Autor Thema: U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman  (Gelesen 51184 mal)

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Fleetadmiral J.J. Belar

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #45 am: 18.05.11, 17:14 »
Also das ist einer der Momente wo ich wieder weiß, warum Kirk neben Sisko mein Lieblingscaptain ist.  :)
« Letzte Änderung: 18.05.11, 19:51 by Fleetadmiral J.J. Belar »
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RPG Charakter: - Lieutenant Ynarea Tohan / Stellvertr. Sicherheitschef -

 

ulimann644

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #46 am: 18.05.11, 19:28 »
@Alex
Okay - da hätte ich ihn auch postiert. Dann wissen wir jetzt wo er auf dem Schiff herumläuft. Passt

Lairis77

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #47 am: 01.06.11, 21:48 »
Passt. Weiter gehts ;).

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Deck 20-23 Hauptmaschinenraum

Lieutenant Commander Culloden McPherson wischte sich den Dreck und Schweiß aus dem Gesicht, zog sich ächzend an seinem Arbeitsstuhl hoch, massierte seinen schmerzenden Hintern und betrachtete missmutig, was von seinem Maschinenraum noch übrig war.
„Das darf doch nicht wahr sein, mein schöner Warpfeldmodulator!“, jammerte er, als sein Blick auf einen qualmenden Haufen Schrott fiel, der gestern noch sein ganzer Stolz und die Zierde des Maschinenraums gewesen war.
Der Chefingenier der ESTRELLA hatte Wochen damit zugebracht, dieses Stück fortgeschrittene romulanische Technologie an die Systeme des Schiffes anzupassen und dabei ein Maximum an Leistung rauszuholen.
Jetzt ähnelte der Warpfeldmodulator eher einem surrealistischen Kunstwerk und McPherson war kurz vor einem Wutanfall. Er mochte keine weichen Uhren und erst recht keine weichen Warpspulen!
Ungehalten tippte er auf seinen Kommunikator – besser gesagt: Er schlug ihn.
„McPherson an Brücke – Es gab eine Explosion im Maschinenraum. Kann mir bitte jemand sagen, wer oder was dafür verantwortlich ist?“
Keine Antwort.
Na Klasse – wahrscheinlich sah die Comm-Leitung auch nicht besser aus als sein armer Warpfeldmodulator.
Erst jetzt bemerkte Culloden zwei reglose Körper neben den Kontrollkonsolen für den Impulsantrieb. Er schnappte erschrocken nach Luft, als er die beiden Männer erkannte. „Berman? Vinetti?“
Sie hatten schwere Verbrennungen an den Händen und Unterarmen, keiner von beiden rührte sich.
Der Chefingenieur knirschte frustriert mit den Zähnen. Die Krankenstation zu rufen, hatte keinen Zweck, wenn das Comm-System tot war. Kurzerhand trat er gegen eine Wandverkleidung, die sogleich abfiel, und nahm sich zwei Medkits.
Seufzend hockte er sich neben die beiden leblosen Männer, heftete ihnen unbeholfen je zwei Kortikalstimulatoren auf die Brust und stülpte ihnen Beatmungsmasken über die bleichen Gesichter. Schließlich verabreichte er ihnen eine Dosis Innoprovalin und stand auf.
Gott sei Dank schlugen ihre Herzen noch!
Krankenstation … Culloden prüfte sowohl den Ingenieurslift als auch den Turbolift. Beide funktionierten nicht und er fluchte leise.
 

Die junge Frau hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Sie wusste nicht mehr, weswegen sie eigentlich in die Jeffriesröhre gekrochen war. Im ersten Augenblick des Erwachens kannte sie nicht einmal mehr ihren eigenen Namen. Sie erinnerte sich nur vage, dass ein Schlag sie außer Gefecht gesetzt hatte. Oder war es eine Druckwelle?
Ihr Blick war getrübt, wurde jedoch allmählich klarer. Explosionen hallten durch die Gänge, jagten Schockwellen durch das Schiff und durch ihren Körper. Geräusche von berstenden Leitungen und zerreißendem Metall ließen ihr Schauer über den Rücken laufen.
Wie ein Automat bewegte sie sich vorwärts in Richtung Maschinenraum.
Als sich das Schott unter ihren Händen öffnete, schlug ihr heißer Nebel entgegen. Ziemlich unelegant plumpste sie aus der Röhre und stöhnte schmerzerfüllt, als sie auf dem harten Boden des Maschinenraums aufschlug. 
Lieutenant Astrid Kreuzer, stellvertretende Chefingenieurin der USS ESTRELLA DEL ALBA, hielt vor Schreck den Atem an, als sie endlich klar sehen konnte. 
Dass der Warpkern ausgefallen war, erkannte sie auf den ersten Blick. Zwei Konsolen brannten lichterloh, ein paar Techniker versuchten das Feuer unter Kontrolle zu bringen und weitere Schäden zu verhindern.
Astrid berührte ihren Kommunikator, aber nichts passierte. Sie nahm an, dass er kaputtgegangen war, und probierte es mit der nächsten Wandkonsole. „Kreutzer an Brücke …“
„Sparen Sie sich die Mühe, Lieutenant“, kam die ungeduldige, leicht japsende Stimme ihres Vorgesetzten aus der Qualmwolke. „Die Kommunikation ist im Eimer. Gutes Stichwort übrigens: helfen Sie mir, das System wieder herzustellen.“
„Natürlich, Sir“, antwortete Astrid ruhig.
Das übrige Personal des Maschinenraums war von Cullodens Art schnell genervt. Ein war ein netter, lustiger, hilfsbereiter Kerl, doch besonders in Krisensituationen schien er Manieren und Einfühlungsvermögen für Luxus zu halten. Das war natürlich ebenso menschlich wie die beleidigte Reaktion einiger seiner Mitarbeiter. 
Astrid jedoch war kein Mensch. Ihren irdischen Namen verdankte sie ihren Adoptiveltern, doch ihre blauen Haare und spitz zulaufenden Ohren verrieten ihre fremde Herkunft auf den ersten Blick. Sie gehörte zu einer sterbenden Rasse, deren Angehörige in der ganzen Galaxie verstreut waren. Einige lebten auf dem Planeten Plume am Rande des bekannten Universums. Astrid hatte eines Tages erfahren, dass sie dort geboren worden war, und kehrte als junges Mädchen zu ihren letzten lebenden Verwandten zurück, bevor sie – im zarten Alter von fünfzig oder sechzig – die Entscheidung traf, zur Sternenflotte zu gehen.
Man wusste fast nichts über die Angehörigen ihres Volkes – außer dass sie ungewöhnlich alt wurden. Vielleicht kam daher Astrids übermenschliche Gelassenheit, denn Zeit spielte für sie fast keine Rolle und obwohl sie physisch wie ein Teenager erschien, zählte sie schon vierundsiebzig Jahre. Womit sie bei ihrem Volk als grünes Gemüse galt.
Den Namen dieser Spezies konnte fast kein humanoides Wesen aussprechen. Ein Fähnrich aus dem Maschinenraum mit einem Faible für klassische Literatur taufte sie kurzerhand die „Tolkien“ – wegen ihrer optischen Ähnlichkeit mit den Elben aus dem „Herrn der Ringe“. Astrid gefiel der Klang dieses Namens und so bürgerte er sich ein. 
Mit flinken Fingern tippte Astrid ihren Code in die nächstbeste funktionierende Konsole und rief den Status der Systeme ab: „Com-System ausgefallen, Warpkern ausgefallen, Impulsantrieb offline, Notenergie aktiviert … seltsamer Weise springt der Reserve-Fusionsreaktor nicht an. Die Noternergieversorgung läuft derzeit komplett über Batterie. Das wird nicht lange halten.“
Lieutenant Commander McPherson nahm den Bericht seiner Kollegin zur Kenntnis und brummte missbilligend.
„Und warum kriegen Sie den verdammten Reaktor nicht zum Laufen.“
„Wenn ich das wüsste, hätten wir das Problem wahrscheinlich längst behoben“, konterte sie scheinbar emotionslos.
Culloden – oder „Cully“, wie ihn seine Freunde nannten, verdrehte die Augen. „Alles, was spitze Ohren hat, nervt auf die gleiche Weise“, dachte er. Dabei verdrängte er geflissentlich seine eigenen vulkanoiden Gene, die ihm seine antarianische Mutter vererbt hatte.   
„Notentlüftung …“, murmelte Astrid gerade. Ihre Augen tränten.
Cully grinste. Zufällig wusste er, wo sich die Sauerstoffmasken befanden. Er riss ein weiteres Stück Verkleidung von der Wand und entnahm zwei Masken, von denen er eine seiner Kollegin reichte. „Versuchen Sie’s mal damit.“



