Autor Thema: U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman  (Gelesen 49673 mal)

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Lairis77

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Hier kommt in Zukunft alles rein, was ich bisher in Romanform gebracht habe.

Kritik und Kommentare sind natürlich willkommen!

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Kapitel 1:

Commander Lejla Katic kämpfte gegen ihre Benommenheit. Langsam und vorsichtig brachte sie sich in eine aufrechte Position, massierte ihre Schläfen und spürte eine warme, klebrige Flüssigkeit, die ihr Handgelenk herab lief.
Es war Blut. Und zwar ihr eigenes, das aus einer tiefen Schnittwunde an ihrem Kopf strömte.
Kein Wunder, dass ihr Schädel dröhnte, als würde die gesamte klingonische Verteidigungsarmee ihren Parademarsch zum Tag der Ehre abhalten!
Lejla verzog das Gesicht vor Schmerz. Nicht nur ihr Kopf tat weh – ihr gesamter Körper fühlte sich an wie durchgeprügelt.
Eine Explosion hatte sie quer durch den Raum geschleudert, erinnerte sie sich vage.
Doch was zum Teufel war gerade passiert?
Ein Anflug von Panik suchte Commander Katic heim. Sie lag auf dem harten Boden, der Raum über ihr war schmutzig grau … verschwommen … und waberte. So wie ihre Gedanken.
Lejla schloss die Augen, atmete tief durch und hoffte, dadurch Klarheit zu gewinnen. Doch ihre Umgebung lag nach wie vor hinter einem wabernden grauen Schleier.
Es war Qualm, begriff sie. Flammen züngelten überall aus geborstenen Konsolen, die Kunststoff-Verkleidung war geschmolzen und verkohlt. Es stank widerwärtig und ein Knoten bildete sich in Leilas Magen.
Mit steifen Gliedern zog sie sich an dem Geländer hoch, das ihren Flug durch den Raum abgebremst hatte. Autsch, jetzt exerzierten die Klingonen nicht länger – sie begannen mit ihren Bat’Lets den Feind in Stücke zu hacken!
Der Feind war offensichtlich Lejlas Gehirn.
Sie biss die Zähne zusammen, bis das Gewitter in ihrem Kopf allmählich nachließ. Dann sah sie sich um. Was sie sah, schnürte den Knoten in ihrem Magen noch enger. Die Brücke der USS Estrella del Alba – oder was davon noch übrig war: Brennende Trümmer und Rauch, Glassplitter überall auf dem Boden verteilt, verwaiste Konsolen.
„Bin ich etwa die einzige Überlebende?“, fragte sie sich mit Entsetzen.
Gott sei dank nicht – neben einer der kaputten Konsolen, halb verborgen hinter einer Rauchwolke, richtete eine weitere Gestalt sich mühsam auf. Es war die Operationsoffizierin, eine junge Trill. Sie hatte eine hässliche Brandwunde auf der Wange, schien aber nicht ernsthaft verletzt zu sein.
So schnell, wie es ihre angeschlagenen Knochen erlaubten, eilte Leila zu ihr. „Alles in Ordnung, Fähnrich?“, fragte sie besorgt.
Die Andere nickte stumm.
„Was ist passiert?“, wollte Leila wissen.
„Keine Ahnung“, antwortete die Operationsoffizierin schwach. „Eben sind wir noch durch dieses Asteroidenfeld bei M-23 geflogen … McMeredith wollte unbedingt die herumfliegende Steine untersuchen … als ob das nicht schon hunderte Wissenschaftler vor ihm getan hätten … aber Sie wissen ja, wie er ist.“
Leila nickte. Gesunde Neugier gehörte zu den Eigenschaften eines jeden guten Wissenschaftlers – aber die Neugier, die der Wissenschaftsoffizier der USS Estrella des Alba manchmal an den Tag legte, war eher lästig als gesund.
Dennoch hatten ihm der Captain seinen Spaß gegönnt und nun saßen sie in diesem Schlamassel.
„Dann sind wir wohl in einen Meteoritenschauer geraten“, spekulierte Leila.     
„Keine Ahnung“, wiederholte die junge Trill. „Ich hatte eine Energiespitze auf meinen Anzeigen und wollte sie dem Captain melden – da flog auch schon meine Konsole in die Luft.“
