in eine solche Richtung

Anmerkung: Es gibt die Vermutung, dass solche Herrscher auch hinter der klassischen Heldenfigur in der klassischen (griechischen) Tragödie stehen. Solche Figuren wie Macbeth und Ödipus werden in diesen Geschichten zu Königen, die aber meistens weil sie diese Macht missbrauchen am Ende vom Volk gestürzt werden. So kann man die negativen Eindrücke einer solchen Figur auch gut wieder ins rechte Licht rücken. (Dafür wird die Geschichte so aber auch relativ düster, da das Volk sich im Cäsaren quasi den Retter vor aktuellen politischen Problemen gewünscht hat, aber von diesem Wunsch auch quasi selbst ins Verderben gestürzt wird. Und der Held nur deshalb schlechtes getan hatte, weil er den Leuten geben wollte, wonach sie verlangt hatten.)






Jetzt mal etwas allgemein zum Setting. Super Robot oder Real Robot?Dies kommt zwar aus Mech Serien, aber die Paradigmen können natürlich auch auf Serien ohne Mechs angewendet werden und  sind als Fragestellung durchaus ziemlich bedeutend. Im Groben kann man eine Gleichung "Super Robot = Soft Sci Fi, Real Robot = Hard Sci Fi" postulieren, obwohl es auch Mischformen geben kann.

Die einzelnen Paradigmen im Detail:

Super Robot:
- Die Technologie ist etwas einmaliges. Meistens sogar ein altes Artefakt, was die aktuelle Menschheit nicht genau versteht und deshalb Geheimnisumwittert ist. Die Menschen müssen die Technologie erst nach und nach erforschen, um zu verstehen, was dieses Artefakt kann.
- Die Technologie hat eine extremst starke Energiequelle und deshalb fast keine Nachladeprobleme. Manchmal wird dies aber dadurch konterkariert, dass die Energiequelle bei einer Reaktorfehlfunktion für alle Seiten gefährlich sein kann.
- Die Technologie hat selbst eine gewisse Denkfähigkeit. Entweder, weil sie eine Lebensform ist, oder auf Grund einer KI, die zur Unterstützung des Piloten integriert wurde. Deshalb kann der Pilot häufig sogar sein Fahrzeug quasi zu sich rufen, wenn er ohne es in Schwierigkeiten steckt.
- Kopien der Technologie gestalten sich als problematisch.
- Die Technologie reagiert auf spezifische biologische Eigenschaften des steuernden Soldaten, entweder als Passwort um überhaupt starten zu können, oder die Energiereaktion hängt von einer biologischen Eigenschaft des Soldaten ab. (Vielleicht auch zum Schaden des Piloten)
- Primitive Völker könnten die Tecnologie als eine Gottheit betrachten, oder die Energiequelle der Technologie ist selbst eine Art gottähnliche Lebensform.
- Der Feind hat ein weit gefächertes Aufgebaut an Fahrzeugen und Schiffen. Für jede Situation das passende Schiff statt multifunktionalen Gefährten.
- Die Grundfunktionen der Technologie sind extrem schnell von jedem zu lernen.



Real Robot:
- Der Hersteller der Technologien (Forschungsinstitute oder Rüstungskonzerne) ist bekannt (und noch existent) und kann deshalb bei Wartung, Verbesserung und Reparatur der Technologie helfen.
- Die Technologie braucht Energie, Pflege und Wartung und kann deshalb Funktionsunfähig werden, wenn sie diese Dinge nicht hat. Dies passiert auch eher häufig.
- Produktionsklassifikation wie "Prototyp", "Versuchsmodell", "Serienproduktionsmodell der Xten Auslieferung" werden genutzt, um ein realistischeres Feeling zu erzeugen.
- Das Interface der Steuerung ist eher Taktil (mit der Hand) und nicht per Stimme.
- Es gibt massenweise Exemplare der Technologie. Sie ist nicht ungewöhnlich.
- Die Reichweite der Waffen spielt eine extremst entscheidende Rolle.

Man kann natürlich beides kombinieren, was Vorteile bietet, da gerade diese Super Robot Elemente zwar fantastisch und unrealistisch sind, aber dafür auch einige interessante Elemente bieten können, gerade wenn man die negativen Eigenschaften dieser Elemente beachtet und diese Super Robot Elemente so genügend abschwächt, dass der Gegner auch Chancen hat. Real Robot Elemente erzeugen natürlich ein realistischeres Feeling als die Super Robot Elemente.





