Autor Thema: Schwarz - 11/2380  (Gelesen 9019 mal)

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Dahkur

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Antw:Schwarz - 11/2380
« Antwort #15 am: 13.02.15, 14:51 »
Wow! Das war ja richtig harter Tobak! Ich habe selbst zwei kleine Kinder und das Szenario, welches Du hier beschreibst, ist das mit Abstand fürchterlichste, das Eltern widerfahren kann. Die Art, wie Du es beschrieben hast, hat mir ungelogen szenenweise Tränen in die Augen getrieben. Ich  habe innerlich auf die Eltern gewütet, die ihre Verantwortung auf den Captain abschoben, dann wieder gedacht, sie doch ein wenig zu verstehen (aber nicht völlig!), und war dann erstaunt über die Feinfühligkeit, mit welcher Du diese schreckliche Situation beschrieben hast, in welcher sich der Captain befindet. Seine Versuche, das Richtige zu tun, dann wieder seine Selbstvorwürfe, sich hinter seiner Position zu verstecken (was sehr gut zu diesem Charakter passt, Otto-Normalo hätte sich diese Vorwürfe nie gemacht )… Du begleitest diesen Charakter so intensiv in dieser Situation, dass es beim Lesen bereits weh tut.
 
Dein Minimalismus in der ersten Szene mit Erwähnung von Familie, „jetzt ist es soweit“ und Ligetis geschockter Reaktion haben wieder vollkommen ausgereicht, dass klar war, um was es geht. Toll!

Bisher fand ich „Anthrazit“ am genialsten, aber „Schwarz“ hat sicherlich am tiefsten getroffen. – Auf zur nächsten Schüttelfrost-Attacke.

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Antw:Schwarz - 11/2380
« Antwort #16 am: 19.02.15, 10:59 »
Danke fürs Lesen! Es ist ja wirklich ein großes Kompliment für die Geschichte, wenn sie Dich rühren konnte, obwohl es mir natürlich fast auch schon wieder leid tut, weil "Schwarz" ja nicht wirklich etwas anderes als traurige Gefühle hervorrufen kann.
Ich glaube eigentlich, dass ich die Geschichte nicht hätte schreiben können, wenn ich selbst schon Kinder hätte. Oft soll die Literatur ja hilfreich sein, indem sie sich schwierigen Themen stellt; so richtig vorbereiten kann sie nicht, man "wappnet" sich durch die fiktiven Erlebnisse ja nicht im eigentlichen Sinne für mögliche reale. Und dann wäre mir die Auseinandersetzung mit dem Thema Tod des eigenen Kindes vielleicht einfach in dem Sinne zu viel gewesen, dass sie einfach zugunsten der anderen Ideen (an denen es zur Entstehungszeit von "Schwarz" ja auch nicht mangelte) fallen gelassen.
Aber ich konnte mir auch vorstellen, dass der mögliche Tod für die Eltern unvorstellbar scheint und sie sich deswegen auch der Verantwortung nicht stellen wollen. Dass hier der Captain ins Spiel kommen soll, wirkt auf den ersten Blick ein wenig merkwürdig, aber in Star Trek hatte der Captain immer eine seltsame Position, trotz aller menschlichen Aspekte wurde ja ja nicht selten verherrlicht, ja quasi vergöttlicht. Insofern ist das auch eine Geschichte, die dem Status des Captains in ST den Spiegel vorhält, obwohl sich ja Ligeti auch ziemlich viel Mühe gibt.
Das Interessante ist, dass mir gar nicht viele Details zu dieser Geschichte präsent sind. Ich müsste sie auch mal wieder lesen, aber umgekehrt gibt es da ja dann doch auch aufbauendere Lektüre ;)
Danke, dass Du sie gelesen und kommentiert hast. Ich freue mich immer sehr darüber! :)
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Dahkur

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Antw:Schwarz - 11/2380
« Antwort #17 am: 22.02.15, 07:40 »
Danke fürs Lesen! Es ist ja wirklich ein großes Kompliment für die Geschichte, wenn sie Dich rühren konnte, obwohl es mir natürlich fast auch schon wieder leid tut, weil "Schwarz" ja nicht wirklich etwas anderes als traurige Gefühle hervorrufen kann.