„Sieht aus, als hätte es Energieentladungen auf der ganzen Brücke gegeben“, erkannte Leila mit Blick auf das Chaos um sie herum. „Hoffentlich nicht auf dem ganzen Schiff!“
„Das könnte ich feststellen – wenn die Hauptsysteme nicht komplett ausgefallen wären“, erwiderte die junge Frau missmutig.
Commander Katic legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Danke, Fähnrich. Gehen Sie auf die Krankenstation.“
Falls wir noch eine Krankenstation haben, fügte sie zynisch in Gedanken hinzu.
Die anderen Crewmitglieder kamen nach und nach zu sich, wie Lejla mit großer Erleichterung feststellte.
Alle – bis auf zwei.
Mit unsicheren Schritten näherte sich Lejla dem Stuhl des Captains. Doch der Platz war leer. Ihr Vorgesetzter lag regungslos auf dem Boden – genau wie sein Wissenschaftsoffizier, Lieutenant Commander McMeredith.
Allmählich lichtete sich der Qualm und gab den Blick auf den Hauptbildschirm frei. Der funktionierte natürlich auch nicht mehr. Lejla sah nur Rauschen, diffusen Schnee. Monochrom – so wie alles hier nach diesem ominösen Unglück. Selbst die farbigen Kragen der Offiziere waren von grauer Asche bedeckt.
Lediglich ein roter Fleck auf dem Boden stach aus der grauen Tristesse heraus. Ein viel zu großer Fleck, ein viel zu sattes rot …
Lejla schluckte.
„McMeredith?“, hauchte sie.
Instinktiv wusste sie: Sie konnte nichts mehr für ihn tun.
Eine Explosion hatte die wissenschaftliche Konsole zerrissen, in tausend Stücke zersprengt … und die meisten steckten nun in McMerediths Körper. Auch in seinem Gesicht. Ein langer dünner Glassplitter ragte wie ein spitzer Stachel aus seinem Auge.
Leila wandte sich ab, unterdrückte den Brechreiz und die aufsteigenden Tränen.
So sehr, wie ihr McMeredith auf die Nerven gegangen war – von nun an würde sie jeden Tag, den sie an der wissenschaftlichen Konsole vorbeiging, still an ihn denken und sein arrogantes Geplapper schmerzlich vermissen.
Vor allem würde das Bild seiner Leiche sie wochenlang in ihren Alpträumen jagen.
Aber jetzt durfte sie sich nicht ablenken lassen, zum Wohl der ganzen Crew musste sie den Überblick behalten – vielleicht konnte sie wenigstens den Captain retten.
Vorsichtig, mit angehaltenem Atem, drehte sie den Mann auf den Rücken.
Wäre Commander Katic nicht so sehr darauf fixiert gewesen, seinen Puls zu finden, hätte sie seinen leblosen starren Blick bemerkt und den unnatürlichen Winkel, in dem sein Kopf herabhing.
Ihre Wiederbelebungsmaßnahmen waren sinnlos – aber das wollte Lejla nicht wahrhaben. Selbst, als sie nach fünf Minuten immer noch keinen Puls spürte. Selbst, als der Captain trotz ihrer Herzmassage und Mund-zu-Mund Beatmung nicht selbstständig zu atmen begann.
„Oh nein, tun Sie mir das nicht an, Sir!“, stieß sie hervor.
Er antwortete nicht, starrte nur mit glasigen Augen an die Decke.
Seine Uniform war verschmiert mit Blut, aber es war nicht seines, sondern Lejlas. Ihre Kopfwunde blutete nach wie vor, wenn auch nicht mehr so stark.
Es war ihr egal.
„Bitte, Captain …“, murmelte sie mit zittriger Stimme. Der Rest des Satzes blieb wie ein Pfropfen in ihrer Kehle stecken.
Vor zwei Jahren war der Erste Offizier der USS Estrella des Alba bei einem Shuttleunfall ums Leben gekommen. Das Schiff war auf Forschungsmission in den Randgebieten – zu weit im Tiefenraum, als dass die Sternenflotten rechtzeitig einen qualifizierten Ersatz hätte schicken können.
Lejla Katic war aufgerückt. Viel zu früh, wie einige meinten.
Aber sie hatte sich behauptet und bewährt. Trotz ihres jungen Alters gewann sie den Respekt der Crew und das uneingeschränkte Vertrauen ihres Captains.
Doch mit einer einzigen, verdammten Explosion war plötzlich alles vorbei, alles kaputt.
Commander Katic trug nun die Last des Kommandos auf ihren Schultern – wieder viel zu früh. 