Ganz im Allgemeinen, Vorteile  und Nachteile der Military Science Fiction: (Kann vielleicht bei einer wichtigen Frage helfen, und zwar, wieso überhaupt eine Geschichte als Military Science Fiction schreiben? Das wurde hier ja leider noch nicht behandelt, obwohl die Frage wahrscheinlich am Wichtigsten ist.)

Vorteile:
1. Das Thema Geschichte. Neben Zeitreisegeschichten ist dieses Genre eigentlich am Besten dafür geeignet, Themen aus der Historie anzusprechen. (Die Weltgeschichte besteht ja leider auch fast nur aus Konflikten.)
2.  Man kann politische Themen ansprechen und in der Tiefe diskutieren, ohne zu einer Konklusion zu kommen und eine Seite als Richtig und die anderen als Falsch abzustempeln und stattdessen alles aus einer neutralen Beobachterposition diskutieren. Andere Genres wie die Utopie erlauben keinen so unparteilichen Standpunkt.
3. Kriege sind immer Knappheitssituationen, weshalb viele alltägliche Dinge in der Politik eine höhere Bedeutung gewinnen. (Wie Versorgungen etc. Die meisten Leute denken zum Beispiel eigentlich nicht über Agraranbau oder Wasserwerke nach. Wenn alle Ressourcen knapp sind bekommt sowas aber eine extrem wichtige Bedeutung.)
4. Man kann Helden zeigen, die zwar herausragend sind, aber gleichzeitig sowas wie normale Leute und keine Elite etc. sondern einfache Leute, die in einen Konflikt hinein gezogen wurden.
5. Da Konflikte längerfristige Ereignisse sind eignet sich so ein Genre ideal für große Fortsetzungsgeschichten über mehrere Jahre.

Nachteile:
1. Wenn man einen Gegner militärisch besiegen kann durch konventionelle Waffen, dann entwertet man den Gegner etwas und macht ihn zu etwas eher Gewöhnlichem.
2.  Es ist ein wenig heuchlerisch, gleichzeitig imposante Schlachten zu zeigen und so das Interesse des Publikums zu gewinnen und zu sagen, dass Krieg schlecht ist. (Die Darstellung des Krieges ist ja gleichzeitig ein Argument, um Leser anzulocken.) Selbst Regisseure wie Truffeaut haben schon über dieses Problem gesprochen.
3. Die kritisch/neutrale Haltung des Genres kann in extremen Pessimismus ausarten.
4. Man kann nach Beendigung des Hauptarcs schlecht Fortsetzungen schreiben und es wirkt lächerlich, wenn ständig ein neuer böserer Invasor auftaucht.

Tolayon

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« Antwort #85 am: 29.09.12, 16:46 »
Ich glaube ein Stück weit wurden die beiden Roboter-Typen auch bei "Neon Genesis Evangelion" vermischt, wobei es sich bei diesen Mechas streng genommen um Cyborgs handelt, deren organischen Komponenten aus dem Gewebe von "Engeln" geklont wurden.

SSJKamui

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Antw:Military Science Fiction
« Antwort #86 am: 29.09.12, 16:52 »
Ich glaube ein Stück weit wurden die beiden Roboter-Typen auch bei "Neon Genesis Evangelion" vermischt, wobei es sich bei diesen Mechas streng genommen um Cyborgs handelt, deren organischen Komponenten aus dem Gewebe von "Engeln" geklont wurden.

Genau. Evangelion ist eine der bekanntesten Mischungen aus Real Robot und Super Robot, wobei man die Super Robot Elemente teilweise  auch als extreme Horror Elemente nutzte, zum Beispiel dass die Technologie ihren Piloten wortwörtlich verschlingen kann, ständig amok läuft und quasi sogar "geisteskranke Kinder" als Piloten braucht, um sich überhaupt zu bewegen.

Astrid

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Antw:Military Science Fiction
« Antwort #87 am: 29.09.12, 19:37 »
In Evangelion sind die Eva Units also die 'Roboter' praktisch Wesen aus Fleisch und Blut in mehr oder minder humanoider Form
welche dak deren Angel Cores extreme Heilungsfähigkeiten haben und auch Energieschielde projezieren können. Gesteuert
werden die über einen Plug das den Piloten in den Brustkorb versenkt und neuronal mit der Einheit verbindet.
Deren Panzerung ist wie ein Anzug, ansonsten sind sie biologisch, was auch gut zu sehen war als Eva unit 02... zerfleischt wurde.