Bloß nicht leid tun! Traurige Gefühle sind unheimlich wichtig. Wie sollen wir denn die Sonne schätzen können, wenn wir nicht im Schatten gelebt haben? Meine Jugend habe ich als manisch-depressiver Gothic-Typ verbracht und die tiefen Einsichten in mein Seelenleben, die mir das gebracht hat, wollte ich bei allen Selbstmordgedanken, die da so herumschwirrten, niemals wieder missen!

Zitat
Ich glaube eigentlich, dass ich die Geschichte nicht hätte schreiben können, wenn ich selbst schon Kinder hätte. Oft soll die Literatur ja hilfreich sein, indem sie sich schwierigen Themen stellt; so richtig vorbereiten kann sie nicht, man "wappnet" sich durch die fiktiven Erlebnisse ja nicht im eigentlichen Sinne für mögliche reale.

Darüber habe ich beim Lesen auch nachgedacht. Ich sehe im Schreiben schwieriger Themen jetzt allerdings weniger eine Art Vorbereitung auf Mögliches, sondern sehr viel mehr die Verarbeitung von eventuell Geschehenem. Das muss nicht etwas Reales sein, sondern kann auch auf unterbewusster Ebene liegen.

Zitat

Dass hier der Captain ins Spiel kommen soll, wirkt auf den ersten Blick ein wenig merkwürdig,

Es kam mir gar nicht merkwürdig vor. Es passt zu der Familienstruktur gerade auf Galaxy-Schiffen. Ich konnte auch völlig nachvollziehen, warum die Mutter wollte, dass er es ihrem Mann sagt. In der Situation bin ich mir auch nicht sicher, ob ich noch vernünftig mit meinem Partner reden könnte.

Zitat
Das Interessante ist, dass mir gar nicht viele Details zu dieser Geschichte präsent sind. Ich müsste sie auch mal wieder lesen, aber umgekehrt gibt es da ja dann doch auch aufbauendere Lektüre ;)

Das kommt immer auf die momentane Stimmung an ;)

Zitat
Danke, dass Du sie gelesen und kommentiert hast. Ich freue mich immer sehr darüber! :)

Solange ich Dir damit nicht auf den Keks gehe ... Ich mache es jetzt so, dass ich im halb- bis Wochenabstand einen neuen Kommentar poste, dann ballt es sich nicht so :D
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Antw:Schwarz - 11/2380
« Antwort #18 am: 13.03.15, 19:37 »
Bloß nicht leid tun! Traurige Gefühle sind unheimlich wichtig. Wie sollen wir denn die Sonne schätzen können, wenn wir nicht im Schatten gelebt haben? Meine Jugend habe ich als manisch-depressiver Gothic-Typ verbracht und die tiefen Einsichten in mein Seelenleben, die mir das gebracht hat, wollte ich bei allen Selbstmordgedanken, die da so herumschwirrten, niemals wieder missen!
Och, ich persönlich hätte da jetzt einfach mal die These, dass ich mit meinem Leben schon was anfangen könnte, wären da nur unterschiedlich sonnige Ereignisse, ohne dass da schattige dazwischenfunken ;)
Gut, es gibt da wirklich auch andere Stimmungslagen, die einfach dazu gehen, und sei es nur eine Melancholie.
Andererseits können manche Gefühle, die sozusagen von Außen an einen herangetragen werden - in Form von Geschichten, von Musik, von Filmen, von Erzählungen -, ungemein mächtig sein. Dann hat etwas, was an sich nichts mit einem zu tun hat, so einen Einfluss, dass man beispielsweise mindestens den halben Tag traurig ist, ohne eigentlich einen Anlass dafür zu haben.