Die Druckwelle kam blitzschnell, hart und unerwartet – ebenso der Aufprall.
„Verdammt, was war das?“, fragte sich Lieutenant Cer´Zydar Taren, Taktischer Offizier der USS Estrella des Alba.
Für einen Moment kam es ihm vor, als hätte ein Raumschiff der Galaxy-Klasse ihn mit voller Impulsgeschwindigkeit gerammt – der Moment, in dem die Explosion ihn gegen die Wand geschleudert hatte. Ein Wunder, dass er noch lebte!   
„Mein erster Einsatz an Bord der Estrella – und schon fliegt der alte Eimer in die Luft“, fluchte der junge Andorianer halblaut.
Immerhin hatte die Estrella del Alba – ein Schiff der Excelsior-Klasse – schon gute achtzig Jahre auf dem Buckel.
Als Lieutenant Taren die Augen öffnete bemerkte er den Schemen einer Person, die sich über eine andere, am Boden liegende Person beugte.
Er ignorierte sein schmerzendes Kreuz und versuchte sich aufzuraffen. Mit dem Rücken zur Wand, aber immerhin stand er aufrecht. Er keuchte und schmeckte Blut. Offensichtlich hatte er sich in die Zunge gebissen.     
Tarens Antennen bewegten sich unruhig in alle Richtungen. Es war nicht leicht, sich einen Überblick zu verschaffen, denn an allen Ecken brannte es, Verletzte stöhnten, um ihn herum regnete es Funken auf den Boden und Qualm behinderte seine Sicht.
Nur allmählich kehrte Tarens Erinnerung zurück, als dem jungen Andorianer bewusst wurde, dass er sich auf der Brücke befand.
Nun erkannte er auch, dass die Frau, die neben dem Captain-Sessel auf dem Boden kauerte, Commander Lejla Katic war.
Und der Mann, den sie so verzweifelt wiederzubeleben versuchte … Taren schluckte hart, als seine schlimmste Befürchtung wahr wurde: Es handelte sich um den Captain.
Der Andorianer zögerte keinen Augenblick und eilte Commander Katic zur Seite.
Die junge Frau schien ihn überhaupt nicht wahrzunehmen – selbst dann nicht, als er seine Hand auf ihre Schulter legte. Immer wieder redete sie auf den leblosen Captain ein und versuchte erfolglos, sein Herz zum Schlagen zu bringen.
Sie blickte erst auf, als der Andorianer sie behutsam aber unnachgiebig auf die Füße zog. Tränen glitzerten in ihren Augen.
„Das darf nicht wahr sein, das darf nicht wahr sein …“ murmelte sie halb erstickt. Ihre Worte wiederholten sich wie eine Feedback-Schleife in einem kaputten Comm-System. 
„Jetzt beruhigen Sie sich erst mal“, erwiderte der Andorianer bestimmt. Seine Hand lag immer noch auf ihrer Schulter und er strich ihr sanft über den Arm.
Lejla nickte. Normalerweise mochte sie es nicht besonders, von anderen Personen angefasst zu werden, und musste jemandem vollständig vertrauen, bis sie diese Hemmschwelle überwand. Doch in ihrem seelischen Ausnahmezustand von Unsicherheit, Trauer und zielloser Wut auf das ganze Universum war sie einfach dankbar für Tarens Mitgefühl. In einem schwachen Moment hätte sie sich am liebsten an seinen breiten Schultern ausgeheult, aber dem durfte sie auf keinen Fall nachgeben. Der sechsundzwanzigjährige Lieutenant war ihr Untergebener, letztendlich erwartete er ihre Führung, ihre Stärke. Was sollte die Crew von ihr denken, wer würde sie dann als Kommandantin noch ernst nehmen?   
Taren beugte sich selbst über den Körper des Captain, legte seine Finger an die Halsschlagader und stieß einen lauten Seufzer der Resignation aus. 
„Er ist tot, Commander. Sie selbst sollten sich auf die Krankenstation begeben.“
Lejla erwiderte lange Zeit gar nichts, sondern starrte ihn nur an. Nach und nach wich die Trauer und Angst in ihren dunklen Augen einer verzweifelten Entschlossenheit.
„Mir geht’s gut“, widersprach sie. „Lässt man die Tatsache außer Acht, dass es eine Havarie unbekannten Ursprungs gab, die Brücke ein Trümmerhaufen ist und der Captain tot ...“ Als Leijla diese schmerzliche Tatsache aussprach, musste sie einen Moment innehalten. „Das Wichtigste ist, dass wir uns um die Verwundeten auf der Brück kümmern. Sie und ich übernehmen das.“
Der Andorianer wollte Katic zunächst widersprechen. Sein angeborener Beschützerinstinkt riet ihm, die Kopfwunde des Ersten Offiziers augenblicklich versorgen zu lassen.
Doch letztendlich nickte er, weil er einsah, dass die Frau Recht hatte. „Aye Commander.“
Lejla Katic tippte auf ihren Kommunikator, doch dieser reagierte nicht. Auch die schiffsweite Kommunikation war ausgefallen.
„Fähnrich Nygar …“ Sie wandte sich an die junge Trill von der OPS, die gerade etwas ratlos um sich blickte. „Versuchen Sie die internen Sensoren, damit wir endlich einen vollständigen Schadenbericht bekommen.“
„Aye, Sir, ich tue, was ich kann“, erwiderte die junge Frau. Ihrem Gesicht war allerdings abzulesen, dass sie ihre Chance, diesem Konglomerat halb geschmolzener Schaltkreise irgendwelche brauchbaren Daten zu entlocken, als ziemlich gering einschätzte.
Lejlas Verstand arbeitete fieberhaft. Irgendwann müssten die Notaggregate anspringen, normalerweise direkt nach dem Ausfall der Hauptversorgung. Doch bisher war nichts passiert. 
Im Augenwinkel bemerkte Lejla einen Master Chief Petty Officer aus der Technischen Abteilung, der sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an einer noch halbwegs intakten Konsole hochzog.
„Chief Ahim!“, rief sie.
Der Mann hob schwerfällig den Kopf.
„Chief, wenn es Ihnen irgendwie möglich ist, versuchen Sie den Maschinenraum zu erreichen, sprechen Sie mit dem Chefingenieur, notieren Sie alle gemeldeten Schäden und bringen mir einen Statusbericht.“
Cer´Zydar Taren hatte mitbekommen, was Commander Katic dem Chief zugerufen hatte. Bei einem Blick zur Seite stellte er fest, dass es dem jungen Chief Petty Officer Schwierigkeiten bereitete, aufrecht zu stehen.
Für einen Moment fragte Taren sich besorgt, ob Lejla nicht zu viel verlangte – doch er kam zu dem Schluss, dass es dem Rest der Brückenbesatzung auch nicht besser ging und der Auftrag des Commanders Vorrang hatte.   
„Schaffen Sie das, Chief?“, fragte Taren und reichte Ahim seine Hand, um ihn zu stützen.
„Danke für die Hilfe“, erwiderte Ahim. „Was ist hier eigentlich passiert?“
„Ich weiß auch nicht mehr als Sie, Chief“, knurrte der Andorianer ob dieser Frage. „Oder sind Sie vielleicht der Meinung ich könnte hellsehen?“
Normalerweise war er nicht so unfreundlich, doch die Situation zerrte an seinen Nerven, obwohl er das nicht zugeben mochte.
Eben weil ihn die Erkenntnis ärgerte, fixierte er den Chief mit seinen tiefblauen Augen und fügte hinzu: „Wenn Sie dazu in der Lage sind, dann machen Sie sich gefälligst auf den Weg. Hier gibt es noch andere Verletzte, die meine Hilfe brauchen.“
Der Chief war ihm einen giftigen Blick zu, dann machte er sich auf den Weg.

