Autor Thema: Deutsche Science-Fiction-Romane  (Gelesen 1255 mal)

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Tolayon

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Deutsche Science-Fiction-Romane
« am: 27.04.12, 12:56 »
Wenn man sich etwas umsieht, gibt es durchaus auch einige SciFi-Romane deutscher Autoren, auch wenn diese längst nicht so zahlreich sind wie ihre englischsprachigen (v.a. amerikanischen) Pendants. Oft handelt es sich um Schilderungen dystopischer Zustände in der nicht allzu fernen Zukunft auf der Erde, also weniger Space-Operas à la STAR TREK.
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Gleich zum Anfang möchte ich einen hochaktuellen (2011 herausgekommenen) und über 700 Seiten dicken Wälzer vorstellen:

Artur Rümmler: "2040 - im Visier der Macht" (Verlag: Edition Octopus)

Im Jahr 2040 sind die EU und die Reste der USA zur "Großen Union" unter Führung des "Großen Konzerns" verschmolzen; die neue Einheitswährung heißt entsprechend "Eudo". Die Gesellschaftsform lässt sich am ehesten als hedonistisch-faschistoide Oligarchie bezeichnen: Der Konsum steht im Mittelpunkt allen Handelns, gerade auch der von Sex - die Menschen in diesem Roman treiben es fast so bunt wie die Deltaner, am "Tag des Orgasmus" sogar in aller Öffentlichkeit.

Durch diese sexuelle Freizügigkeit sowie dem permanenten Arbeits- und Konsumdruck wird die breite Bevölkerung davon abgehalten, genauer über die gesellschaftliche Lage nachzudenken oder gar gegen diese Zustände vorzugehen. Jede Form von Arbeitsverweigerung, Streik oder Kritik am Großen Konzern wird als Terrorismus bezeichnet und gnadenlos bestraft.
Die Menschen schließen die Schule mit 15, das Studium mit 18 ab und arbeiten bis 75. Die meisten 80-Jährigen, die sich keine Altersversorgung mehr leisten können, werden im "Happy Ending" aktiv euthanasiert.

Die Handlung spielt sich zum größten Teil in Bellytown (ehemals Darmstadt) ab; in ihrem Mittelpunkt steht der Ich-Erzähler und junge Reporter John Forster, der anfangs noch ein loyaler Bürger der Großen Union ist. Doch als seine Eltern bei einem Unfall sterben, der sich als Mord entpuppt, kommt er Schritt für Schritt der Wahrheit näher und gerät damit selbst ins Visier des scheinbar allmächtigen Konzern-Staates.

Kontrastiert wird das Leben in der konzerntreuen High-Tech-Stadt durch Schilderungen im Aussteiger-Ghetto "New Zone" im nahe gelegenen Odenwald. Dort haben sich um die Geistheilerin Melina einige hundert Dissidenten und Unzufriedene zusammengetan, um ein relativ freies und selbstbestimmtes, aber kärgliches Leben zu führen. Sie dürfen das beinahe hermetisch abgeriegelte Ghetto nie wieder verlassen, in dem sie vom Großen Konzern ohnehin nur geduldet werden. Es besteht jederzeit die Gefahr, dass das Ghetto bombardiert und damit ausradiert werden könnte.

Doch auch außerhalb der "New Zone" gibt es eine aktive Widerstandsbewegung, die nur darauf wartet, zum großen Schlag gegen die staatliche Unterdrückung auszuholen...

 

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