Zitat
Ich glaube eigentlich, dass ich die Geschichte nicht hätte schreiben können, wenn ich selbst schon Kinder hätte. Oft soll die Literatur ja hilfreich sein, indem sie sich schwierigen Themen stellt; so richtig vorbereiten kann sie nicht, man "wappnet" sich durch die fiktiven Erlebnisse ja nicht im eigentlichen Sinne für mögliche reale.

Darüber habe ich beim Lesen auch nachgedacht. Ich sehe im Schreiben schwieriger Themen jetzt allerdings weniger eine Art Vorbereitung auf Mögliches, sondern sehr viel mehr die Verarbeitung von eventuell Geschehenem. Das muss nicht etwas Reales sein, sondern kann auch auf unterbewusster Ebene liegen.
Das ist eine spannende, interessante Perspektive.
"Direktes" Verarbeiten findet bei mir glaube ich beim Schreiben nicht statt, obwohl ich natürlich auch Stimmungen mit einfließen lasse. Und was unterbewusst so abläuft... Man sollte wahrscheinlich besser nie einem Psychologe eine eigene Geschichte zu lesen geben  :dpanik ;)

Zitat

Dass hier der Captain ins Spiel kommen soll, wirkt auf den ersten Blick ein wenig merkwürdig,

Es kam mir gar nicht merkwürdig vor. Es passt zu der Familienstruktur gerade auf Galaxy-Schiffen. Ich konnte auch völlig nachvollziehen, warum die Mutter wollte, dass er es ihrem Mann sagt. In der Situation bin ich mir auch nicht sicher, ob ich noch vernünftig mit meinem Partner reden könnte.
Na ja, stimmt schon irgendwie. Aber trotzdem finde ich es eine Art von Überhöhung, wenn der Captain auf alles eine Antwort haben soll.

Solange ich Dir damit nicht auf den Keks gehe ... Ich mache es jetzt so, dass ich im halb- bis Wochenabstand einen neuen Kommentar poste, dann ballt es sich nicht so :D
Das würde mich sehr, sehr freuen  :lieb
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Antw:Schwarz - 11/2380
« Antwort #19 am: 11.08.15, 17:04 »
Ich fürchte, ich folge Dahkurs Vorbild und schütte Dich jetzt einfach mal mit Kommentaren zu ... :P

... hier draußen im All wäre es nicht das erste Wunder. – und man hört nicht auf zu hoffen.

Die Geschichte war hart, und ich bin mir noch immer ziemlich unschlüssig, was ich davon halten soll. Das Thema ist schwierig und sehr emotional, aber Du behandelst es ohne ins übermäßig Pathetische abzugleiten, das gefällt mir gut. Ein Kind stirbt. Dass eine Situation wie diese schrecklich, unfair, traumatisierend, traurig etc. pp. ist, das ist offensichtlich, ohne dass es ständig betont werden müsste ... und dadurch, dass Du Dich auf das Wesentliche konzentrierst und Ligeti als de facto Unbeteiligten ins Geschehen schickst, durch diese distanzierte Perspektive, wird die Geschichte nur noch kraftvoller.

Die offensichtliche Hilflosigkeit aller Beteiligten macht die Geschichte authentisch. So oft passiert es, dass Captains als die immer souveränen Übermenschen dargestellt werden ... in einer meiner Geschichten sagt Captain Harry Kim (als seine große Liebe aufgrund eines Befehls den er geben musste in Lebensgefahr schwebt), dass es Situationen gibt, auf die auch die beste Ausbildung und die meiste Erfahrung nicht vorbereiten kann – daran musste ich beim Lesen ständig denken. Und bei Eltern ist es wohl nichts anderes.

Eine kleine Inkonsistenz ist mir allerdings aufgefallen: als Ligeti das Kind besucht, ist der allererste Satz Das Kind hatte keine Augen mehr – und anderthalb Seiten später sprechen die Blicke plötzlich Bände ... das ist entweder surreal-metaphorisch oder schlichtweg unlogisch.