Von Fuss zur obersten Spitze der Schulterpylonen ist eine Eva unit 40 Meter hoch, klingt erst einmal viel.
Bis man sich vor Augen führt dass so mancher Dinosarier immer noch grösser als das war.

Saj.
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- Irre explodieren nicht wenn das Sonnenlicht auf sie fällt, egal wie irre sie sind. -

SSJKamui

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Antw:Military Science Fiction
« Antwort #88 am: 16.01.13, 17:06 »
Die Kunst der Diplomatie
Diplomatie kann eine Geschichte interessanter machen, was Serien wie Babylon 5 gezeigt haben. Da muss man aber aufpassen, die Idee der Diplomatie nicht zu idealistisch zu sehen. (So wie es viele Leute machen.)

Das typische idealistische Bild eines Diplomaten ist die Figur eines Idealisten wie Captain Picard, Lacus Clyne oder Relena Peacecraft, die alles machen, um den Frieden zu erreichen und auch bereit sind, sich selbst notfalls zu opfern und als eigene Nation Verzicht zu üben, nur damit kein Krieg passiert. Solche Figuren können zwar durchaus immens spannend und interessant sein, aber dieses Bild ist auch nur die "Halbe Warheit".

Die andere Seite ist die realpolitische Seite der Diplomatie, die unter Anderem von Charakteren wie Londo Mollari und G'Kar vertreten wird, und bei der die Diplomaten einfach als Interessenvertretung und Kommunikation ihrer Heimatländer dienen und nicht im Sinn irgendwelcher hohen Ideale von Frieden und Verständigung handeln, sondern schlicht und einfach ihrer eigenen Nation so viele Vorteile wie möglich bringen wollen. (und dabei auch Bereit sind, zu Mitteln wie Kriegserklärungen, Täuschungen und Intrigen zu greifen, um zu bekommen, was sie wollen.)

Diplomatie ist ja nicht nur, Konflikte zu entschärfen. Sich viele Verbündete zu suchen, um im Konflikt besser darzustehen, ist genauso eine "diplomatische Lösung". Genau so wie das Überzeugen der Vertreter eines fremden Landes, von einem dem eigenen Land schädlichen Vorhaben Abstand zu nehmen.

(Als historisches Beispiel für diese Art von Diplomatie passt teilweise ganz gut Bismarck, der zwar viel verhandelt hat, aber auch nicht vor Intrigen und Täuschungen zurück schreckte, um seine Ziele zu erreichen und auch einige Kriege zwar für einige Zeit verhindert hatte, aber auch selbst welche geplant provozierte, um seinen Zielen näher zu kommen. )

Der Stratege Karl von Klausewitz hatte auch mal die berühmte Erklärung gesagt, dass Frieden und Krieg sich nicht so genau durch die Motivation und Ziele der einzelnen Parteien unterscheiden, sondern dadurch, dass im Krieg der Konflikt offen auf den Schlachtfeldern ausgetragen wird.

Gerade diese Art von Diplomaten bringt ein besonderes Potential zur Entwicklung längerer Story Arcs. (Während die "idealistischen Friedensstifter" natürlich häufig, bei Erfolg, das ganze Konzept der Serie erst einmal über den Haufen werfen würden.)






Trends/Entwicklungen des Genres, die mir aufgefallen waren.

Körperliche Bestrafung
Dies war früher im Genre relativ verbreitet und als gut/richtig beschrieben. Beispielsweise bei Starship Troopers, wo Soldaten sogar öffentlich vor der Kompanie ausgepeitscht wurden. In Mobile Suit Gundam wurde Amuro Rei auch teilweise ständig von seinen Vorgesetzten für Fehler geprügelt.

Mittlerweile wird diese Art der Disziplinierung in Military Sci Fi Geschichten aber immer mehr abgelehnt. Entweder wird sie als Ausdruck von Hilflosigkeit der Vorgesetzten dargestellt, der aber alles nur schlimmer macht und keine Probleme löst.

Oder, statt dieses Führungsstils wird als Alternative ein verständnisvoller Führungsstil gezeigt, wo Vorgesetzte im Hinblick auf die Hintergründe des jeweiligen Soldaten selbst extreme Fehler verzeihen, oder den jeweiligen Beschuldigten nur mit Worten ermahnen und ihre persönliche Enttäuschung über das Fehlverhalten zum Ausdruck bringen. (Oder ihn alternativ in die Arrestzelle werfen.)

