Autor Thema: Das niemals endende Gespräch  (Gelesen 44111 mal)

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Max

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Das niemals endende Gespräch
« am: 12.01.23, 09:55 »
Über einen Zeitungsartikel bin ich auf ein ziemlich cooles Internet-Projekt aufmerksam geworden:

The Infinite Conversation (Link)

Darin lässt jemand via Künstlicher Intelligenz den deutschen Regisseur Werner Herzog und den slowenischen Philosophen Slavoj Žižek eine Unterhaltung führen, die nie enden wird.
Herzog kenne ich nicht so gut, deswegen kann ich nicht einschätzen, wie gut ihn die KI trifft. Aber von Žižek habe ich zumindest schon ein Buch gelesen und einige Interviews mit ihm gehört, sodass ich sagen kann: Ja, er spricht wirklich so ;)

Die Themen kommen oft aus Kunst und Kultur oder betreffen die Gesellschaft generell.
Hin und wieder ist es Quatsch, aber nicht selten kann man wirklich den Eindruck gewinnen, einer echten Unterhaltung beizuwohnen.

Das Ganze macht streckenweise viel Spaß, soll aber auch auf die Möglichkeiten und Probleme hinweisen, die durch Dinge wie Deep Fake erwachsen können.
« Letzte Änderung: 12.01.23, 09:58 by Max »

PercyKeys

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Antw:Das niemals endende Gespräch
« Antwort #1 am: 15.01.23, 22:07 »
Über einen Zeitungsartikel bin ich auf ein ziemlich cooles Internet-Projekt aufmerksam geworden:
The Infinite Conversation (Link)

Ist es cool, eine Identität zu klauen und für den Einsatz im Rahmen einer K.I. zu missbrauchen... und das dann auch noch unverhohlen zu veröffentlichen? Sorry für die heftige Reaktion, Max, aber genau sowas zeigt, auf welchem düsteren Pfad der Technik (um es mal so zu nennen) sich die Menschheit von Jahr zu Jahr mehr befindet.

Ich hab mir den Link daher nicht angesehen, aber das zum Thema zu sagen war mir eine Herzensangelegenheit.

LG :)

Max

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Antw:Das niemals endende Gespräch
« Antwort #2 am: 15.01.23, 23:25 »
Genau das ist ja der Hintergrund des Projekts: Zu zeigen, wie schnell und unkompliziert es möglich ist, Aussagen so zu konstruieren, dass sie auf Anhieb nicht von Originalen unterscheidbar sind.
Der Unterschied zu zum Beispiel kriminiellen Ansätzen ist, dass alle, die die Seite aufrufen, direkt darauf hingewiesen werden, dass sie hier nicht den echten Personen, sondern einer KI zuhören werden.
Projekte wie dieses sind nicht Teil des Problems, im Gegenteil, sie leisten wichtige Aufklärungsarbeit, die in diesem Fall sogar unterhaltsam ist.

Hazard

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Antw:Das niemals endende Gespräch
« Antwort #3 am: 16.01.23, 00:19 »
[...]
Projekte wie dieses sind nicht Teil des Problems, im Gegenteil, sie leisten wichtige Aufklärungsarbeit, die in diesem Fall sogar unterhaltsam ist.

Etwas ähnliches tat TNG prophezeierisch.
Gemeint ist die Folge als Barclay das Holodeck der NCC-1701-D benutzte um seine Phantasien auszuleben, sprich mit den Pendants aus dem wahren Leben.
Eigentlich war es verboten soetwas zu tun, was ihn aber nicht hinderte.

Daß die Technologie sich soweit entwickeln würde war vorhersagbar.
3D technische Programme generell + die rasant steigende Verarbeitungsgeschwindigkeit der Computersysteme.