So, das war's schon wieder von mir. Bis zum nächsten Mal! :)
I hola què tal? Som es vostres amics de sa Terra, un planeta de pols i de merda d'un inhòspit sistema solar.
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Ich wär' hier so gerne zuhause, denn die Erde ist mein Lieblingsplanet. Doch ich werde hier nie so zuhause sein wie die Freunde der Realität.
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Antw:Schwarz - 11/2380
« Antwort #20 am: 12.08.15, 22:30 »
Danke, erst recht bei dieser nicht eben zum nebenher lesen geeigneten Folge :)

Ich fürchte, ich folge Dahkurs Vorbild und schütte Dich jetzt einfach mal mit Kommentaren zu ... :P
Gerne! Ich fühle mich wie Dagobert Duck, der in seinem Geldspeicher Runden dreht!

... hier draußen im All wäre es nicht das erste Wunder. – und man hört nicht auf zu hoffen.

Die Geschichte war hart, und ich bin mir noch immer ziemlich unschlüssig, was ich davon halten soll. Das Thema ist schwierig und sehr emotional, aber Du behandelst es ohne ins übermäßig Pathetische abzugleiten, das gefällt mir gut. Ein Kind stirbt. Dass eine Situation wie diese schrecklich, unfair, traumatisierend, traurig etc. pp. ist, das ist offensichtlich, ohne dass es ständig betont werden müsste ... und dadurch, dass Du Dich auf das Wesentliche konzentrierst und Ligeti als de facto Unbeteiligten ins Geschehen schickst, durch diese distanzierte Perspektive, wird die Geschichte nur noch kraftvoller.

Die offensichtliche Hilflosigkeit aller Beteiligten macht die Geschichte authentisch. So oft passiert es, dass Captains als die immer souveränen Übermenschen dargestellt werden ... in einer meiner Geschichten sagt Captain Harry Kim (als seine große Liebe aufgrund eines Befehls den er geben musste in Lebensgefahr schwebt), dass es Situationen gibt, auf die auch die beste Ausbildung und die meiste Erfahrung nicht vorbereiten kann – daran musste ich beim Lesen ständig denken. Und bei Eltern ist es wohl nichts anderes.
Danke für Deine Kritik. Ich finde das Thema, dass es für manche Probleme einfach keine schöne, keine gute Lösung gibt wichtig, auch wenn sich hier die Katze in den Schwanz beißt, weil so eine Geschichte trotzdem mitschwingend immer die Frage stellt, ob nicht doch noch etwas auszurichten ist.
Ligeti ist - natürlich - für sowas wieder der Mann, den ich ins Rennen schicke, auch wenn es mit jedem Captain interessant wäre: Guttaperche hätte eine eigene Position, ohne bei einem fundamental anderem Ergebnis als Ligeti zu landen. Hunter würde grandios scheitern, aus einem tragischen Unglück zwei oder mehr machen ;) :(
Ich bin froh, dass Du den Text nicht pathetisch findest, das war mir nämlich sehr wichtig.

Eine kleine Inkonsistenz ist mir allerdings aufgefallen: als Ligeti das Kind besucht, ist der allererste Satz Das Kind hatte keine Augen mehr – und anderthalb Seiten später sprechen die Blicke plötzlich Bände ... das ist entweder surreal-metaphorisch oder schlichtweg unlogisch.
Ich musste mir die Stelle noch mal durchlesen - und da sind mir leider ein paar Rechtschreibfehler aufgefallen. Peinlich  :duck
Zu den Augen. Ja beziehungsweise nein. Das ist schon eine Metapher - also der erste Satz: "Das Kind hatte keine Augen mehr" ist kein Abbild der realen Verhältnisse, sondern steht dafür, dass das Kind in diesem Moment einem der Hauptsinne (die optische Wahrnehmung ist in den Satyr-Folge an sich immer wichtig) und quasi dem vielzitierten Spiegel der Persönlichkeit, Spiegel der Seele beraubt ist.