Deck 19 Torpedokatapulte, Bugsektion 14:29 Uhr

Als Taren hinter Richard aus der Jeffriesröhre kletterte, blickte er den Lieutenant Commander grimmig an und knurrte: „Jetzt weiß ich, wie sich das Plasma in den verdammten Warpspulen fühlen muss!“
Richard schmunzelte und beobachtete aus dem Augenwinkel, wie der andorianische Lieutenant in einem letzten Aufbäumen von Optimismus eine der wenigen intakten Konsolen zu reaktivieren versuchte.
„Wann haben Sie das letzte Mal so etwas gemacht, Lieutenant?“, fragte er.
Der junge Andorianer atmete hörbar ein und aus, seine Antennen bogen sich nach innen – ein klares Zeichen, dass er verstimmt war. „Nur einmal – während des Dominionkrieges“, antwortete er widerwillig.
„Also wenigstens unter Gefechtsbedingungen. Das erste und letzte Mal, als ich so ein Ding von Hand abgefeuert habe, war ich auf dem Holodeck.“
Die Fühler des Andorianers krümmten sich noch weiter und er atmete zischend aus. „Holodeck?“
„Eine Holosimulation. Auf der Akademie.“   
„Jetzt bin ich aber beruhigt“, gab Taren mit triefender Ironie zurück. „Wenn Sie mir jetzt noch erzählen, Sie hätten damit Ihren Mond auf zwanzig Meter Entfernung getroffen, brauche ich mich ja nur auf meinen Hintern zu setzen und abzuwarten, dass sie uns alle retten.“
„Ich glaube eher, Sie haben um Ihren blauen Hintern Angst“, entgegnete Richard unwirsch. 
Taren verkniff sich einen passenden Spruch. Immerhin war Harris sein Vorgesetzter und in diesem Sinne hatte der Andorianer den Bogen jetzt schon leicht überspannt.
„Die Konsole ist tot“, murrte er. „Also auf die harte Tour.“ Damit deutete er auf die rechte Bodenklappe, während er selbst die Klappe links des Zuführungsschachtes, der von Deck 20 heraufführte, öffnete und begann, die Kontrollen des Abschussschachtes freizulegen.
Richard gelang es, mit Hilfe der Hebelmechanik die Bodenklappe auf seiner Seite Stück für Stück weiter aufzustemmen. Noch während er einen der Torpedos nach oben beorderte, öffnete sich bereits die schwere Verschlusspforte der Abschussrampe.
Für Tarens Geschmack dauerte es dennoch viel zu lange, bis der Torpedotubus endlich auf der Zuführungsschiene lag und sich ächzend Richtung Abschussrampe schon.
Kaum war der Torpedo richtig positioniert, ließ der Andorianer die Verschlusspforte zuschnappen und löste die Verriegelung für die Außenpforte. „So, das wäre …“
Taren wurde mitten im Satz unterbrochen, als ein Ruck durch das Schiff ging und ihn zusammen mit Richard gegen die Rückwand schleuderte. Überrascht blickte er zu seinem Vorgesetzten und fragte irritiert: „Wer, bei der schwarzen Kreatur der Verdammnis, hat jetzt das Schiff beschleunigt?“
„Keine Ahnung. Hellsehen kann ich auch nicht. Wer immer das war, denn werde ich Kielholen lassen. Ohne Raumanzug“, grummelte der Sicherheitschef, denn das war bereits sein zweites „stürmischen Rendesvouz“ mit einer Wand an diesem Tag.
„Und den Vollidioten, der unser Schiff in den Liropar-Gürtel geschickt hat, lass ich ein paar Asteroiden zum Frühstück essen – und zwar ohne Joughurt, Milch oder Fruchtsaft“, ergänzte er in Gedanken.
Laut sagte er: „Okay, die Torpedos sind geladen. jetzt müssen wir noch das Schiff ausrichten und feuern.“
„Nichts leichter als das“, bemerkte Taren sarkastisch.
„Können Sie heute auch noch irgendwas Anderes als Meckern?“, gab der Sicherheitschef ungehalten zurück.
Der Andorianer schluckte seinen Zorn herunter und wandte sich dem Einstieg der Jeffriesröhre zu. „Ich fürchte, der unerwartete Schub verkürzt die Zeit, die uns bis zum Abschuss verbleibt, Sir. Wir sollten uns also beeilen.“
„Dann beeilen Sie sich, verdammt! Die Physikstunde können wir ins Abendprogramm verlagern.“
„Da die Kontrollen hier unten tot sind, müssen wir wieder nach oben, und von der Brücke aus feuern“, fügte Taren gepresst hinzu. „Lassen Sie mich diesmal vorangehen.“
„Bitte sehr!“ Richard wies ihm mit einer übertrieben höflichen Geste den Weg. „Allerdings funktionieren auf der Brücke die Schubkontrollen aber nicht. Unwahrscheinlich, dass sich daran etwas geändert hat. Ich schlage vor, wir machen das vom Maschinenraum aus. Dort sind wir ohnehin schneller. Praktischerweise ist auch die Shuttlerampe auf dem selben Deck. Wir müssen noch das Notsignal absetzen. Also los!“
„Moment mal, Sir …“ Mit sichtlich nach innen gebogenen Antennen wandte sich der Andorianer an Harris. „Vom Maschinenraum aus pflegt man im Allgemeinen keine Torpedos abzufeuern. Vielleicht sollten Sie sich zum Maschinenraum begeben, während ich zur Brücke zurückkehre. Sobald ich auf dem Hauptschirm erkennen kann, dass die ESTRELLA ausgerichtet ist, werde ich den Asteroiden in kosmisches Streugut verwandeln.“
„In Notsituationen kann der Maschinenraum als Hilfsbrücke fungieren“, dozierte Richard.
Doch dann wurde ihm klar, dass der Andorianer nicht unrecht hatte. Da nicht bekannt war, wo die Steuersysteme der ESTRELLA gestört waren, konnte es durchaus passierten, dass er vom Maschinenraum aus die Waffen nicht abfeuern konnte.
„Okay, dann machen wir es so. Kehren Sie auf die Brücke zurück, Lieutenant“, entschied der Sicherheitschef daher. „Stellen Sie aber Ihren Kommunikator auf die Notfallfrequenz. Vielleicht gelingt es mir, das Comm-System eines Shuttles zu überbrücken, sodass wir Kontakt halten können.“
Die Antennen des Andorianers spreizten sich, zum Zeichen dafür, dass er mit der Entscheidung seiner Vorgesetzten hochzufrieden war. „Der Mann hat glasklar erkannt, dass uns die Zeit davonrennt, falls die Systeme im Maschinenraum nicht zufriedenstellend arbeiten sollten“, dachte er.



Deck 19 - Frachtraum, Achtersektion 14:29 Uhr

Kadett Gral fluchte und tobte, während er sich unter einem Berg aus leeren Transportcontainern hervor wühlte. Mit einem wütenden Grunzen schleuderte der korpulente Tellarit einige der leichteren Behälter gegen die Wand, wo sie scheppernd zerbrachen.   
Der leitende Wissenschaftsoffizier hatte ihn in den Frachtraum geschickt, um einige Probenkoffer zu holen.
Plötzlich hatte das Schiff gebebt, einer der Behälter war ihm auf den Kopf gefallen und ließ immer noch Sternchen vor seinen Augen tanzen. Er fühlte sich schlimmer als nach dem Null-Schwerkraft-Training im letzten Jahr.
Missmutig aktivierte er seinen Kommunikator und musste feststellen, dass die Kommunikation ausgefallen war.
Schnaufend erreichte er schließlich den Eingang des Frachtraumes und zwängte sich durch das halb geöffnete Schott. Im Korridor brannte nur noch die Notbeleuchtung.
Die Energieversorgung musste also ebenfalls ausgefallen sein.
Der Kadett lief zum nächsten Turbolift und fluchte lauthals, als dieser auch nicht ansprang. 
Wütend hämmerte er auf die Kontrollen des Lifts, bis er mit einem kläglichen Laut, irgendwo zwischen einem Schluchzen und einem Grunzen gegen die Wand sank und sich verzweifelt zu beruhigen versuchte.
„Denk nach, Gral, denk nach …“
Er scharrte aufgewühlt mit den Hufen, sein Blick durchbohrte ein nahegelegenes Bullauge. Schon in seiner Kindheit hatte der Anblick der Sterne einen wohltuenden Einfluss auf ihn besessen. Diesmal allerdings nicht. Die Dunkelheit sog seine Gedanken auf, die Sterne schienen zu kreisen. Nicht nur in seinem Kopf – sondern auch dort draußen.
Gral wollte sich eben abwenden, als er einen großen dunklen Schatten bemerkte, der sich rasch und bedrohlich dem Schiff näherte.
Sein Herzschlag setzte einen Moment aus. Was mochte das sein? Bestimmt nichts Gutes – davon war der Tellarit fest überzeugt. Blöder Weise konnte er das schwarze Ding aus dem All nicht identifizieren, so sehr er sich auch bemühte.
Es taumelte. Oder das Schiff taumelte. Oder Gral selbst.
Wahrscheinlich letzteres. 
Der Kadett schloss die Augen, zwang sich, tief und regelmäßig zu atmen. Als das Schwindelgefühl nachließ, öffnete er die Augen wieder.
Gral wünschte, er hätte es nicht getan. Dann könnte er sich der Illusion hingeben, dass dieser Alptraum jetzt vorbei war, dass mit Sicherheit alles gut werden würde … und kein riesiger Asteroid auf dem Weg war, um das Heck der ESTRELLA zu zerquetschen, als wäre es ein Stück Alufolie.   


Maschinenraum

Plötzlich hatte Cully einen Geistesblitz, nahm Astrid Kreutzer ihren Kommunikator ab und stellte diesen mithilfe seines Tricorders um. „So, jetzt müssten wir eine Verbindung herstellen können“, erklärte er zufrieden und gab sein er Kollegin den Kommunikator zurück. „Lieutenant, verriegeln Sie jegliche Türen und Luken bis auf diejenigen, die zu den Jefferiesröhren nach Frachtraum zwei führen“, ordnete er an. „Versiegeln Sie auch den Zugang von diesem Maschinendeck auf das obere und die beiden unteren Deck. Ich begebe mich über die Jeffries-Röhre dorthin. Wenn Sie fertig sind, stellen Sie sicher, dass jeder in diesem Raum sich irgendwo festhält – dann geben Sie mir Bescheid und ich öffne die Ladetore. Das sollte die Notfall-Kompresskapseln platzen lassen und die normale Atmosphäre wiederherstellen. Das Gas und Plasma wären wir dann los. Haben Sie verstanden?"
Astrid lächelte unter ihrer Maske. Auch wenn ihr Cully manchmal auf die Nerven ging, verstanden sie sich dennoch bestens – was nicht zuletzt daran lag, dass sie beide gern auf ungewöhnliche Lösungen setzten.
Durch die Rauchschwaden konnte sie ihren Boss nur noch als schemenhafte Gestalt wahrnehmen.
„Ich denke, Ihnen ist klar, dass ein nach außen geöffnetes Lagertor temporär wie ein Triebwerk wirkt“,  gab sie mit einem Schmunzeln zurück.
„Das ist mir durchaus bewusst“, entgegnete Cully knapp. „Erachten Sie alles Nötige als versiegelt und die besagten Tuben als offen. Die neuen Masken, die wir bekommen haben, sind auch gegen Vakuum, sie können also ordentlich was raus lassen. Ich sorge dafür, dass hier niemand ohne Maske herumrennt.“
Astrid nickte und machte sich umgehend ans Werk – als das Schiff sich in Bewegung setzte, als würde es von einer gigantischen Hand angeschoben.
Cully dachte zunächst, der Druckausgleich durch das offene Ladetor wäre dafür verantwortlich und staunte, wie schnell seine spitzohrige Kollegin das bewerkstelligt hatte.
Noch ahnte er nicht, wie sehr er sich irrte …
 