***

Der Sicherheitschef der Estrella del Alba, Lieutenant Commander Richard T. Harris, ahnte noch nichts von der kommenden Katastrophe, als er aus seinem Büro stürmte und auf dem Korridor beinahe mit seiner Teamleiterin, Lieutenant JG Voran Laren, zusammen stieß.
Die hochgewachsene Bajoranerin sprang geistesgegenwärtig zur Seite.
„Und, haben Sie Corin und Jacen 'verarztet'?“, fragte sie mir einem ironischen Lächeln.
Laren war die direkte Vorgesetzte der beiden namentlich genannten Ensigns – und mit „Verarzten“ meinte sie keineswegs medizinische Pflege.   
Richard nickte. „Habe ich. Es war nicht gerade intelligent von den beiden, sich auf Unity One mit dem Ferengihändler anzulegen.“
Seine Begleiterin schmunzelte. „Ah, Verstoß gegen Harris’ Regel Nummer drei: Ein Sicherheitsoffizier sorgt immer für Sicherheit, auch wenn er nicht im Dienst ist.“
„Allerdings. Das sollten sich diese Grünschnäbel auf die Augenlider tätowieren lassen!“, brummte Commander Harris. „Wenn sie das erste Jahr hier überleben wollen …“
Er kam nicht dazu, seinen Satz zu beenden. Plötzlich wurde das Schiff erschüttert und die beiden flogen gegen die Korridorwand.
„Was war das denn?“, fauchte der Sicherheitschef und rieb sich das lädierte Kinn. Dann aktivierte er seinen Kommunikator: „Harris an Brücke. Lagebericht.“
Doch niemand antwortete.
Harris unterdrückte einen Fluch. „Ich bin auf dem Weg zur Brücke. Voran – trommeln Sie die Truppe zusammen.“
Der Sicherheitschef wartete das „Aye, Sir“ seiner Untergebenen gar nicht erst ab, sondern sprintete los. Innerhalb von Sekunden stand er vor dem nächsten Turbolift, doch der war außer Funktion.
„Das hättest du dir ja denken können“, wies er sich selbst zurecht.
Dann sah er sich um und entdeckte in der Nähe einen Zugang zum Jeffriesröhrensystem der Brücke.
„Na prima“, dachte der Sicherheitschef eingedenk der Kletterei, die jetzt vor ihm lag.
Mit einem Stoßseufzer öffnete er den Zugangsschacht.


„Comm… Commander, sind Sie das?“, stammelte ein junger Fähnrich mit einem blutverklebten Auge und einem zersplitterten Padd in der Hand.
„Ja, ich bin es. Ganz ruhig, das wird schon wieder …“ redete sie mit sanfter Stimme auf ihn ein, während sie routiniert seine Wunden säuberte und ihm ein Hypospray aus den Notfallkoffer verabreichte.
Innerlich war aufgewühlt, doch offenbar gelang es ihr, eine Sicherheit auszustrahlen, die sie nicht empfand. Ihre Hände zitterten immer noch leicht.
Immerhin beruhigte sich der junge Fähnrich, richtete sich mit ihrer Hilfe auf und fragte nach Befehlen.
„Helfen Sie Lieutenant Taren“, ordnete Lejla an, als sie sah, dass der Andorianer einen schwereren Fall versorgte.   
„Wer noch?“, ging es ihr durch den Kopf und ihr Magen verkrampfte sich.
Ihr Blick wanderte erneut zur Leiche des Captains, anschließend zum toten Wissenschaftsoffizier. Ein Teil von ihr war wie betäubt, betrachtete das grausame Szenario mit der Distanz eines Außenstehenden, der sich einen Holofilm ansah.
Natürlich!
Beinahe hätte sie hysterisch laut gelacht. Das Ganze war nichts weiter als eine Übung auf dem Holodeck, um ihre Kommandofähigkeiten zu testen! Sie konnte sich an nichts erinnern, weil man sie direkt aus dem Bett hier her gebeamt hatte, sozusagen ins kalte Wasser geschmissen.   
Der Captain … dieser Hund! So etwas veranstaltete er von Zeit zu Zeit, um seine Mannschaft auf Trab zu halten. Im Prinzip hatte sie nichts dagegen einzuwenden – aber musste es ausgerechnet an ihrem zweiunddreißigsten Geburtstag sein? Diesen Tag wollte sie eigentlich bei einem Umtrunk mit ihren Kollegen und Freunden verbringen, bei einem kalten Buffet, Musik und Geschenken und nicht …
Nicht in einem manövrierunfähigen Schiff, das ohne funktionierende Hauptsysteme in einem  Asteroidenfeld fest hing. Nicht mit einem halben Dutzend stöhnenden Verletzten. Nicht … mit einem toten Captain.
Sie starrte sekundenlang auf das getrocknete Blut an ihren Händen. Vielleicht war es gar nicht real – genauso wenig wie ihre verschmutzte Uniform. Womöglich taperte sie gerade im Schlafanzug durch simuliertes Katastrophenszenario.
Bei dem Gedanken rutschte ihr tatsächlich ein Kichern heraus.
Lieutenant Taren drehte sich mit einem besorgten Stirnrunzeln zu ihr um.
Doch wenn es nicht real sein sollte – wieso tat ihr dann alles weh?
Tief im Inneren kannte Lejla die Antwort auf diese Frage – und hasste sie.

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Das wars erst mal. Wie ihr seht, ist schon wieder einiges hinzugekommen. Außerdem hab ich den ersten Abschnitt leicht überarbeitet, z.B. überall den richtigen Schiffsnamen eingesetzt.

Demnächst mehr ...