So, das war's schon wieder von mir. Bis zum nächsten Mal! :)
Danke :) :) :)
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Antw:Schwarz - 11/2380
« Antwort #21 am: 13.08.15, 00:11 »
Danke, erst recht bei dieser nicht eben zum nebenher lesen geeigneten Folge :)

Perfekte Urlaubslektüre, eben deswegen ... für mich sollte Urlaubslektüre eher nicht seicht sein, denn gerade wenn ich die Freiheit im Kopf und im Terminkalender habe, mich mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen, lese ich sowas umso lieber.

Ich musste mir die Stelle noch mal durchlesen - und da sind mir leider ein paar Rechtschreibfehler aufgefallen. Peinlich  :duck

Ach was ... mir sind jedenfalls keine aufgefallen, die den Lesefluss gestört hätten, aber was weiß ein Ausländer wie ich schon? :P

Ligeti ist - natürlich - für sowas wieder der Mann, den ich ins Rennen schicke, auch wenn es mit jedem Captain interessant wäre: Guttaperche hätte eine eigene Position, ohne bei einem fundamental anderem Ergebnis als Ligeti zu landen. Hunter würde grandios scheitern, aus einem tragischen Unglück zwei oder mehr machen ;) :(

Die anderen kenne ich noch nicht, also kann ich jetzt leider nichts dazu sagen. Aber bald, hoffentlich, ich bin neugierig und wir können uns gerne zu einem späteren Zeitpunkt nochmal darüber unterhalten ... ;)

Eine kleine Inkonsistenz ist mir allerdings aufgefallen: als Ligeti das Kind besucht, ist der allererste Satz Das Kind hatte keine Augen mehr – und anderthalb Seiten später sprechen die Blicke plötzlich Bände ... das ist entweder surreal-metaphorisch oder schlichtweg unlogisch.
Zu den Augen. Ja beziehungsweise nein. Das ist schon eine Metapher - also der erste Satz: "Das Kind hatte keine Augen mehr" ist kein Abbild der realen Verhältnisse, sondern steht dafür, dass das Kind in diesem Moment einem der Hauptsinne (die optische Wahrnehmung ist in den Satyr-Folge an sich immer wichtig) und quasi dem vielzitierten Spiegel der Persönlichkeit, Spiegel der Seele beraubt ist.

Nun ... vermutlich bin ich da vorbelastet: mein Vater war blind, er hatte tatsächlich keine Augen mehr (uuund nur am Rande angemerkt bin ich deswegen auch nicht überzeugt davon, dass man unbedingt Augäpfel haben muss um die Seele sichtbar zu machen :P ), also habe ich trotz aller Liebe zu Metaphern ein ziemlich konkretes Bild im Kopf, wie das aussieht wenn man keine Augen hat, und das passt mit den Textfragmenten eben nicht zusammen.

Hättest Du das nicht explizit so betont (wäre es nicht gleich der erste Satz gewesen, der natürlich mehr hängenbleibt als der dritte oder fünfte) oder etwas anders formuliert (hätte das Kind einen starren / leeren / glasigen Blick ins Nirgendwo oder einfach nur fest geschlossene Augen gehabt, hätte seine Mimik Bände gesprochen), wäre es mir vermutlich nicht einmal aufgefallen, so jedoch umso mehr. Vor allem, da die (nicht näher definierte ... was auch nicht unbedingt sein muss, aber Fragen aufwirft, vor allem wenn der Leser medizinisch interessiert ist) Krankheit des Kindes ein Hauptmotiv ist, auch deswegen habe ich das mit der optischen Wahrnehmung in diesem Zusammenhang eher anatomisch-pathologisch als metaphorisch gesehen.
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Antw:Schwarz - 11/2380
« Antwort #22 am: 19.08.15, 11:15 »
Ach was ... mir sind jedenfalls keine aufgefallen, die den Lesefluss gestört hätten, aber was weiß ein Ausländer wie ich schon? :P
Das spricht für Deine Intelligenz, weil Dein Verstand einfach die Fehler überliest, indem er sie gleich während des Lesens korrigiert :)