Frachtraum


Kadett Gral starrte wie gelähmt auf den monströsen Felsbrocken dort draußen. Innerhalb weniger  Minuten würde die Masse des Asteroiden den Duraniumträger der Hülle zusammenstauchen, das Tragwerk zerbrechen und die Panzerung sprengen.
Gral nahm an, dass es schnell ging. Das schien der einzige Trost, falls er es nicht rechtzeitig zu einem der Brandschotts schaffen würde. Sollte es zu einem Druckabfall kommen, würden diese Schotts sich automatisch schließen.
Allerdings war das nächste über siebzig Meter entfernt und Gral war noch nie der Sportlichste gewesen. Dennoch sprintete er los.   
Das rettende Schott schien kein Stück näher zu kommen. So verrückt, wie es klang – das Schiff bewegte sich mit ihm. Gral keuchte – in erster Linie vor Schreck.
Der Asteroid füllte nun das gesamte Sichtfeld des Fensters aus. Gral zwang sich, weiter zu rennen, noch schneller … doch wie in einem Alptraum kam er scheinbar kein Stück vorwärts.
„Schneller, du Fettsack!“, schnauzte ihn eine bekannte aber ungeliebte Stimme von hinten an.
Kadett Hohl, der andere Praktikant in der wissenschaftlichen Abteilung.
Nomen est omen, dachte Gral genervt. Hohl war ein Tellarit, wie er – doch im Gegensatz zu Gral und den meisten anderen Angehörigen seines Volkes war er durchtrainiert, sogar einigermaßen schlank und darum so eingebildet, als wäre er Mister Universum.
Zu seinem unendlichen Frust hetzte Hohl an ihm vorbei, tat einen eleganten Hechtsprung durch das Schott, während Gral schnaufte und seine Lungen brannten.   
Krachend, splitternd und brennend fraß sich der Asteroid durch die Hecksektion der ESTRELLA. Unmittelbar hinter Gral riss die Decke, ein Beleuchtungskörper explodierte und schickte einen Funkenregen zu Boden, der den Teppich in Brand setzte. Die Wand beulte sich gefährlich nach innen.
Gral schrie entsetzt auf, aber er konnte beim besten Willen nicht schneller laufen. Seine Beine fühlten sich jetzt schon an wie Pudding.
„Na los!“, drängte Hohl und keuchte. „Beweg deinen fetten Hintern her – lange kann ich das Schott nicht mehr aufhalten!“
Gral horchte auf. Mischte sich etwa Besorgnis in die Stimme dieses Schnösels?
In der Tat – Hohl stemmte sich mit Händen und Hufen gegen das Schott, das ihn zu zerquetschen drohte, sollte er in seiner Kraft nachlassen.
Gral – für einen Moment so erschöpft und verzweifelt, dass er sich am liebsten zu Boden geworfen und auf den alles zermalmenden Asteroiden gewartet hätte – gewann durch den Anblick seines ärgsten Feindes, der mit rot angelaufenem Gesicht und zitternden Muskeln das verdammte Schott aufstemmte, neue Energie.   
Das Schiff bäumte sich auf wie ein Wildpferd, dem sein Reiter die Sporen in die Flanken bohrte. Gral wurde von den Füßen gerissen und landete hart auf seinem umfangreichen Bauch. Obwohl er in Sekundenschnelle wieder auf die Füße kam, rückte das Inferno aus splitterndem Glas und fliegenden Trümmern so nahe, dass eine Stichflamme beinahe seinen Pelz versengt hätte.
„Gral, verdammt, kommt schon!“, brüllte Hohl verzweifelt.
Irgendwo musste ein Leck in der Außenhülle sein, die Luft wurde ins All hinaus gesogen – und Gral beinahe mit ihr. Mit letzter Kraft stemmte er sich gegen den tödlichen Sog. Er wäre gerannt, wenn es ihm möglich gewesen wäre – doch nun konnte er froh sein, wenn er überhaupt vorwärts kam. Wie ein Betrunkener torkelte er den Gang entlang, der Boden unter ihm schwankte wie die Planke eines Segelschiffes, das in einen Orkan geraten war.
Da packte Hohl kurzerhand seinen Arm, zog seinen Kommilitonen mit sich ins Innere, während er gleichzeitig das Schott los ließ, das sich kreischend mit seiner Verriegelung paarte – nur knapp einen Zentimeter hinter Grals Füßen.   
Gral schnappte nach Luft und zitterte am ganzen Körper.
„Danke“, brachte er schließlich hervor. „Aber das mit dem Fettsack zahl ich dir noch heim!“



Brücke

Ein Donner hallte durch das Schiff, gefolgt von einem heftigen Rütteln. Instinktiv hielt sich Lejla Katic an der Steuerkonsole fest. Wie es aussah, war einer der mittleren Brocken gegen das Schiff geprallt. Die Deflektorschilde mochten den schlimmsten Schaden abwenden, aber eine tiefe Delle gab das mindestens. 
Lejla unterdrückte ein Seufzen, stieß sich von der Konsole ab und wandte sich an ihren bolianischen Kommunikationsoffizier. „Lieutenant Tiab, übernehmen Sie die Taktik, ich will wissen was da noch so alles auf uns zu kommt.“ Da die Nahbereichsscanner nur mit geringer Leistung arbeiteten, waren die kleinen Brocken nicht auf Tarens Scann zu sehen gewesen und Lejlas ganze Besorgnis hatte sich auf den großen Asteroiden fixiert. Doch nun sah sie ein, dass die kleineren auch nicht zu unterschätzen waren. Vor allem waren sie viel schneller.
Tiab hatte ebenfalls keinen Erfolg, als er die Flugbahn der kleine Asteroiden zu berechnen versuchte.   
Jede Funktion, die er wiederherstellen konnte, offenbarte drei neue Systemfehler. Tiab war der Verzweiflung nahe. Doch auch wenn er innerlich kochte, ließ er sich nach außen wenig anmerken. Bolianer verleugneten ihre Gefühle zwar nicht, wie es Vulkanier taten, aber er wollte sich dennoch keine Blöße geben. Schließlich war er noch nicht lange auf dem Schiff und die anderen Brückenoffiziere sollten nicht auf die Idee kommen, dass er in schwierigen Situationen die Kontrolle verlor.
Gerade als er glaubte, seine Paorane – ein der menschlichen Wut ähnlicher Zustand – laut heraus schreien zu müssen, spürte er eine Hand auf seiner Schulter.
„Sie machen das wirklich gut, Lieutenant“, beruhigte ihn Commander Katics sanfte Stimme.
Tiab musste daran denken, dass seine Schultern – genauer gesagt, sein ganzer Oberkörper – nackt waren. Er war gestürzt und an einer zerborstenen Konsole hängen geblieben, die von seinem Uniformoberteil nur ein paar nutzlose Fetzen übrig gelassen hatte. In ersten Moment überlegte er sogar, ob er den Bauch einziehen sollte, entschied jedoch, dass das albern war.
„Vielen Dank, Commander“, antwortete der Bolianer gerührt.
Womöglich wäre er nicht so verlegen gewesen, wenn er gewusst hätte, dass sich Katic bei der flüchtigen Berührung auch nicht sehr wohl fühlte. Die stellvertretende Kommandantin vermied normalerweise Körperkontakt, doch ihr Gefühl sagte ihr, dass Tiab diesen Augenblick der Nähe gebraucht hatte. 
Man konnte über junge Offiziere in Kommandopositionen sagen, was man wollte – im Umgang mit der Crew zeigte sie oft mehr Feingefühl als die so genannten „alten Hasen“. Manche Kommandanten wurden mit den Jahren abgebrüht, rümpfen sogar insgeheim die Nase über die Ängste und Sorgen der „Grünschnäbel“, obwohl diese Aufmunterung und Trost teils bitter nötig hätten.
Katic beugte sich über die Schulter des Bolianers und studierte die Anzeigen auf seiner Konsole.
„Ich versuche die zentralen Stellen des LCARS wiederherzustellen, um zumindest die Kommunikationsknoten an Bord wieder ans Laufen zu bekommen. Leider ist es nicht so einfach, die beschädigten Systeme zu umgehen. Die Leitungen zum Zentralcomputer sind teils abgeschaltet worden, um Zerstörung zu vermeiden. Ich habe sie größtenteils wieder hochgefahren und ich denke, wenn ich einen speziellen Notfall-Code, den ich bis gerade entwickelt habe, anwenden kann, sollten wir in der Lage sein, die Kommunikation wiederherzustellen“, erklärte Tiab nicht ohne Stolz.
„Sehr gut“, lobte Katic.
Die junge Kommandantin schien tatsächlich neue Hoffnung zu schöpfen, aber Tiab fürchtete,  dass ein Fehler womöglich den Ausfall der gesamten Computersysteme zur Folge haben könnte. Gerade LCARS war sehr anfällig für Störungen, was dramatische Auswirkungen auf die Hardware haben konnte. Tiab musste schlucken. Die langen Erklärungen hatten seine Hals austrocknen lassen, zudem kostete es ihn Überwindung, hinzuzufügen:“"Ich bin nicht sicher, ob das System der Belastung standhält. Sämtliche Datenbänke und Konsolen könnten nutzlos werden. Dann hätten wir nur noch manuelle Steuerungen und die Zentralkonsolen. Soll ich es wagen, Ma'am? Die Chancen stehen gut, dass alles richtig läuft: 85 zu 15, dass nichts passiert und die Kommunikatoren wieder funktionieren.“
„Tun Sie es, Lieutenant“, entschied Katic.
Dann wurde sie abgelenkt von einem sichtlich erschöpften Andorianer, der plötzlich auf der Brücke aufgetaucht war. Schweißperlen standen auf seiner Stirn und den Antennen.
„Der Torpedo ist abschussbereit“, berichtete er atemlos. „Harris ist auf dem Weg zum Maschinenraum und versucht, das Schiff korrekt auszurichten!“
„Hervorragend, Mr Taren!“, erwiderte Lejla bewundernd – mit einem Quäntchen Überraschung.
Währenddessen löste Taren den Bolianer an der taktischen Konsole ab. „Unterstützen Sie den Commander dabei, die Steuersysteme in Gang zu bringen, Lieutennant“, befahl er.
Nach einem Blick auf den Hauptbildschirm fluchte er lautstark auf andorianisch, so dass lejla sich alarmiert umwandte.
„Uns bleiben nur noch zwei Minuten für den Schuss – nicht acht“, erklärte er trocken.
„Wir kommen Sie zu der Schlussfolgerung, Lieutenant?“, fragte Katic.
„Ich habe die Antennen für so was“, brummte der Andorianer. „Und die Augen. Ich hoffe, Commander Harris legt einen Zahn zu! Sonst werden wir bald als marmeladenrohprodukt endern, wenn Sie verstehen, was ich meine!“
Lejla starrte mit besorgter Miene auf den Bildschirm. Andorianer besaßen eine überlegene Sehschärfe und ein noch besseres räumliches Vorstellungsvermögen. Aber war es tatsächlich besser als die Schätzung eines – zugegeben unzuverlässig funktionierenden – Computers?
Marmeladenrohprodukt – der Blaue hatte wirklich eine schrägen Humor!
Das Lüftungsgitter der Klimaanlage flog plötzlich von der Wand und verfehlte den Andorianer nur um knappe zehn Zentimeter. Zwei Beine schoben sich aus dem Lüftungsschacht. Eine junge Vulkanierin, deren linker Arm starke Verbrennungen aufwies, fiel aus dem Schacht und landete unsanft auf dem Boden. Die Frau trug eine gerade noch erkennbare blaue Uniform. Ihre Jacke fehlte, offenbar war ein Teil davon als Verband genutzt worden. der Insignienkommunikator hing schief auf ihrer Brust und an ihrem Kragen baumelten etwas desolat die Rankpins eines Lieutenant Junior Grade.
„Lieutenant T’Plas, alles in Ordnung?“, rief Katic und half ihr auf.
T’Plas gehörte zur Wissenschaftsabteilung und war mit dem stellvertretenden Wissenschaftsoffizier Taval verheiratet. 
Dass sie jetzt Witwe war, ahnte Lejla noch nicht.
„Vergeben Sie mir, Commander. Aber ich komme aus dem Wissenschaftslabor drei. Ein Plasmafeuer breitet sich aus und droht auf die Energieleitungen überzugreifen“, berichtete die Vulkanierin mit rauer Stimme. „Wenn wir jetzt nicht handeln, wird in fünf Komma sieben zwei Minuten das ganze Energienetz ausfallen und …“
Weiter kam T'Plas nicht. Die Vulkanierin wurde bleich und sank ohnmächtig zu Boden.
„Falls Harris nicht innerhalb von eins-komma-zwei Minuten die Lage im Maschinenraum in den Griff bekommt, stört uns der Energieausfall auch nicht mehr“, knurrte Taren in Richtung der bewusstlosen Vulkanierin. Dann konzentrierte er sich wieder auf seine eingeschränkt arbeitenden Instrumente, bereit zu handeln, falls Harris Erfolg haben sollte.