EDIT: Die Romanfassung wurde vorübergehend vom Netz genommen und wird überarbeitet

« Letzte Änderung: 19.08.14, 07:16 by Lairis77 »
"Ich habe diese Geschichte nur gepflanzt, aber sie wächst, wie sie will, und alle verlangen, dass ich voraussehe, welche Blüten sie treiben wird." (Cornelia Funke: Tintentod)


Alexander_Maclean

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #1 am: 06.04.11, 16:47 »
Gefällt mir.

Vor allen die ergänzung mit den Augenlider. Geiler spruch.

Ich hoffe du kommst bei Rick dann auch mit, wenn er - sagen wir mal etwas - deprimiert ist und mürrischer wird.
« Letzte Änderung: 06.04.11, 18:48 by Alexander_Maclean »
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deciever

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #2 am: 06.04.11, 17:54 »
liest sich super :)

Toll gemacht.

Oddys

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #3 am: 06.04.11, 18:09 »
Das gibt zwei Daumen von mir. b  :) d

Könntest du irgendwo eine Szene einbauen wo man den Counselor Tod auffindet?

Wäre nämlich wichtig da mein Charakter erst später dazu stößt und den verstorbenen Counselor ersetzt es dazu aber keine Szene gibt.

ulimann644

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #4 am: 06.04.11, 19:15 »
Gewohnt gute Lairis77-Qualität !!
Allerdings scheint mir - der alte Eimer ist nur knapp 50 Jahre alt und nicht 80 ( Baujahr 2332 - nicht 2302... )

Die Figuren hast du fabelhaft getroffen, und auch die Ergänzungen ( Sprüche und Gedanken ) sind äußerst gelungen !!

Vielleicht wäre es eine gute Idee, die Schiffsnamen in Großbuchstaben zu schreiben - ist nur ein Vorschlag... :andorian

Lairis77

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #5 am: 06.04.11, 19:17 »
Danke, schön, dass es soweit gefällt!  :happy

@Alex:
Der Spruch ist nicht so ganz auf meinem Mist gewachsen. Genau gesagt stammt er aus Babylon 5 ("Nie darfst du einem Telepathen trauen - ich lass mir das auf die Innenseite meiner Augenlider tätowieren!") :D
Warum sollte ich nicht damit klar kommen, wenn Harris deprimiert ist? Sind wir doch alle mal.

@Oddys:
Consellor tot? Wann sollte das passieren? Kann ich einbauen, klar. Irgendwelche Vorgaben? Mann? Frau? Spezies?

@uli:

Gewohnt gute Lairis77-Qualität !!
Allerdings scheint mir - der alte Eimer ist nur knapp 50 Jahre alt und nicht 80 ( Baujahr 2332 - nicht 2302... )

OK, danke für den Hinweis. Ich dachte nur, Excelsior-Klasse ist schon altes Eisen (im wahrsten sinne des Wortes ;)). Außerdem hatte ich wohl Defender im Kopf: Dort gibt es ja diese 80 Jahre alte Excelsior, die bei jedem Sonnenstürmchen fast auseinander bröckelt.

Die Figuren hast du fabelhaft getroffen, und auch die Ergänzungen ( Sprüche und Gedanken ) sind äußerst gelungen !!

Danke, und hab hab noch nicht mal die Dienstakten gelesen (jedenfalls nicht alle)  :duck

Vielleicht wäre es eine gute Idee, die Schiffsnamen in Großbuchstaben zu schreiben - ist nur ein Vorschlag... :andorian

Kann ich machen. Aber für die PDF (falls es eine geben sollte) zieh ich Kapitälchen vor.
« Letzte Änderung: 06.04.11, 19:29 by Lairis77 »
"Ich habe diese Geschichte nur gepflanzt, aber sie wächst, wie sie will, und alle verlangen, dass ich voraussehe, welche Blüten sie treiben wird." (Cornelia Funke: Tintentod)


Oddys

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #6 am: 06.04.11, 21:00 »
Ich lasse dir da komplett freie Hand, sollst dich ja austoben können.

Wann der Counselor stirbt? Naja, nach dem Unfall, wird aber vllt. erst während des kontrollieren der einzelnen Abteilungen entdeckt.

David

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #7 am: 06.04.11, 21:22 »
Klasse verfasst, Lairis.
Bin gspannt auf den fertigen Schinken.

Die Nachlese folgt dann asap.

Lairis77

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #8 am: 07.04.11, 12:49 »
Hier kommt der nächste Schwung:  :bounce

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Währenddessen half Lieutenant Taren zwei Offizieren der Brückenbesatzung, sich einigermaßen bequem auf ihre Stühle zu setzen, und begann, sie provisorisch zu untersuchen. Zwar war er kein Arzt, aber zumindest nach offensichtlichen Verwundungen konnte er Ausschau halten.
Dem Anschein nach hatten beide Offiziere nur leichte Verletzungen davongetragen, also
begab sich Taren zu einer Frau, die vor ihrer Station lag und ein unterdrücktes Stöhnen von sich gab.
Erleichtert stellte er fest, dass sie langsam wieder zu Bewusstsein kam. Allerdings gelang es ihr nicht, sich ohne Hilfe zu erheben. Als sie sich auf dem linken Arm abstützen wollte, keuchte sie vor Schmerz und knickte ein. Vermutlich hatte sie sich den Arm gebrochen, doch dessen war sich Taren nicht sicher.
Zwischendurch wanderte sein Blick immer wieder zu Commander Katic, deren seelische Verfassung ihm etwas Sorgen bereitete. Einerseits war er versucht, die verletzte Frau zur Krankenstation zu bringen, anderseits mochte er Lejla nicht allein lassen.

