Autor Thema: DistroTest.net - Linux-Distributionen im Browser antesten  (Gelesen 348 mal)

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Tolayon

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Die Seite DistroTest.net erlaubt es, praktisch alle gängigen Linux-Distributionen in Form virtueller Maschinen, auf welche über den Webbrowser zugegriffen wird, anzutesten. Dafür muss das Öffnen neuer Browserfenster gestattet werden, um die Fern-VM zu starten.

Auf der Habenseite hat man wirklich die kompletten Linux-Distributionen, die man je nach Lust und Laune als Live-Sitzungen ausprobieren oder gleich in der VM installieren kann - mit der Option, auf das fertige System dann ebenfalls weitere Software zu installieren. Allerdings hält der Spaß nur so lange an, wie das Browserfenster offen ist und die Gesamt-Sitzungszeit scheint auf 30 Minuten begrenzt zu sein. Dazu kommt erschwerend die Wartezeit auf einen freien "Slot" sowie die extreme Langsamkeit, mit der die VM dann oft startet.

Ich habe die Seite mal mit Ubuntu 19.04 getestet, was auf meiner Hardware nicht einmal booten würde. Leider war das Erlebnis via Remote-VM kaum besser:
Alles lief im Schneckentempo, als würde das System auf einen Uralt-PC der Windows-98-Ära laufen. Zum Glück habe ich auf die Installation verzichtet und nur eine Live-Sitzung gestartet ... In welcher es mehrere Minuten gedauert hat, den Dateimanager zu öffnen und das Hintergrundbild zu ändern. Nach dem Herunterfahren der VM musste ich anhand der im Hauptfenster gezeigten Daten feststellen, dass der besagte virtuelle Computer gerade mal 2GB Ram hatte - für Ubuntu eigentlich entschieden zu wenig, aber selbst das kann nicht die extreme Latenz erklären.

Alles in allem kann ich die Seite mit den oben genannten Einschränkungen empfehlen; wenn ihr eine leichtfüßige Distro mit sagen wir LXDE-Desktop wählt, könnte das Ganze vielleicht etwas erträglicher werden. Sicher hängt die Geschwindigkeit auch mit der Auslastung der Server zusammen, welche wie bei Linux und Open Source üblich von einer nichtkommerziellen, auf Spenden und Werbeeinnahmen angewiesene Gruppe von Enthusiasten betrieben werden.
Dennoch steckt in dem ganzen Projekt ordentlich Potenzial; man kann sich diverse Distributionen ansehen und ausprobieren, ohne gleich die komplette ISO runterzuladen, auf USB-Stick zu "brennen" und anschließend als Live-Sitzung auf der heimischen Hardware zu booten (oder auch seine eigene VM zu erstellen).

Hier der Link zur besagten Seite:
DistroTest.net

Tolayon

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Ich konnte heute meine obige Theorie, dass eine Distribution mit leichterem Desktop etwas schneller läuft, beweisen:

Manjaro Xfce - eine weitere Distro, die nicht auf meinem PC booten will - lief weitaus flüssiger als Ubuntu, war aber immer noch weit davon entfernt, damit halbwegs ernsthaft "arbeiten" zu können. Aber es hat gereicht, um mir das Wichtigste anzusehen ...
Die Länge der heutigen Sitzung war anfangs noch auf 20 Minuten beschränkt, aber alle zehn Minuten konnte ich weitere zehn Minuten "dazubuchen", so dass ich auf insgesamt 40 Minuten gekommen bin.

Was die Auswahl der zur Verfügung stehenden Distros insgesamt betrifft, so könnte sie an einigen Stellen etwas größer sein. So gibt es bei Fedora z.B. eine überraschend große Auswahl der Server-Varianten (ohne grafische Oberfläche), aber bei den "Spins" mit den alternativen Desktop-Umgebungen steht nur der mit LXDE zur Verfügung. Was aber wiederum zum Vorteil hätte, dass diese Distro dann vielleicht sogar noch "flüssiger" läuft als ihr Xfce-Gegenstück.
Werde es demnächst vielleicht mal austesten.

sven1310

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Testest Du das alles auf einem handelsüblichen PC?

Ich habe mir gerade einen Raspberry Pi zugelegt und arbeite dadurch bedingt das erst mal seit zig Jahren wieder mit einem Linux System (RetroPi). Ist schon interessant, gebe ich zu.

Tolayon

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Ich teste alles auf meinem derzeitigen Windows-7-PC, da die Linux-Distro meiner Wahl dort demnächst das besagte Microsoft-OS ablösen soll. Im Moment noch sind das alles Live-Sitzungen per USB-Stick, von denen aus ich jederzeit die interne Festplatte formatieren und die entsprechende Distro dauerhaft installieren könnte.

Allerdings taugt nicht jede Hardware für jede Art von Linux. Moderne Computer mit z.B. AMD Ryzen 3 benötigen mindestens eine Kernel-Version von 4.19, wohingegen mein Standard-Intel-Dual-Core nichts über 4.15 verträgt (sofern der universale Startdienst "systemd" beteiligt ist).
Es ist auch stets eine Frage, wie kompatibel das jeweilige Bios ist. Meines ist noch von 2013 (Asus-Mainboard); ich könnte auf eine Version von 2015 upgraden, aber das wäre 1) keine Garantie, dass dann die neuesten Linux-Distros darauf laufen und 2) besteht dabei immer die Gefahr, seinen Computer endgültig in einen "Ziegelstein" zu verwandeln.


Was die hier vorgestellte Seite betrifft, so ist diese von der eingesetzten Hardware unabhängig, da die jeweils gewählte Distro wie beschrieben in einer virtuellen Maschine auf den Servern läuft. Gut, man sollte vielleicht nicht gerade ein Smartphone nehmen, um ein Desktop-OS auszutesten ...
Ironischerweise benutze ich "Distrotest.net" immer von einer Linux-Livesitzung aus, da ich von dort aus für meine Bedürfnisse einfach bequemer Screenshots machen kann (es gibt fast immer ein Extra-Tool dafür).

sven1310

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Ich gebe zu, ich bin da echt ein Noob. Aber ich habe mir gerade ein Buch bestellt für den Pi, der sich mit der Hardware und der Linux Software beschäftigt. Es soll ganz gut und Einsteigerfreundlich sein und sich an Leute richtgen die keinen Plan haben......so wie ich. :D

Ich glaube auch das es nicht so weh tut einen Pi in einen Ziegelstein zu verwandeln. Die 35€ riskiere ich lieber als meinen normalen PC zu schrotten.

Tolayon

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Wobei das bei dem Pi eher weniger passieren dürfte, dass darauf nichts mehr läuft ...

Die Betriebssysteme dafür muss man soweit ich weiß auf Micro-SD-Karte installieren; Raspbian ist die häufigste Variante und quasi Default, aber es gibt für Desktop-Anwendungen auch Q4OS und einige andere Distros, die darauf laufen. Der Raspberry ist wie viele seiner Mitbewerber ein Mini-Computer auf ARM-Basis, was die Auswahl an Desktop-Systemen etwas einschränkt (gerade bei den älteren Modellen auch wegen des geringen Rams und mangelnder Rechenleistung).

Weiteres sollte man dann im entsprechenden Raspberry-Thread diskutieren.

 

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