Wenn der Quantencomputer erstmal soweit ist dürften solche Szenen nahezu perfekt werden und das vermutlich in Echtzeit, sprich live.
Dann haben wir ein echtes Problem... was nicht die Technik ansich ist, sondern eben der Mensch - wie immer.
« Letzte Änderung: 16.01.23, 00:21 by Hazard »

PercyKeys

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Antw:Das niemals endende Gespräch
« Antwort #4 am: 16.01.23, 09:32 »
@Max: Ich sehe dieses Projekt, bzw. dessen Charakter im Kern, nicht als Teil der Lösung, um Schlimmeres zu verhindern... sondern als ersten Schritt in die falsche Richtung. Man setzt auch keine Waffe mit negativen Folgen ein, um primär die abschreckende Wirkung zu erzeugen oder zu sagen, "Passt auf, dass Ihr Waffen nur für Was Gutes einsetzt."

Von daher sehe ich es auf fundamentaler Ebene anders und kann aus meiner inneren Überzeugung heraus so ein "Experiment" nur ablehnen.

Hazard

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Antw:Das niemals endende Gespräch
« Antwort #5 am: 16.01.23, 09:36 »
Es ist eben der Faktor Mensch.
Ist die Möglichkeit erstmal technologisch geschaffen, ist es nur eine Frage der Zeit bis sie auch eingesetzt wird.
Max hat Recht.
Man muß den Menschen darauf aufmerksam machen was möglich ist.
Stell dir vor du wüßtest nichts von solchen Möglichkeiten, würdest sie gar für absurd halten und irgendjemand würde diese Technologie dann einsetzen um dich zu täuschen.
Hinterher wärst du vielleicht schlauer, aber nur vielleicht.

PercyKeys

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Antw:Das niemals endende Gespräch
« Antwort #6 am: 16.01.23, 09:49 »
Ich weiß, dass ich erstmal Alles oder Garnichts glauben kann/sollte... zum gesunden Menschenverstand gehört, dass man sich bewusst macht, dass man nur "echten", greifbaren und hörbaren Begegnungen/Aussagen zu 100% trauen kann. So seh ich es... dieses Projekt inspiriert jetzt schon automatisch Menschen, es nachzumachen... und damit beginnt der Teufelskreis.

Die Lösung ist nicht dieses Projekt, die Lösung ist das Vermitteln der ich sag mal "roten Linie" oder des Werts, dass man nicht mit den Namen - und im weiteren Sinne den Identitäten - anderer spielt, dass das ein No-Go ist.

Wurden Zizek und Herzog denn von dem Initiator des Projekts um Erlaubnis gebeten? Ich sehe auf den ersten Blick kein Zeichen davon. Wenn nein, dann haben wir hier bereits in die Praxis umgesetzte kriminelle Energie. Ob bewusst/gewollt oder unbewusst... und dann kann ich nur sagen "Prost Mahlzeit!".

Hazard

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Antw:Das niemals endende Gespräch
« Antwort #7 am: 16.01.23, 09:57 »
Es gibt solche und solche Menschen.
Ich vermute, daß es Menschen gibt, die unter Umständen aufgewachsen sind, die sowas wie rote Linien nicht beinhalten.
Sie sind eine völlig andere Art des Bewußtseins.
Und dann gibt es die Masse, die so aufgewachsen sind, wie es der Ottonormale für normal hält.

Wozu die Spezis ohne mit der Wimper zu zucken fähig sind ist für den normalen nicht vorzustellen.
Die Spezis haben jene Erfahrungen, die den normalen zum normalen macht, gemacht als sie geistig robuster waren und nicht beeinflußbar und jung wie Kinder.
Folge war, daß sich manches nicht fest im Hirn verankert hat und sie steuern kann.

Max

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Antw:Das niemals endende Gespräch
« Antwort #8 am: 16.01.23, 10:04 »
Es ist eben der Faktor Mensch.
Ist die Möglichkeit erstmal technologisch geschaffen, ist es nur eine Frage der Zeit bis sie auch eingesetzt wird.
Max hat Recht.
Man muß den Menschen darauf aufmerksam machen was möglich ist.
Stell dir vor du wüßtest nichts von solchen Möglichkeiten, würdest sie gar für absurd halten und irgendjemand würde diese Technologie dann einsetzen um dich zu täuschen.
Hinterher wärst du vielleicht schlauer, aber nur vielleicht.
Das hast Du gut auf den Punkt gebracht, finde ich.