„Warnung, Hauptsysteme offline“, meldete die freundliche aber kalte Computerstimme zum wiederholten Mal.
„Erzähl mir was Neues!“, knurrte Lejla entnervt.
Der Computer piepte verständnislos.
Lejla ballte die Hände zu Fäusten, getrocknetes Blut blätterte von ihren Fingern. An die Kopfschmerzen hatte sie sich beinahe gewöhnt, aber die Ungewissheit nervte und zermürbte sie.
Da flackerte plötzlich der Monitor auf und Lejla hob erwartungsvoll den Blick.
Asteroiden aller Größen trieben vorbei, eine schwache gelbe Sonne leuchtete in der Ferne. Es war kein sonderlich inspirierendes Bild – aber es war ein Bild und für Lejla der Grund, zum ersten Mal, seit sie an diesem Horrortag auf der verwüsteten Brücke erwacht war, zu lächeln.
„Na, wenigstens etwas!“
Auch Fähnrich Nygaras Miene hellte sich auf. „Anscheinend sind ein paar der Notsysteme angesprungen.“
„Wurde aber auch Zeit“, gab Lejla zurück. „Wozu hat man Notsysteme, wenn sie in der Not nicht funktionieren.
Nygara zuckte die Schultern. „Wer immer diese Schiffklasse konstruiert hat, wollte offenbar nicht, dass die Techniker sich langweilen.“
Lejla schmunzelte, obwohl ihr eigentlich nicht danach zumute war.
Sie nahm Platz auf dem Sessel hinter der CONN und versuchte, zuerst den Autopilot, dann die manuelle Steuerung zu aktivieren. Es fehlte noch, dass einer der Brocken in der Schiffhülle einschlug, weil die Estrella nicht ausweichen konnte!
Leider reagierte die Steuerung nicht.
„Mist!“, rutschte es Leijla heraus. „Fähnrich, kriegen wir die Schutzschilde hochgefahren?“
Die junge Trill betätigte mit hoch konzentrierter Miene einige Schalter und Konsolen, dann schüttelte sie bedauernd den Kopf.
„Katic an Maschinenraum“, probierte es Lejla.
Wie erwartet, funktionierte das Intercomm immer noch nicht.
Fäkalwörter in den Sprachen von mindesten zehn verschiedenen Spezies lagen Lejla auf der Zunge, doch sie schluckte sie herunter.
„Fähnrich Nygara, lassen Sie sich was einfallen, um die Sensoren zum Laufen zu bringen. Ich will endlich wissen, was uns in diese besch…eidene Lage gebracht hat und ob jemand in der Nähe ist der dafür verantwortlich sein könnte!“, befahl sie statt dessen.

***

„Na endlich!“, murmelte Lieutenant Commander Harris, als er nach gefühlten zwei Stunden die Zugangsluke zwischen CONN und Hauptschirm erreichte.
Die Kletterei an sich hätte ihm nichts ausgemacht. Er war ein sportlicher Typ und Bergsteigen zählte neben Antigrav-Segeln zu seinen Lieblingsbeschäftigungen im Urlaub.
Aber er hasste Jeffries-Röhren: Die Enge, die stickige Luft, das spärliche Licht … all das weckte unangenehme Erinnerungen an den Dominionkrieg. Wie oft war er schon durch diese Röhren gekrochen, weil nach einem Kampf die Turbolifte aufgefallen waren! Einmal hatte er acht Stunden in so einem verdammten Schacht festgesessen, weil sämtliche Eingänge durch Trümmer blockiert oder die Luken geschmolzen waren. Es war vollkommen dunkel, die Beleuchtung schien ausgefallen zu sein … dafür übertrug das Tunnelsystem jedes Geräusch, spürte Harris die vibrierenden Stimmbänder des Schiffes, das protestierte und schrie.
Er wusste, durch den Korridor über ihm jagte eine Plasmafeuerwalze, verbrannten seine Kameraden bei lebendigem Leib … die Hitze lief ihn fast in Ohnmacht fallen, doch am schlimmsten war die Tatsache, dass er keinem Weg aus den endlos erscheinenden Tunnel fand, dass er nichts tun konnte, um sich und anderen zu helfen … bis es ihm endlich gelungen war, mit seinem Phaser eines der halb geschmolzenen Luken aufzuschweißen.
Von daher stammte seine Regel: „Ein guter Sicherheitsoffizier kann mit einem Phaser alles anfangen: Schießen, schweißen, grillen und notfalls sogar einen Hogan schnitzen.“
Diesmal sah die Lage anders aus. Zwar fürchtete er sich vor dem, was er auf der Brücke vorfinden mochte – aber wenigstens konnte er diesmal etwas tun.   
Er holte tief Luft, dann versuchte er, die Schotts auseinander zu drücken. Seine Muskeln waren nicht gerade schwach entwickelt, trotzdem ging es verflucht schwer.
Seine rechte Hand tastete nach dem Phaser an seinem Gürtel. „Also, wie damals auf der Honshu“, murmelte er grimmig – ganz im Sinne seiner Regel „Ein guter Sicherheitsoffizier hat immer einen Plan B, C, D, E und F.“
Aber er war bereit, es noch einmal mit Plan A zu versuchen und zerrte mit einem kräftigen Ruck an der Verriegelung.
Diesmal gab das Schott nach und gab einen Spalt frei, der gerade breit genug für seinen Körper war.
„Na also, geht doch!“, triumphierte er und zwängte sich hindurch.