(Beispielsweise bekam Amuro Rei in Gundam von 1979 noch Prügel für den starken Widerspruch gegenüber seinen Vorgesetzten. Aber im Vergleich dazu, als Shinji Ikari in Neon Genesis Evangelion aus Trotz Teile des HQs Verwüstet und damit einen in die Milliarden gehenden Schaden anrichtete, bekam er nur eine Untersuchungshaft und der Kommandant hat ihm gesagt, wie enttäuscht er persönlich von Shinjis Verhalten war.)

Es gibt dabei natürlich wie immer Ausnahmen. (Meistens für extrem schwere Vergehen des Untergebenen, wie bei Rebuild of Evangelion 3, wo Shinji versehentlich für den Tod eines großen Teils der Menschheit verantwortlich war. Es gibt immer Momente, wo selbst dem verständnisvollsten Kommandanten die Hutschnur platzt.)

Außerdem wird scheinbar die Androhung einer Strafe (nach dem Motto "Eigentlich müsste ich dich vor ein Erschießungskommando stellen, aber das will ich nicht. Sorge nicht dafür, dass ich meine Meinung noch einmal überdenke."), von den meisten Autoren als Vertretbar angesehen, egal, wie schlimm die Strafe nun ist. (Obwohl so eine Drohung allein schon Grausam sein kann, selbst wenn sie nicht in die Tat umgesetzt wird. )

Und wie immer wird der Gegner bei so einem Trend auch meistens ausgenommen.


Wehrpflicht
Da gibt es eine geteilte Meinung, aber durch das Genre zieht sich eine starke Ablehnung der Wehrpflicht. (Entweder ausgedrückt durch eine Freiwilligenarmee oder durch das Aufzeigen negativer Folgen einer Wehrpflicht.)  Scheinbar, meinem Gefühl nach, sind bei US Serien häufiger Freiwilligenarmeen zu sehen, als bei Medien anderer Länder.

Dies liegt wahrscheinlich daran, dass einer der "Väter des Genres", Robert E. Heinlein, die Wehrpflicht extrem stark ablehnte und sich damals für die politische Abschaffung der Wehrpflicht in den USA eingesetzt hatte. (Bei Starship Troopers ist die Regelung, dass man nur durch den Wehrdienst ein Wahlrecht bekommen kann, als Alternative zur Wehrpflicht erdacht wurden. Heinlein war gegen die Wehrpflicht, sah aber die allgemeine Möglichkeit der politischen Mitbestimmung nicht als Essentiell für die Demokratie an. (Im Gegensatz zu Menschenrechten.) Deshalb war für ihn die Vorstellung OK, dass jeder Bürger sich sein Wahlrecht erst einmal durch Leistungen verdienen muss. Diese Vorstellung Heinleins als Maßnahme zur Erhaltung der Freiheit der Bürger und als Alternative zum Wehrdienst, wurde aber von vielen Kritikern als Merkmal großer Unfreiheit wahrgenommen. Besonders in Europa, wo man traditionell das Mitbestimmungsrecht des Bürgers viel stärker Wert schätzt, als in der amerikanischen Philosophie. )



Andere Trends
- Eine Möglichkeit eines friedlichen Endes eines Konflikts wird heutzutage viel eher in Betracht gezogen, als in Geschichten der 50er, 60er und 70er.
- Viele Geschichten haben mittlerweile optimistischere Aussichten auf die Zukunft, als frühere Werke. Die vorherrschende Meinung ist mittlerweile oft "egal, wie schlimm die Situation ist, es gibt immer eine Chance, sie zu ändern. Es muss nicht immer bis zum Äußersten gehen."
- Die vereinte Erde und Crews aus verschiedenen Nationen. (War schon bei Heinleins Starship Troopers vorhanden, wurde aber durch Star Trek extrem populär.)
« Letzte Änderung: 16.01.13, 17:15 by SSJKamui »

SSJKamui

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Antw:Military Science Fiction
« Antwort #89 am: 30.01.14, 20:39 »
Dieser Artikel eines echten taktischen Analysten der US Armee zum Thema Weltraumkrieg und Science Fiction könnte für viele hier nützlich sein: http://www.foreignpolicy.com/articles/2012/09/28/aircraft_carriers_in_space

Besonders der Hinweis, dass Warpantrieb etc. möglicherweise Überraschungsangriffe fördern könnten. (Dazu fällt mir die Breen Attacke auf die Erde bei DS9 an.)

 

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