Als Lieutenant Ynarea Tohan die Bodenluke zur Brücke aufstieß, hörte sie bereits die aufgeregten Stimmen ihrer Kollegen. Sie konnte die Stimme des andorianischen TAC identifizieren und atmete vor Erleichterung tief durch. Der Andorianer gehörte zu ihren engsten Freunden an Bord der ESTRELLA DEL ALBA und sie hätte es nicht ertragen, ihn zu verlieren.
Anscheinend war etwas Ernstes im Busch. Sie vernahm die Worte, Maschinenraum, Torpedo, Asteroid und konnte sich keinen Reim darauf machen. Sie schluckte nervös und rechnete schon mit dem Angriff einer unbekannten Macht.
„Haben Sie mitgekriegt, wovon die dort oben reden, P‘Lor?“, fragte sie ihren caitianischen Begleiter.
Caitianer besaßen erwiesenermaßen ein schärferes Gehör als Trill und so hoffte sie auf eine Antwort. Andererseits war sie nicht sicher, ob sie die wirklich hören wollte.
P’Lor wandte sich mit angelegten Ohren und scharfem Blick zu ihr um. „Ein Asteroid droht uns zu rammen, anscheinend versuchen Commander Harris und der Andorianer, diesen manuell abzuschießen.“
„Erzählen Sie mir was Neues“, erwiderte Ynarea schroffer als beabsichtigt.
„Der Brocken ist schneller, als erwartet“, gab der Caitianer trocken zurück.
„Eine gute Nachricht ist heute zu viel verlangt, oder?“, seufzte Yni.
„Am Ende passt wohl alles in Rrhikallas Plan“, meinte der Caitianer lakonisch.
„Und was haben wir von diesem Plan?“, fragte die Trill gereizt.
„Möglicherweise nichts.“
„Danke für die Aufmunterung, P’Lor!“
Der Sarkasmus entging dem Caitianer nicht. Er schob seinen geschmeidigen Körper aus der Luke und sah sich nach Verletzten um. 
Ynarea folgte ihm. Ihr Blick erfasste als Erstes eine schwarz verhüllte Gestalt am Boden … und noch eine weitere.
Sie taumelte ein paar Schritte rückwärts.
Ich habe es satt, andauernd über Leichen zu stolpern, ich habe es so was von satt …
Ynareas Kehle schnürte sich noch weiter zu, als ihr bewusst wurde, dass einer der beiden Toten vermutlich der Captain war. Weshalb sonst hatte Commander Katic den Befehl auf der Brücke?
Sie zwang die aufsteigende Panik nieder, räusperte sich und machte somit auf sich aufmerksam.  „Lieutenant Tohan, meldet sich zur Stelle und erwartet Befehle …“
Tarens Kopf ruckte herum. Der Andorianer lächelte weil er unbeschreiblich froh war, sie zu sehen. „Yni! Wie eine Bombe einzuschlagen hast du wirklich drauf, das muss dir der Neid lassen!“
„Hab ich dich etwa erschreckt, Blaumann? Und ich dachte, du hättest Nerven, wie Drahtseile“, konterte die Trill.
Seine Antennen bewegten sich schnell zur Seite und wieder nach oben. Etwas leiser raunte er dann: „Schön, dass Dir nichts passiert ist!“
Yni grinste zurück, aber der Blick auf den Bildschirm wischte binnen sekunden das Lächeln von ihrem Gesicht. „Wie lange noch …?“, presste sie heraus.
„Etwa eine Minute“, antwortet Taren finster, bevor er sich wieder seinen Instrumenten zuwandte.

„Kann ich dir mit der manuellen Zielerfassung helfen? Zwei Paar Augen sehen mehr als nur eines“, bot die Trill an.
„Danke, Yni, du könntest …“
Eine weitere Erschütterung unterbrach Taren mitten im Satz und ließ das Schiff nach rechts driften. Tohan verlor kurz den Halt und wurde gegen den Andorianer gedrückt. Taren schaffte es, trotz seiner Anspannung zu lächeln und schob die Frau mit sanftem Griff von sich weg, bevor er wieder zum Monitor blickte.
Der Asteroid wanderte nun schneller über den Bildschirm. Cer´Zydar Taren wurde bei dem Anblick zuerst mulmig – aber mit einem Mal erkannte er, dass sich das Blatt zu seinen Gunsten wendete. Eine leichte Kursänderung des Schiffes – vermutlich ausgelöst durch die Kollision mit dem letzten Asteroiden – sorgte nun dafür, dass sich der große Brocken geradewegs in die berechnete Flugbahn seines Torpedos schob. Rick musste gar nichts mehr dafür tun. Offensichtlich hat sich das Universum doch nicht gegen mich verschworen, dachte Taren und handelte, ohne zu zögern.
Noch bevor Ynarea etwas sagen konnte, hatte der Andorianer seinen Finger auf die Sensortaste zum Abfeuern des Torpedos gedrückt, den er und Rick mühsam ausgerichtet hatten. Im nächsten Augenblick erschien der grellrote Feuerball auf dem Hauptschirm, und Taren verfolgte gebannt, wie der Torpedo auf den riesigen Felsbrocken zu jagte. Gleich darauf traf er den Asteroiden, beinahe genau im Zentrum, und der Felsbrocken zerriss in einer grellen Explosion.
Einige dumpfe Schläge zeigten an, dass mehrere Trümmerstücke die Schiffshülle trafen. Glücklicherweise waren diese zu klein, um ernsthafte Beschädigungen zu verursachen.
Mit einem triumphierenden Leuchten in den Augen blickte Taren zu Ynarea und war für einen kurzen Moment versucht, die Frau an sich zu drücken. Aber der Moment verging, ohne dass er etwas Derartiges tat.
Zweifelsohne verstand er sich gut mit Ynarea, im Laufe der Jahre waren sie Freunde geworden – mehr jedoch nicht. 
Ein Zirpen seiner Konsole sorgte dafür, dass seine Gedanken nicht länger um die junge Trill kreisten. Zunächst war er dankbar für die Ablenkung.
Hastig kalibrierte er die Nahbereichsscanner und seine Euphorie schwand.
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"Ich habe diese Geschichte nur gepflanzt, aber sie wächst, wie sie will, und alle verlangen, dass ich voraussehe, welche Blüten sie treiben wird." (Cornelia Funke: Tintentod)


ulimann644

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #48 am: 01.06.11, 23:24 »
Prima - allerdings hatte ich Taren gar nicht so sehr als Meckerfritzen in Erinnerung. Wenn es dabei bleibt kann man das jedoch so lassen.

Was mich etwas merkwürdig stimmt ist, dass der Caitianer zwar vor Yni aus der Röhre klettert, dass Yni es jedoch ist, der Taren sagt, sie würde wie eine Bombe auf der Brücke einschlagen, so wie es in der ursprünglichen Szene war.

In der jetzigen Szene würde er es eher zu dem Caitianer sagen. Auch war ich seinerzeit davon ausgegangen, dass zwischen dem Aufstoßen der Luke und Ynis Erscheinen nicht viel Zeit vergangen wäre - was sich durch die Unterhaltung NACH Aufklappen der Luke nun ziemlich verändert hat.
Besser wäre es, in Hinsicht auf die Unterhaltung zwischen Yni und Taren, vielleicht, wenn diese Unterhaltung VOR dem Aufklappen erfolgen würde und Yni dann zuerst heraussteigt.

Lairis77

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #49 am: 01.06.11, 23:33 »
Prima - allerdings hatte ich Taren gar nicht so sehr als Meckerfritzen in Erinnerung. Wenn es dabei bleibt kann man das jedoch so lassen.

Weiß nicht, was du hast, ich hab mich da ziemlich streng ans RPG gehalten.;). Jedenfalls sind Tarens Sprüche (bis auf die Sache mit dem Mond) nicht auf meinem Mist gewachsen. Ausgeschmückt habe ich lediglich Ricks Reaktion darauf. Er scheint mir einfach nicht der Typ zu sein, der so etwas auf sich sitzen lässt.