Mit einem Blick erkannte er, wie schlimm es stand. Zwei Offizier waren augenscheinlich verwundet und hielten sich mühsam auf ihren Stühlen, eine weitere Frau lag am Boden. 
Genau wie der Captain und der Wissenschaftsoffzier.
Harris schluckte hart. Die beiden lebten offensichtlich nicht mehr.
Trauer und Wut kochten in ihm hoch, aber er drängte diese Gefühle zurück, denn wenn er den anderen helfen wollte, musste er ruhig bleiben.
Zeit zu Trauern war später.
Der Sicherheitschef war froh, zu sehen, dass es wenigstens Commander Katic gut ging. Jedenfalls gut genug, um hinter den CONN zu sitzen und Befehle zu erteilen.
Doch es entging ihm nicht, dass sie den Sessel des Captains mied, obwohl sie jetzt das Kommando innehatte. Er kannte Lejla gut genug, um zu wissen, was das bedeutete.
Harris sprang auf die Füße und trat an ihre Seite.
„Wie sieht es aus, Commander? Was machen wir jetzt?“, fragte er leise.
„Rick!“, begrüßte sie ihn erleichtert. „Gott sei dank, du lebst noch!“
„Betonung auf NOCH“, fügte Cer´Zydar Taren zynisch hinzu. Mit finsterer Miene deutete er auf einen besonders stattlichen Asteroiden, der fast ein Viertel des Bildschirms einnahm. „Dieser Brocken da bewegt sich unfairer Weise direkt in unserer Richtung. Nimmt man die geschätzte Entfernung und seine Geschwindigkeit, dauert es nach meinen Berechnungen etwa eine halbe Stunde, bis er gegen unserer Außenhülle kracht. Und dann sind wir erledigt!“
„Nein!“ entfuhr es Lejla.
Sie blickte von Taren zu Harris. Keiner der beiden Männer schien einen Rat zu wissen.
„Was ist mit den Schilden?“, fragte Rick.
Lejla seufzte.
„Lass mich raten: Ausgefallen.“
„Ja.“
„Kriegen wir sie wieder in Gang?“
„Nicht von der Brücke aus. Chief Ahim ist auf den Weg in den Maschinenraum und … Ach, verdammt!“, schimpfte sie.
„Was ist?“, hakte der Sicherheitschef nach nach.
„Ich hätte dem Chief gleich die Anweisung geben sollen, sich darum zu kümmern!“
„Cully wird schon wissen, was er tut“, beruhigte Rick die Frau.
Rory Culloden „Cully“ McPherson war der Chefingenier der U.S.S. Estrella del Alba und einer der besten seines Faches. Doch so wie die Lage aussah, bestand die Gefahr, dass er nicht mehr lebte.
Lejla überlegte angestrengt. Sie hatte eine klägliche halbe Stunde Zeit, um das Schiff und die Crew zu retten. Eine halbe Stunde zwischen Leben oder Tod.
Das getrocknete Blut in ihrem Gesicht juckte, sie kratzte sich an Hals und Kinn, während Rick sie besorgt ansah.
„Wenn es Cully nicht rechtzeitig schafft, die Schilde oder den Antrieb zum Laufen zu kriegen, müssen wir Hilfe holen“, meinte sie.
„Dürfte ohne Comm-System schwierig werden“, gab Cer´Zydar Taren trocken zurück.
„Ist irgendeine Station oder ein Schiff in der Nähe, von dem wir wissen?“, fragte Lejla. „Ich meine: nahe genug, dass wir rechtzeitig mit einem Shuttle dort hin kommen.“
„Der nächste Außenposten, von dem ich weiß, ist UNITY-ONE“, antwortete der Andorianer.
„Auch zu weit weg.“ Rick verzog das Gesicht.
„Nicht zwangsläufig“, warf Taren ein. „Möglicherweise haben wir Glück und die Systeme in einem der Shuttles funktionieren noch, so dass wir einen Notruf senden können. Ich wette, eines dieser superschnellen Task Force Schiffe könnte in wenigen Minuten hier sein.“
Lejlas Augen leuchteten auf. „Exzellente Idee!“, lobte sie den Andorianer. „Und warum bin ich nicht selbst darauf gekommen?“, schimpfte sie in Gedanken mit sich.
„Falls aber UNITY ONE unsere nachricht nicht empfängt oder selbst die superschnellen Task Force Schiffe nicht schnell genug hier sein können …“, wandte Rick ein.
„Ich weiß, dann brauchen wir einen Plan B, C, D, E und F.“ Leijla lächelte leicht. „Falls du einen hast, wäre ich dankbar.“
Richard lächelte zurück. „Einen Plan B hätte ich zumindest: Eine halbe Stunde müsste reichen, um zum Torpedowerfer zu klettern und einen Torpedo manuell abzufeuern.“ Er warf Taren einen herausfordernden Blick zu. „Was meinen Sie, Lieutenant?"
Die Antennen des Andorianers spreizten sich leicht zur Seite und er nickte nach kurzem Zögern. Alleine bei dem Gedanken, was dabei alles schiefgehen konnte, kribbelten seine Finger. Ohne Computersimulation war es nicht möglich, vorherzusehen, wie sich die Explosion eines großen Asteroiden auf die Flugbahn der übrigen Brocken auswirken würde. Aber er musste Richard zustimmen: Eine andere Möglichkeit gab es nicht. 
„Es wäre gut, wenn mir jemand zur Hand geht“, erklärte er. „Unsere Zielscanner sind offline, deshalb müssen wir mit dem gesamten Schiff zielen, notfalls über den Daumen. Das bedeutet gleichzeitig, dass wir ziemlich nah heran müssen, damit der Schuss nicht daneben geht.“ Er wandte sich mit einem bedeutungsvollen Blick an Katic. „Wenn das etwas werden soll, müssen wir sofort loslegen, Commander.“
„Tun Sie es“, entschied Lejla und schickte einen halbwegs unverletzten Kommunikationstechniker zur Hangarbucht, um mit Hilfe eines Shuttles ein Notsignal zu senden. „Rick, du hilfst Lieutenant Taren.“
„Wir kriegen das hin“, versuchte Richard sie aufzumuntern.
„Daran habe ich keinen Zweifel“, erwiderte sie leise.
Harris musterte sie forschend. Er ahnte, dass Lejla durchaus Zweifel hatte – und zwar an sich selbst. Sie war ein sehr fähiger Offizier, doch selbst Rick fand, dass sie noch etwas zu jung für den Posten der „Nummer Eins“ war. Nichtsdestotrotz hatte er sie immer unterstützt – im Gegensatz zu seiner Frau Claire, die jeden Tag darauf zu warten schien, dass Lejla ihre Inkompetenz unter Beweis stellte.
Der Gedanke an seine Frau betrübte den Sicherheitschef. Hoffentlich ging es ihr gut … ihr und den beiden kleinen Mädchen. Wenn dem so war, würde Claire einen Weg finden, um mit der Situation irgendwie klarzukommen. Vermutlich stützte sie sich voll in die Arbeit.
„Also, versuchen wir unser Glück, Lieutenant!“, sagte Rick zu Taren und sie machten sich auf den Weg.