@Max: Ich sehe dieses Projekt, bzw. dessen Charakter im Kern, nicht als Teil der Lösung, um Schlimmeres zu verhindern... sondern als ersten Schritt in die falsche Richtung. Man setzt auch keine Waffe mit negativen Folgen ein, um primär die abschreckende Wirkung zu erzeugen oder zu sagen, "Passt auf, dass Ihr Waffen nur für Was Gutes einsetzt."
Der Vergleich mit der Waffe ist schief. KI und Deep Fake mögen auf ihre Weise auch gefählich sein, aber die Technologien haben einen anderen Platz in der Welt und der Mensch spielt bei diesen Risiken eine ganz andere Rolle.
Die Technologie ist da und Leute werden sie benutzen.
Deswegen ist es von Bedeutung, dass man sich der Risiken gewahr wird. Wer weiß, ob zum Beispiel eine Frau Giffey so leicht auf den Fake-Klitschko hereingefallen wäre, wenn sie Projekte wie "The Infinite Conversation" gekannt hätte?
Statt nur Inhalte zu konsumieren, sieht sich derjenige, der sich "The Infinite Conversation" anhört, ständig der Herausforderung gegenübergestellt, abzuwägen und einzuschätzen: Manche Aussagen sind eher hanebüchen, da fällt es leicht, sich zu vergegenwärtigen, dass hier keine reale Personen sprechen; andere hingegen sind schlüssig und verfügen sogar über eine gewisse Tiefe - hier wird mehr gefordert, sich die Zusammenhänge klar zu machen. In dieser Hinsicht finde ich das Projekt nicht nur unterhaltsam, sondern auch verhältnismäßig effektiv.

Wurden Zizek und Herzog denn von dem Initiator des Projekts um Erlaubnis gebeten?
Das ist an sich ein guter Hinweis.
Aber nimm andere Kunstformen... In "Ein liebender Mann" lässt Martin Walser einen verliebten Goethe auftreten. Auch Filme lassen andauernd historische Figuren Aussagen treffen und Handlungen begehen, die weder immer echt sein müssen, noch in letzter Konsequenz mit diesen Leuten oder deren Erben abgesprochen sind.
Kunst nimmt sich einige Freiheiten. Das ist nicht neu, aber muss natürlich auch im Einzelnen, das stimmt freilich, nicht immer aller Zustimmung finden.
« Letzte Änderung: 16.01.23, 10:12 by Max »

PercyKeys

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Antw:Das niemals endende Gespräch
« Antwort #9 am: 16.01.23, 10:10 »
Ich denke wir kommen da, was unsere grundsätzlichen Sichtweisen angeht, nicht zusammen. Von daher registriere ich zwar deine Anmerkungen/Einwendungen... stimme aber nicht zu, da meine Logik (Edit: man löst etwas nicht indem man auf die Risiken eines Werkzeugs hinweist, man löst die Dinge nur, indem man Anstand und Integrität beim verfolgen von Zielen kultiviert und damit mögliche kriminelle Tendenzen von vornherein de-kultiviert) eine andere ist. ;)
« Letzte Änderung: 16.01.23, 10:12 by PercyKeys »

Max

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Antw:Das niemals endende Gespräch
« Antwort #10 am: 16.01.23, 10:11 »
Auch das kann ein Ergebnis einer Diskussion sein :)
Und es ist immer gut, auch verschiedene Sichtweisen auszutauschen :)

PercyKeys

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Antw:Das niemals endende Gespräch
« Antwort #11 am: 16.01.23, 10:13 »
Dem stimme ich wiederum zu :)

 

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