Was mich etwas merkwürdig stimmt ist, dass der Caitianer zwar vor Yni aus der Röhre klettert, dass Yni es jedoch ist, der Taren sagt, sie würde wie eine Bombe auf der Brücke einschlagen, so wie es in der ursprünglichen Szene war.

Ich hab darüber ehrlich gesagt nicht so genau nachgedacht - aber könnte es sein, dass Taren auf den Caitianer nicht so geachtet hat? Schließlich kümmert der sich gleich um die Verletzten (verschwindet also unauffällig), während Yni sich räuspert und auf sich aufmerksam macht ;).

« Letzte Änderung: 01.06.11, 23:42 by Lairis77 »
"Ich habe diese Geschichte nur gepflanzt, aber sie wächst, wie sie will, und alle verlangen, dass ich voraussehe, welche Blüten sie treiben wird." (Cornelia Funke: Tintentod)


Oddys

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #50 am: 02.06.11, 07:24 »
Also da hat Lairis recht dafür ist Harris eindeutig nicht der Typ. Außerdem ist die ganze Unterhaltung so sehr viel spannender.

Ansonsten liest es sich wie immer Klasse.

Fleetadmiral J.J. Belar

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #51 am: 02.06.11, 12:00 »
So, ich habs jetzt auch gelesen und bin begeistert. Yni und auch der Rest ist toll umgesetzt und die Sache mit Ynis auftauchen auf der Brücke finde ich so wie sie jetzt ist in Ordnung. Ich meine mich auch zu erinnern, dass P'Lor sich sofort um die Verletzten kümmert, während sich Yni zur Stelle meldet.

Gruß
J.J.
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Lairis77

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #52 am: 10.07.11, 21:51 »
Die nächsten 10 Seiten :andorian.

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Deck 19 - Korridor

Commander Harris hatte den Weg Richtung Frachtraum gewählt, weil es von dort einen direkten senkrechten Abstieg zum Maschinenraum gab. Allerdings hatte er nicht erwartet, dass ein verriegeltes Brandschott den Zugang versperrte – oder die Kadetten Hohl und Gral.
Richard stöhnte innerlich. Die beiden hatten ihm gerade noch gefehlt! Als ob es nicht schon  genug Ärger an Bord gab – auch ohne dass er den Babysitter für zwei quengelige, streitsüchtige Tellariten spielen musste!
Von Claude Decartes, einem Praktikanten aus der Sicherheitsabteilung, der im selben Jahrgang wie Hohl und Gral die Akademie besuchte, wusste er, dass die beiden alles andere als Freunde waren und es nur eine Frage der Zeit sein mochte, bis sie sich einmal handfest prügelten.
Um so mehr überraschte es den Sicherheitschef, dass die zwei Streithähne scheinbar einträchtig, beinahe aneinander gekuschelt, vor dem Schott kauerten.
„Kadetten“, spach er die beiden in seinem besten Kasernenton an.
Beide sprangen sofort auf und nahmen Haltung an. Gral, der immer noch etwas wackelig auf den Beinen war, fiel es eindeutig schwerer, was Hohl mit einem arroganten Grinsen quittierte.
„Was tun Sie hier und warum stehen Sie mir im Weg?“, verlangte der Sicherheitschef zu wissen.
Hohls Grinsen schwand. „Sir, wenn wir Ihnen jetzt nicht im Weg wären, würden wir als Leichen im All treiben – zumindest er.“ Mit diesen Worten deutete er auf Gral, dessen Stirn sich vor Ärger in Falten legte. Obwohl er dem Kommilitonen sein Leben verdankte, lechzte seine Faust nach einem Erstkontakt mit Hohls Nasenbein.
Richards Miene verdüsterte sich. „Was wollen Sie damit andeuten, Kadett?“
Es war Gral, der beinahe zögerlich Bericht erstattete. „Sir, ich muss Ihnen leider mitteilen, das unser Heck soeben von einem Asteroiden getroffen wurde. Die Notfallschotts haben sich überall auf den Decks über und unter uns gesenkt. Es war auch ein Druckverlust auszumachen.“
„Danke, Kadett.“ Rick hatte nicht geahnt, dass der zweite Treffer solchen Schaden angerichtet hatte.
Sein Blick wechselte von Gral zu seinem Kommilitonen. „Sie beide kommen mit mir zum Maschinenraum.“
„Aye Sir!“, bestätigten die Tellariten im Duett.
Dann drehte sich Rick auf dem Absatz um und suchte die nächste Einstiegsluke. Die zwei Kadetten folgten ihm ohne Fragen zu stellen.
Deck 19, Hecksektion … Dem Sicherheitschef wurde abwechselnd heiß und kalt, als ihn die Erkenntnis traf, dass sich in diesem Bereich die Antimaterietanks befanden – der Arbeitsbereich seiner Frau.
Als Antimaterietechnikerin war Claire Harris die Leiterin der Arbeitsgruppe, die sich mit dieser wichtigen wenn auch hochgefährlichen Komponente der Energieversorgung befasste.
Beinahe reflexartig hob sich Ricks linke Hand in Richtung Kommunikator, sank jedoch Sekunden später wieder herab. Ein sinnloses Unterfangen, Claire über Funk rufen zu wollen, wenn bekanntlich die Schiffskommunikation ausgefallen war. Er wollte sich vor den beiden Kadetten nicht lächerlich machen.
Aber die Sorge rumorte weiter in seinen Eingeweiden.
Was soll denn Claire auf Deck 19 getan haben – bei diesem Chaos wird doch jeder Techniker im Maschinenraum gebraucht, versuchte sich Rick zu beruhigen.
Laut bemerkte er: „Wir werden einen kleinen Umweg machen müssen. Hoffentlich wurde der Maschinenraum nicht getroffen!“
Mittlerweile war die kleine Gruppe bei einem Jeffriesröhrenzugang angelangt. Der Sicherheitschef öffnet das Schott und befahl: „Sie folgen mir. Achten Sie aber darauf, wo Sie hintreten oder greifen. Und jetzt Beeilung!“
Die zwei Tellariten hasteten dem Offizier hinterher, der zu Grals Verdruss ein beinahe unmenschlich hohes Tempo an den Tag legte. Womöglich gab es hier eine Stange, an der der Sicherheitschef  herunter rutschte wie ein altmodischer Feuerwehrmann … Gral konnte jedoch nichts dergleichen entdecken.
Um seinen Frust auf die Spitze zu treiben, kletterte Hohl unmittelbar über ihm und der Abstand verringerte sich zusehends. „Soll ich dir auf die Hand treten, damit du dich endlich bewegst?“, zischte der andere Tellarit.
Gral war zu sehr aus der Puste, um angemessen zu kontern.
Plötzlich gab es einen Donnerschlag, eine heftige Erschütterung warf die beiden Kadetten fast vor der Leiter. Gral klammerte sich instinktiv an einer Sprosse fest, Hohl rutschte ab und trat seinem Kommilitonen nun wirklich auf die Hand.
„Aua!“, rief dieser empört und wappnete sich bereits gegen eine schnippische Erwiderung von Hohl.
Doch die kam nicht. „Was war denn dass schon wieder?“, jammerte der andere Tellarit stattdessen.
Ein giftig grüner Tropfen klatschte direkt neben seinem Fuß auf die Sprosse.
Gral zog instinktiv seine Hand weg. Ihm wurde schwindelig, als er begriff, dass er sich nur noch einhändig festhielt und ganze zehn Meter ihn vom rettenden Boden trennten.
„Kühlplasma!“, rief er in schrillem, warnendem Ton.
Harris blickte abrupt auf – und konnte in letzter Sekunde den Kopf beiseite drehen, sonst hätte ihn der nächste Tropfen im Gesicht erwischt. Er landete auf seiner Uniform und Rick fluchte. Sobald das Zeug durch den Stoff gesickert war, würde es die Haut darunter verätzen. Kühlplasma zersetzte jegliches organisches Material.
„Halten Sie so weit wie möglich Abstand von der Leiter und hüten Sie sich vor allem, was von oben runter tropft! Besonders, wenn es giftgrün ist!“, rief Harris den beiden Kadetten zu. „Hier muss irgendwo eine Leitung in der Wand geplatzt sein.“
Ein Albtraum hatte für Gral begonnen. „Von der Leiter Abstand halten? Wenn soll das gehen, wenn man die Leiter hinunter klettert“, schnaufte er.
„Dann musst du halt mit ausgestreckten Armen klettern, du Genie! Besser, du kriegst das Zeug auf den Ärmel, als ins Auge“, spottete Hohl.
Gral biss die Zähne zusammen. Schon nach kurzer Zeit wurden seine Arme lahm. Sein ganzes immenses Gewicht lastete auf seinen Schenkeln und er spürte förmlich die Muskelfasern reißen.
Als er endlich das Ende der Leiter erreichte, plumpste er herab, seine Beine knickten ein.
Hohl, der selbstverständlich mit einem eleganten Satz neben ihm auf dem Boden landete, grinste ihn spöttisch an. Gral starrte giftig zurück und wünschte sich einen dicken Tropfen Kühlplasma, der auf der hoch erhobenen Nase seines Kommilitonen landete.
Ein unheilvolles grünliches Leuchten über ihm erregte Grals Aufmerksamkeit – und erinnerte ihn daran, dass man mit seinen Wünschen äußerst vorsichtig sein sollte. Das war mehr als nur ein dicker Tropfen, der da runter kam! Eine wahre Lawine von Kühlplasma ergoss sich über die Sprossen der Leiter! Nur noch wenige Sekunden …
„Scheiße!“, jaulten die beiden Kadetten im Chor.
Gral mochte sich nicht vorstellen, wie es sich anfühlte, in dieser ätzenden Brühe zu ertrinken, während sich ein Körperteil nach dem anderen buchstäblich auflöste.
Harris reagierte sofort und stemmte das Schott auf. Sein Gesicht wirkte bleich und seine Kieferknochen traten hervor, einzelne Schweißperlen rannen die Stirn herab „Nicht mal die Notenergie funktioniert hier“, murmelte er frustriert.
Normalerweise wurden alle Luken mit Notstrom versorgt, das Kühlmittelleck musste den Stromkreis irgendwie unterbrochen haben.
Gral, der dem Offizier am nächsten war, zögerte nicht lange und packte mit an. Gemeinsam gelang es ihnen, die schweren Metallplatten beiseite zu schieben.
Sie befanden sie an einen Knotenpunkt zwischen Deck 20 und 21, vor ihnen lag ein Gang, der sie direkt zum Maschinenraum führen konnte. Auf Rick Anordnung quetschte sich Gral als erster durch den Spalt. Hohl, direkt hinter ihm, schob ihn förmlich an.
„Wenn mir deinetwegen der Hintern weggeätzt wird, du lahmer Wackelpudding …“
Das Glucksen der Kühlflüssigkeit klang beängstigend nah und Gral alles. Hohl folgte ihm eine Sekunde später auf die andere Seite und Rick, der die Nachhut bildete, verriegelte die Luke keinen Augenblick zu spät. Beinahe wäre das tödliche Kühlplasma in den Quergang geschwappt.
Hohl streifte seinen  Kommilitonen mit einem verächtlichen Blick. „Das war das letzte Mal, dass ich wegen deiner Lahmarschigkeit beinahe ins Gras gebissen habe“, knurrte er.
Der Tellarite hatte nicht mit Harris gerechnet, der ihn unsanft bei den Schultern packte und mit einem wütenden Blick taxierte. „Noch so ein Kommentar, Kadett, und Sie dürfen, sobald wir aus dem Schlamassel raus sind, das langsamste Raumschiff nach Tellar nehmen!“, zischte der Sicherheitsoffizier. „Dann würde ich gerne Mäuschen spielen, wenn Sie ihren Eltern zu erklären versuchen, warum Sie von der Akademie geflogen sind! Ich bin mir durchaus bewusst, dass Beleidigungen zu Ihrer Kultur gehören. Aber solange ich auf diesem Schiff etwas zu sagen habe, hebt niemand sein mickriges Ego auf Kosten eines anderen. IST DAS KLAR?“
Hohl nickte betreten.
Gral, der zwar nicht jedes Wort verstanden, aber dennoch mitbekommen hatte, dass Hohl von dem Offizier zusammen gestaucht wurde, konnte sich ein schadenfrohes Grinsen nicht verkneifen.