Die anderen kenne ich noch nicht, also kann ich jetzt leider nichts dazu sagen. Aber bald, hoffentlich, ich bin neugierig und wir können uns gerne zu einem späteren Zeitpunkt nochmal darüber unterhalten ... ;)
Ich freue mich schon drauf :)

Nun ... vermutlich bin ich da vorbelastet: mein Vater war blind, er hatte tatsächlich keine Augen mehr (uuund nur am Rande angemerkt bin ich deswegen auch nicht überzeugt davon, dass man unbedingt Augäpfel haben muss um die Seele sichtbar zu machen :P ), also habe ich trotz aller Liebe zu Metaphern ein ziemlich konkretes Bild im Kopf, wie das aussieht wenn man keine Augen hat, und das passt mit den Textfragmenten eben nicht zusammen.

Hättest Du das nicht explizit so betont (wäre es nicht gleich der erste Satz gewesen, der natürlich mehr hängenbleibt als der dritte oder fünfte) oder etwas anders formuliert (hätte das Kind einen starren / leeren / glasigen Blick ins Nirgendwo oder einfach nur fest geschlossene Augen gehabt, hätte seine Mimik Bände gesprochen), wäre es mir vermutlich nicht einmal aufgefallen, so jedoch umso mehr. Vor allem, da die (nicht näher definierte ... was auch nicht unbedingt sein muss, aber Fragen aufwirft, vor allem wenn der Leser medizinisch interessiert ist) Krankheit des Kindes ein Hauptmotiv ist, auch deswegen habe ich das mit der optischen Wahrnehmung in diesem Zusammenhang eher anatomisch-pathologisch als metaphorisch gesehen.
Oha, da hab ich ja was geschrieben :(

Also ich verstehe Deine Lesart der Stelle vollkommen. Ich hätte die Metapher wohl besser "markieren" müssen, sonst hat man da nicht wirklich Anhaltspunkte, sie gut einzuschätzen.

Ich bin inzwischen auch zu der Erkenntnis gelangt, dass ich eigentlich gar kein großer Fan von Metaphern bin, sie so oft gar nicht einsetze. Ich lande dann als Alternative praktisch immer bei waschechten Vergleichen, die dann aber trotzdem nicht oberflächlich bleiben, sondern einen tieferen Sinn transportieren sollen. Ich glaube ich finde diesen Weg irgendwie besser, weil ich auch die Befürchtung hätte, bei anderen Formen zu, hmm, zu schnell ins Blumige zu geraten.
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« Antwort #23 am: 19.08.15, 12:51 »
Ach was ... mir sind jedenfalls keine aufgefallen, die den Lesefluss gestört hätten, aber was weiß ein Ausländer wie ich schon? :P
Das spricht für Deine Intelligenz, weil Dein Verstand einfach die Fehler überliest, indem er sie gleich während des Lesens korrigiert :)

Nö, das spricht für Deine Beherrschung der deutschen Sprache ... denn es gibt durchaus Texte, bei denen mir der Intelligenz zum Trotz der Verstand aussetzt, weil sie aus mehr Fehlern als Text bestehen. ;)

Also ich verstehe Deine Lesart der Stelle vollkommen. Ich hätte die Metapher wohl besser "markieren" müssen, sonst hat man da nicht wirklich Anhaltspunkte, sie gut einzuschätzen.

Ich bin inzwischen auch zu der Erkenntnis gelangt, dass ich eigentlich gar kein großer Fan von Metaphern bin, sie so oft gar nicht einsetze. Ich lande dann als Alternative praktisch immer bei waschechten Vergleichen, die dann aber trotzdem nicht oberflächlich bleiben, sondern einen tieferen Sinn transportieren sollen. Ich glaube ich finde diesen Weg irgendwie besser, weil ich auch die Befürchtung hätte, bei anderen Formen zu, hmm, zu schnell ins Blumige zu geraten.

Ich denke, da ist auch ganz viel Interpretationssache ... hätte ich nicht diesen, nennen wir es einmal, "persönlichen Bezug" zu dem Thema, hätte ich es vielleicht auch anders verstanden?
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