Lejla blickte den Männern lange nach. Am liebsten wäre sie selbst zum Shuttle gelaufen, um UNITY ONE zu rufen. Doch sie konnte die Brücke nicht verlassen.
Das Kommando zu haben, hieß manchmal auch, einfach zu warten, der allzeit bereite Fels in der Brandung zu sein, während andere kämpften und Lösungen fanden. 
Damit würde sich Lejla nie anfreunden können.
Mit einem leisen Seufzen zog ihre Jacke aus und deckte sie über das Gesicht des toten Captains. Fähnrich Nygara tat dasselbe mit Commander McMeredith.
Katic fragte sich besorgt, wie es nun weiter gehen würde, wie stark war das Schiff beschädigt war, was nun mit ihr und der Crew passieren würde.
Schnell schob sie diese Sorgen beiseite, es gab vordringliche Probleme.


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Ich hoffe, Alex hat nichts dagegen, dass ich seinem Charakter eine Abneigung gegen Jeffries-Röhren verpasst hab.

BTW ist die WORD-Version jetzt auf knapp 10 Seiten angewachsen, in Standardformat, Times New Roman 12. Und das beim ersten Kapitel  ?(
"Ich habe diese Geschichte nur gepflanzt, aber sie wächst, wie sie will, und alle verlangen, dass ich voraussehe, welche Blüten sie treiben wird." (Cornelia Funke: Tintentod)


ulimann644

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #9 am: 07.04.11, 13:09 »
@Lairis
Gute Arbeit. Mit anderen Worten: Das wird ein Klopper - finde ich gut... :andorian

Lairis77

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #10 am: 07.04.11, 13:17 »
Danke!  :lieb
Obwohl ich gerade bei Drüberlesen jede Menge Fehler gefunden hab. Das kommt davon, wenn man so was in der Mittagspause zusammenschmiert :P.

Muss aber sagen, dass macht mir richtig Spaß und hilft mir sogar gegen meine Schreibblockade bei Defender.

Wer weiß, vielleicht steige ich doch noch ins RPG ein  :andorian.
« Letzte Änderung: 07.04.11, 13:47 by Lairis77 »
"Ich habe diese Geschichte nur gepflanzt, aber sie wächst, wie sie will, und alle verlangen, dass ich voraussehe, welche Blüten sie treiben wird." (Cornelia Funke: Tintentod)


Alexander_Maclean

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #11 am: 07.04.11, 13:26 »
@lairis
Du bist die beste.   :knuddel :knuddel :knuddel :knuddel :lieb

sehr coole sache.

mir gefallen auch die zwei regeln.


und wenn du mitmachst fände ich das sehr geil.

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David

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #12 am: 07.04.11, 13:27 »
Klasse, Lairis.
Bin sehr gespannt auf das Endergebnis.

Und falls du ins RPG einsteigst... man, das wird dann sicher interessant.

Hab das bisher hier von dir gepostete schon ma überflogen. Gefällt mir gut.

Oddys

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #13 am: 07.04.11, 13:36 »
Lairis das ist Klasse. Neige ja eigentlich nicht dazu überschwänglich zu werden aber das ist genial.

Habe mir nochmal Gedanken wegen des Counselors gemacht. Am besten man findet den in einem der Turbolifte da die nicht zugänglich sind bis zum derzeitigen Stand der Dinge wirkt es auch nicht reingebastelt.

Fleetadmiral J.J. Belar

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #14 am: 07.04.11, 13:55 »
Hab mir jetzt beide Zusammenfassungen durchgelesen und bin begeistert. Es war eine gute Idee unsere Fähigkeiten in einen Topf zu werfen und es ist einfach toll von dir, liebe Lairis77 das ins Reine zu schreiben. Ich fühlte mich, obwohl ich selbst dran teilnehme, bei der Lektüre deiner Romanversion, sehr gut unterhalten und habe auch einiges neues entdeckt. Du solltest auf jedenfall die Freiheit, Sachen abzuändern behalten. Ich frage mich allerdings, wann Ynarea ihren Auftritt bekommt.

Gruß
J.J.
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- Si vis pacem para bellum -

RPG Charakter: - Lieutenant Ynarea Tohan / Stellvertr. Sicherheitschef -

 

 

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