Deck 20-23 Hauptmaschinenraum

Als ein weiteres Beben das Schiff durchrüttelte – Das wievielte war das jetzt? – straffte sich Astrid Kreutzers schlanke Gestalt. Alarmiert blickte sie sich um.
„Bericht!“, forderte sie ohne sichtbare emotionale Regung. 
Lieutenant Phillip von Oestrow, der zweite stellvertretende Chefingenieur, verzog das Gesicht. „Die wenigen internen Sensoren, die noch funktionieren, zeigen an, dass wir auf Deck 2, 18, 19 und 20 Plasmafeuer haben. Das Heck wurde offenbar durch einen Einschlag teilweise abgerissen. Wir haben die hinteren Torpedos verloren, den hinteren Frachtraum und die Antimaterielagerstätte. Das Schiff taumelt wie ein tiberianischer Brontosaurier in der Paarungszeit.“
„Das habe ich gemerkt.“ Obwohl die Lage ernst war, musste Astrid über die Ausdrucksweise des Mannes schmunzeln.
Oestrow lächelte nicht. „Wenn wir die Druckbeschleunigung ausnutzen wollen, dann würde ich respektvoll vorschlagen, dass wir zunächst das Taumeln beenden, damit wir nicht unkontrolliert driften!“, erklärte er säuerlich.
„Sie sind doch nicht etwa seekrank, Lieutenant?“, konnte sie sich nicht verkneifen, zu kontern.
Wie viele andere ihrer Kollegen reagierte Oestrow auf ihre stoische Gelassenheit und ihren feinsinnigen Humor in Katastrophensituationen ziemlich irritiert.
Astrids Finger tanzten über die Konsolen. Dass sie sich die rechte Hand leicht verbrannt hatte, ließ sie sich nicht anmerken.
„Sie können die Tore jetzt öffnen, Cully“, erklärte Lieutenant Kreutzer über ihren improvisierten Kommunikationskanal. Sie nahm sich immer mal wieder die Freiheit, ihren Vorgesetzten so zu nennen – ob es ihn nun passte oder nicht. „Alle tragen Masken und sind gewarnt. Außerdem habe ich Gitterroste vor die offenen Jerriesröhren platziert. So kann die Luft raus, ohne dass wir aus Versehen einen Crewman verlieren.“
„Gut gemacht“, lobte Cully. Aus dem Kommunikator klang seine Stimme verzerrt. „Dann öffne ich jetzt die Ladetore.“ 
Fünf Sekunden später entstand ein unglaublicher Sog im Maschinenraum. Der Triebwerkeffekt war auch deutlich spürbar. Überall wurden Crewmitglieder an die Wände gedrückt. Durch die geöffneten Frachttore jagte die Atmosphäre aus dem Frachtraum, zusammen mit Materialien, Kisten und Geräten. Der offene Jeffriesröhrenzugang
zum Maschinenraum ließ auch hier die Luft entweichen und das Feuer erlöschen.
Nach wenigen Augenblicken war der Tanz vorbei.
Astrid merkte schnell, wie kalt es im Raum wurde. Sie sah Oestrow nach Luft schnappen, als er durch den Sog von den Füßen gerissen wurde. Im Maschinenraum herrschte zwar kein Vakuum, trotzdem wurde auch hier der Sauerstoff merklich knapp.
„Cully, haben Sie das Tor wieder zu? Können wir endlich Luft in die gute Stube lassen?“, schrie Astrid in ihren Kommunikator.
Die Verbindung war abgerissen.
Sie hoffte inständig, dass Cully nicht mitsamt der Fracht in den Weltraum gesogen worden war, doch im Grunde war ihr Vorgesetzter zu schlau für so etwas. Viel wahrscheinlicher erschien der Frau, dass sich die Batterie des Tricorders, der als Energiequelle herhalten musste, erschöpft hatte. Ein Verdacht, der sich bald bestätigte.     
„Lieutenant Kreutzer, das Schiff rotiert jetzt“, meldete Oestrow kurzatmig. „Wir müssen das unbedingt ausgleichen, sonst wird sich das innere Rahmenwerk verziehen! Ich glaube kaum, das Ihnen der Chief des Starfleet- Ingenieurkorps verzeiht, wenn wir aus der ESTRELLA einen Brummkreisel machen.“
Astrid bemerkte es kaum, weil sie selbst schwankte. Helle und dunkle Punkte tanzten vor ihren Augen. Ihre Spezies war noch empfindlicher gegenüber extremen Temperaturschwankungen als die meisten anderen, und die junge Frau hatte einen Punkt erreicht, an dem ihr Körper zu rebellieren begann.
Sie schloss für einen Moment die Augen und klammerte sich an ihrer Konsole fest. „Die Trägheitsdämpfer können wir leider vergessen, Lieutenant Oestrow. Aber ich kann versuchen, die Notsteuerung zu aktivieren und mit den RCS-Maneuverdüsen die Lady zu stabilisieren.“
Oestrow nickte ihr dankbar zu, doch ein flaues Gefühl breitete sich in seinem Magen aus. „Was ist, wenn die Brückenmannschaft in diesem Augenblick dasselbe versucht?“, gab er zu bedenken. „Das könnte fatale Folgen haben – zum Beispiel einen Kurzschluss, der den Systemen den Rest gibt.“
Astrid dachte einen Moment nach, schüttelte dann aber den Kopf. „Sie haben ja Recht – aber die Gefahr besteht nur in dem unwahrscheinlichen Fall, dass wir und die Brückenmannschaft tatsächlich in derselben Sekunde auf die Notenergie zugreifen. Außerdem …“ Sie hielt einen Moment inne. „Wenn das von der Brücke aus möglich wäre, hätten sie es längst versucht.“
Oestrow verstand und beugte sich wieder über seine Konsole. Genau wie Astrid hatte er die Möglichkeit verdrängt, dass auf der Brücke niemand mehr am Leben war.
„Was glauben Sie, könnte unsere Systeme dermaßen ausgeknockt haben?“, fragte er nach einer Weile.
Astrid wandte sich um. Diese Frage war ihr selbstverständlich ebenfalls durch den Kopf gegangen. „Das Refit der Excelsior-Klasse war zum Teil mein Projekt. Viele Schwächen der alten Excelsior konnten wir zwar ausmerzen – aber ein Problem ist leider geblieben.“ Als Oestrow erwartungsvoll die Brauen hob, schloss sie: „Nur ein gezielter Schlag durch den Hals könnte ein solches Desaster anrichten.“



Deck 20-23 Vor der Tür zum Hauptmaschinenraum


Für Commander Harris und die beiden Kadetten war es eine Wohltat, endlich die enge Jeffriesröhre zu verlassen und aufrecht gehen zu können!
Doch die Erleichterung währte nicht lange.
Ein heftiger Sog, gefolgt von einer Erschütterung, brachte den Sicherheitschef aus dem Gleichgewicht und ließ ihn schmerzhaft gegen die Wand prallen. „Jetzt langt’s aber! Ich bin doch kein Flummyball!“, schimpfte er – um kurz darauf zu erkennen, dass dies seine geringste Sorge sein sollte.
Er spürte die plötzlich einsetzende, eisige Kälte, den Druckabfall … das Atmen wurde immer schwerer … „Ausatmen! Augen schließen! Festhalten!“, befahl er instinktiv.
„Festhalten? Wo?“, fragte Gral verzweifelt.
„Irgendwo!“
Dass sich der Tellarit letztendlich an seinem Bein festklammerte, störte ihn wenig. Er glaubte, sämtliche Blutgefäße in seinem Kopf würden gleich platzen – falls er nicht vorher erstickte.
Gott sei Dank wurde es Augenblick später bereits wärmer und frische Luft strömte in den Gang.
„Ich will nicht sterben!“, jaulte Hohl.
„Sie haben gerade eine Dekompression überlebt, Sie Glückspilz! Das Privileg hat nicht jeder“, erklärte der Sicherheitschef trocken.
Gral schien noch ziemlich desorientiert und hatte Schwierigkeiten, auf die Beine zu kommen. Rick half ihm auf und gemeinsam setzten sie ihren Weg.   
Am Ende des Ganges stellte sich ihnen ein neues Problem: Direkt vor dem Maschinenraum hatte sich ein schwereres Sicherheitsschott geschlossen.
„Q will mich wohl ärgern“, stöhnte Rick.
Er schluckte weitere Flüche herunter, sah sich um und nahm das Aufflackern der LCARS Oberfläche an einem Wandpanel wahr. „Offenbar scheinen in dem Bereich die Computer zu laufen“, überlegte er laut. „Vermutlich nur das Sekundärsystem – aber wenigstens etwas …“
Unter dem aufmerksamen Blick Grals trat er an die Konsole: „Computer?“
„In Bereitschaft“, lautete die etwas verzögerte Antwort.
„Öffne das Sicherheitsschott 21-Beta-17.“
„Befehl nicht ausführbar.“
„Verdammt“, entfuhr es dem Sicherheitschef. „Ich hätte heute echt im Bett bleiben sollen.“
„Bei allem Respekt, Sir – aber in dem Fall wären Sie wahrscheinlich tot“, bemerkte Gral.
„Ja, da haben Sie wohl recht“, pflichtete Rick ihm widerwillig bei. Dann wandte er sich wieder dem Computer zu. „Begründung: Warum lässt sich das Schott nicht öffnen?“
„Notfallverschluss aktiviert durch Lieutenant Commander. Rory Culloden McPherson.“
Cully, du elender Hornochse!, fuhr es Rick durch den Kopf. Laut befahl er: „Computer, überbrücke Notfallverschluss. Autorisation Harris Delta-6-2-7-7-Theta-1-rot!“
„Befehl nicht ausführbar. Notfallprotokoll Delta-9 zum Überbrücken erforderlich.“
Dieses Notfallprotokoll durfte nur von Angehörigen des Maschinenraums ausgeführt werden.
Da konnte sich Rick nicht mehr beherrschen und schlug mit der Faust gegen die Wand. „Zur Hölle nochmal! Ist es denn zu viel verlangt, wenn heute mal irgendwas NICHT schief läuft!“
„Gewiss nicht, Sir“, erwiderten Gral und Hohl im Duett – offensichtlich irritiert vom Wutausbruch des Offiziers.
„Euch habe ich nicht gefragt“, knurrte Harris und schaltete das Panel ab.
Es gibt immer einen Plan A, B, C, D, E und F, erinnerte er sich an seine eigene Regel. Allerdings wurde er das Gefühl nicht los, dass er an diesem verfluchten Tag mehr Alternativpläne brauchen würde, als das Alphabet Buchstaben hatte.
„Eine Frage, warum müssen wir in den Maschinenraum, Sir?“, meldete sich Gral.
„Weil das der einzige Ort ist, wo es noch möglich sein könnte, dass wir das Schiff stabilisieren, bevor wir mit dem großen Felsbrocken dort draußen kollidieren. Wenn es uns aber gelingt, den Bug auf den Asteroiden auszurichten, kann Lieutenant Taren die zwei Torpedos abfeuern, die er und ich manuell geladen haben, um den Brocken abzuschießen.“
Hohl blickte ihn panisch an. „Wir kollidieren mit einem Asteroiden – SCHON WIEDER?“
„Ihnen ist vielleicht bekannt, dass wir uns in einem Asteroidenfeld befinden, Kadett. Das heißt, hier gibt es Asteroiden. Und zwar viele“, konterte Harris gereizt. „Was haben Sie gedacht, weshalb ich mit Warp neun durch die Jeffriesröhren hetze? Und jetzt reißen sie sich zusammen!“ Sicher, die beiden Jungs hatten Eierschalen hinter den Ohren und kannten solche Situationen bestenfalls aus dem Kobayashi-Maru-Test. Rick konnte ihnen nicht übel nehmen, dass sie verängstigt waren. Andererseits ging ihm dieser Hohl gewaltig auf die Nerven. Schnösel wie den hatte er schon auf der Akademie zutiefst verachtet. 
„Wie viel Zeit bleibt uns noch?“, fragte Gral. Auch in seinen Augen flackerte Panik auf, aber im Gegensatz zu seinem Kommilitonen bemühte er sich wenigstens, die Fassung zu wahren.
„Ein paar Minuten“, erklärte Richard. „Vielleicht acht oder neun. Der Umweg wegen der Schotts hat uns Zeit gekostet.“
„Sir, die Schäden am Heck …“, fuhr der Tellarit nervös fort.
„Sie meinen den Hüllenbruch durch den Einschlag des letzten Asteroiden?“ Rick ahnte, worauf der Kadett hinaus wollte. „Sie meinen, die Dekompression hat wie ein primitiver Rückstoßantrieb gewirkt.“
„Genau das meinte ich, Sir!“
Harris ballte die Hände zu Fäusten. Das war wirklich nicht sein Tag! Er stieß einen Fluch aus, den er vor Jahren von einem wütenden Nausikaaner am Dabotisch aufgeschnappt hatte. Es war ein richtig unanständiger Fluch – so unanständig, dass sogar der Universalübersetzter streikte. „Das ändert alles“, ergänzte er düster.
„WIR SIND TOT!“, heulte Hohl auf.
Das wird er bald sein, wenn er so weitermacht, dachte Rick. „Noch sind wir es nicht, Kadett“, fuhr er den Tellariten im Kasernenton an. „Wir werden jetzt die Köpfe zusammenstecken und uns ganz schnell einen Plan B einfallen lassen! Oder C, oder D ! Kein Gejammer mehr! Keine dummen Sprüche! Das ist ein Befehl!“
„Aye, Sir“, antworteten die beiden kleinlaut, obwohl sich die Ansprache eigentlich nur an Hohl richtete.
„Also …“ Harris ließ die Luft aus den Lungen. „Plan B!“
Es war Gral, dem die zündende Idee kam: Mit seinen harten Hufen trat er ein paar Mal kräftig gehen die schwere Metalltür.



Deck 1- Brücke

Als der riesige Asteroid, der fast den gesamten Hauptschirm einnahm und das Schiff zu zermalmen drohte, in tausend Stücke zerbarst, atmete Lejla Katic erleichtert auf.
„Gute Arbeit, Lieutenant“, sagte sie zu Taren, der den rettenden Torpedo abgefeuert hatte.
Doch der Andorianer reagierte nicht auf ihr Lob.
Irgendwas stimmt nicht, dachte Lejla, und trat hinter die taktische Konsole.
Der Andorianer blickte kurz von ihr zu Tohan, die ihn nun beide flankierten, und erklärte säuerlich: „Der Kurswechsel treibt das Schiff auf einen Bereich mit mindestens sieben großen Brocken zu! Außerdem hat uns die Entlüftung beschleunigt, so dass ein Zusammenstoß fatal für die ESTRELLA wäre. Und diesmal würde ein Torpedo nicht ausreichen.“
Die Miene des Taktischen Offiziers nahm einen besorgten Zug an, als er Katic direkt in die Augen sah. „Offen gestanden: Lieutenant Commander Harris hätte sich längst über die Notfrequenz eines der Shuttles melden müssen. Offenbar hat es auf dem Weg zum Hangar Schwierigkeiten gegeben.“
Lejla verkniff sich ein Stöhnen. Heute ging wohl alles schief, was nur schief gehen konnte!
„Hoffen wir, dass ihm nichts passiert ist“, meinte sie. „Was schlagen Sie vor, um einen Zusammenprall zu verhindern?“
„Einen Notruf an Q, damit er uns hier rausbeamt“, erwiderte der Andorianer trocken.
Der Gesichtsausdruck der stellvertretenden Kommandantin machte ihm klar, dass sie nur ernst gemeinte Vorschläge akzeptierte. 
„Wenn es uns wenigstens gelingen würde, die Notenergie in Gang zu setzen …“, murmelte Ynarea und Tarens Antennen bogen sich nach innen.
Das hatte er schon versucht – und zwar erfolglos. 
„Ich bin mir zwar nicht sicher, ob Q uns hören würde, aber Commander Harris dürfte Sie jetzt empfangen“, mischte sich der bolianische Kommunikationsoffizier namens Tiab ein und schmunzelte leicht, als er sich an Taren wandte.
Lejlas Miene hellte sich deutlich auf. „Wollen Sie damit sagen, die Kommunikation läuft wieder?“
Hoffnung schwang in ihrer Stimme mit. Endlich eine gute Nachricht an diesem schrecklichen Tag! Sie alle hätten eine kleine Aufmunterung verdient.
Auch Tarens Antennen spreizten sich erwartungsvoll. 
Tiab versetzte ihnen sogleich einen Dämpfer. „Allerdings sind nur die nötigsten Kommunikationsknoten wieder hergestellt“, erklärte er mit einem warnenden Unterton. „Jegliche Überlastung kann alles wieder zusammenbrechen lassen, ähnlich wie bei den Mobilfunknetzen auf der Erde des 21. Jahrhunderts oder den Kamida-Kommunikatoren auf Aduak III im 23. Jahrhundert. Daher schlage ich vor, die Schiffkommunikation nur dann in Anspruch zu nehmen, wenn es absolut nötig ist.“
Lejla nickte zustimmend. „Es ist ein Anfang“, bemerkte sie und lächelte. „Um ehrlich zu sein, bin ich beeindruckt, Lieutenant Tiab.“
Der Bolianer schien vor Stolz gleich ein paar Zentimeter zu wachsen. Das Gefühl von Wärme, das ihn in diesem Moment durchlief, hielt jedoch nicht lange an. Noch immer ohne Oberteil, begann er bald wieder zu frösteln.
Lejla bemerkte, dass eine Gänsehaut seinen nackten Oberkörper überlief, und schickte einen Unteroffizier in den verwaisten Bereitschaftsraum des Captains.
Nach kurzer Zeit kam der junge Mann mit Stapel von Westen und Uniformteilen des Captains zurück und verteilte Kleidung an alle, deren Uniform in Fetzen hing und keine Wärme mehr zu spenden vermochte. Eine der Westen reichte er Tiab, der sie mit einem dankbaren Lächeln überstreifte, auch wenn der etwas molliger Bolianer den Reißverschluss nicht zu bekam.   
Ein Kloß drohte Commander Katics Kehle zuzuschnüren, als sie so viele Mitglieder der Brückenbesatzung in der Kleidung des Captains herumlaufen sah.
Gott sei Dank lenkte Taren sie ab. „Könnten wir nicht den Gebrauch von Kommunikatoren auf die höheren Rangstufen beschränken, Commander?“, schlug er vor.
Lejla wandte sich an Tiab. „Wäre das möglich?“ Ihre größte Sorge war, dass jeder, der zufällig herausfinden sollte, dass sein Kommunikator wieder funktionierten, früher oder später das Kommunikationsnetz zum crashen brachte.
„Sicher“, antwortete der Bolianer und bewies ein weiteres Mal, dass er einen besonders flinken Verstand besaß. „Ich könnte den Zugang zum Kommunikationsnetz ausschließlich für bestimmte Sicherheitsstufen freigeben. Bis zu welcher Stufe wollen wir es beschränken, Captain.“
Katic überlegte. Die Führungsoffiziere sollten ihre Kommunikatoren auf jeden Fall benutzen können. Sinnvoll erschien es auch für das medizinische und technische Personal, damit sie im Notfall sofort reagieren und ihre Vorgesetzten verständigen konnten.
„Wäre das machbar?“, fragte sie den bolianischen Kommunikationsoffizier.
„Ich müsste zuerst die gesamte Kommunikation blockieren und dann nach und nach Freigaben erteilen“, erklärte dieser.
„Tun Sie das“, ordnete Katic an. „Zuerst für mich, Commander Harris und Commander McPherson.  Dann der Maschinenraum. Anschließend – falls es das Netz noch hergibt – die Krankenstation.“ 
„Aye, Ma’am!“ Tiab machte sich sofort an die Arbeit.
Nachdem er Katics Zugang freigeschaltet hatte, tauschte die Frau einen  Blick mit Taren und berührte ihren Kommunikator.  „Rick, Katic hier. Ich brauche einen Statusbericht. Hat die Kommunikation mit dem Shuttle funktioniert? Kannst du mich hören?“
Sichtlich angespannt, wartete sie auf Antwort.



Deck 20-23 Hauptmaschinenraum

Astrid spitzte die Ohren, als ein dumpfes Dröhnen durch das Schiff hallte. Oestrow war vollauf damit beschäftigt, die Rotation der ESTRELLA aufzuhalten und schien nichts mitzubekommen – aber die „Tolkien“ besaß ohnehin ein schärferes Gehör.
„Hören Sie das auch?“, fragte sie ihren Kollegen.
„Was denn?“, wollte Oestrow wissen.
„Na, dieses Hämmern!“
Oestrow konzentrierte sich, dann nickte er und schmunzelte leicht. „Mir scheint, als bittet hier jemand um Einlass, Ma’am!“
„Ich öffne das Sicherheitsschott – wenigstens einen Spalt“, entschied Kreutzer.
Zwar fehlte noch immer jede Spur von Cully, aber falls es ihm nicht gelungen sein sollte, die Frachttore zu schließen, gebe es dort draußen sicherlich niemanden, der munter genug wäre, gegen die Tür zu hämmern.
Astrid schloss die Jerriesröhren-Luke zum Frachtraum manuell, dann sprintete sie zum Haupttor und ihre Finger flogen über die Bedienelemente des Öffnungsmechanismus. 
Ein heftiger Windzug deutete darauf hin, dass sich die Räume mit neuer Luft füllten.
„Na endlich lässt uns mal jemand rein“, quittierte Harris zufrieden und klopfte Gral auf die Schulter. „Sie entwickeln langsam Kreativität, mein Junge.“
Gemeinsam stemmten sie die Tür weit genug auf, damit selbst Gral hindurch passte, und betraten den Maschinenraum.
Auf der anderen Seite des Schotts erwartete sie eine sichtlich erleichterte „Tolkien“.
„Commender Harris! Ich bin so froh, dass Sie leben!“, rief Astrid Kreutzer und war einen Moment versucht, Rick um den Hals zu fallen.
„Schön, dass Sie uns endlich in die gute Stube bitten, Lieutenant. Wo bleibt der Begrüßungs-Prosecco?“, entgegnete der Sicherheitschef mit einem breiten Grinsen. Wesentlich ernster fügte er hinzu: „Ich bin auch wahnsinnig froh, Sie zu sehen! Wo steckt Cully?“
Astrids Lächeln verflüchtigte sich. „Ich weiß nicht, Sir. Zuletzt war er in einer Jeffriesröhre und wollte zum Frachtraum, um die Ladetore zu öffnen …“
Harris‘ Lächeln verblasste. Er warf einen vielsagenden Blick zu Gral und Hohl. „War die Tür des Frachtraums geschlossen, als dieser Felsbrocken ins Heck gekracht ist?“
„Ich weiß nicht, Sir“, erwiderte Gral bedauernd. „Ich war zu sehr damit beschäftigt, um mein Leben zu rennen.“
Auch Hohl zuckte bedauernd die Schultern.
„Felsbrocken?“ Lieutenant Kreutzers Augen weiteten sich und ihre sonst so ruhige, sanfte Stimme kletterte ein paar Oktaven höher.
„Ein Asteroid hat das Heck getroffen und die Wand des Korridors auf Deck 19 buchstäblich aufgeschlitzt“, erklärte Commander Harris düster und wandte sich an Gral. „So war es doch, Kadett?“
„Ja, Sir.“
„Das bedeutet, Commander McPherson könnte in den Weltraum hinaus gesogen worden sein“, stellte Kreutzer sachlich fest. Sie klang erstaunlich gefasst angesichts der Tatsache, dass sie über den möglichen Tod ihres Vorgesetzten sprach. Dennoch wusste Harris, dass sie lediglich eine Fassade aufrecht erhielt. 
Rick legte eine Hand auf ihren Arm und deutete ein aufmunterndes Lächeln an. „Standardmäßig sind alle Türen geschlossen und die Wahrscheinlichkeit, dass sich Cully auf dem Korridor aufgehalten hat, ist äußerst gering. Schließlich führt die Jeffriesröhre von Maschinenraum direkt in den Frachtraum.“
Astrid lächelte zurück. „Ich weiß. Trotzdem …“
„Ja, ich verstehe“, erwiderte Rick mitfühlend. 
Das leise Knacken, gefolgt von einem Piepen, ignorierte er zunächst und hakte es unter Einbildung ab. Es war ein Geräusch, das er gefühlte zwei Wochen vermisst hatte, obwohl es in Wirklichkeit weniger als zwölf Stunden waren.
Erst als Astrid erstaunter Blick von seinem Gesicht zu seinem Kommunikator wanderte, zog er in Betracht, seine „Einbildung“ ernst zu nehmen.
„War das eben mein Kommunikator?“, brachte er heraus.
„Das wäre zu schön, um wahr zu sein“, entgegnete Astrid.
Seine Hand berührte wie ferngesteuert das metallisch glänzende Starfleet-Symbol auf seiner Brust. „Harris hier.“
Er erwartete nicht wirklich eine Antwort.
„Rick? Katic hier. Kannst du mich hören? Hast du den Shuttlehangar erreicht? Konntest du eine Kommunikation nach draußen aufbauen?“
Harris und Kreutzer starrten sich einen Moment ungläubig an.
Plötzlich stieß Rick ein befreiendes Lachen aus. „Mensch, Lejla, ihr habt es tatsächlich hingekriegt! Da seid ihr besser als ich. Leider bin ich noch nicht beim Shuttlehangar, sondern im Maschinenraum. Leider wurde ich ein paar Mal zu oft gegen die Wand geschleudert, von Asteroiden, Kühlmittellecks und Kadetten aufgehalten …“
„Maschinenraum? Wie ist der Status dort?“, unterbrach ihn die besorgte Stimme der stellvertretenden Kommandantin.
„Naja, ein paar Konsolen wurde übel mitgespielt, aber die Crew scheint wohlauf zu sein. Der Verbleib von Commander McPherson ist im Moment ungewiss – aber das lässt du dir besser von Lieutenant Kreutzer erklären.“
Hiermit nahm er seine Kommunikator ab und reichte ihn der stellvertretenden Chefingenieurin.
Während Astrid minutiös ihren Plan zur Entlüftung der Decks 19-23 und Cullys Einsatz schilderte, runzelte Oestrow plötzlich die Stirn. „Lieutenant Kreutzer, wir haben Schwankungen im Plasmanetzwerk. Die Brände könnte es destabilisieren, Ma'am!“
Wie zur Bestätigung flackerte das Deckenlicht.
Astrid atmete tief durch. „Versuchen sie die Plasmaleitungen, die zum Brandherd führen, zu isolieren. Ich versuche in der Zwischenzeit, die Plasmaventile auf Deck zwei zu aktivieren. Falls alles andere schief geht, ist das die letzte Möglichkeit, alles Plasma loszuwerden.“
Oestrow blickte sie bedauernd an. „Ma’am, die Plasmavetile auf Deck zwei scheinen blockiert zu sein. Offenbar hat es im Verteilernetz eine Überlastung gegeben. Das ganze Deck könnte explodieren, wenn wir das einströmende Plasma aus den Hauptleitungen nicht abführen. Vielleicht hat es ja mit dem Schaden unterhalb von Deck sieben zu tun, den sie ansprachen. Im Übergang zwischen Primärrumpf und Sekundärrumpf scheint nichts mehr auf die Kontrolleingaben zu reagieren. Wenn alle Stränge reißen, müssen wir die Luftschleusen auf Deck zwei öffnen und das Schiff in dem Bereich entlüften.“
Sowohl Oestrow als auch Kreutzer wusste, was das bedeutete.
Die stellvertretende Chefingenieurin schloss ihre Augen für einem Moment. Hinter ihrer Konsole, unsichtbar für ihre Untergebenen und Harris, ballte sie ihre Hände zu Fäusten.
Falls sie wahllos die Luftschleusen auf Deck zwei öffnete, könnte es eine Menge Opfer geben. Doch tat sie es nicht, könnten die Plasmafeuer noch mehr Tote fordern. Schlimmer noch: Sollte das Plasmalabor in die Luft fliegen, vermochte die Explosion Deck eins bis drei komplett zu zerstören!
Sie hasste solche Entscheidungen.
„Kappen Sie Deck zwei vom EPS-Netzwerk“, befahl sie schließlich. Es war keine ideale Lösung, aber ein Kompromiss, bei dem vielleicht niemand sterben musste. „Dann wird es dort zwar keinen Strom mehr geben, aber auch keine Nahrung für die Feuer.“
 „Was ist wenn sich dort ein Hüllenbruch befindet? Kraftfelder funktionieren nicht ohne Strom“, gab Oestrow zu bedenken.
Verdammt, es lief immer wieder darauf hinaus, Verluste zu riskieren …
„Besser als die halbe Untertassensektion zu verlieren“, seufzte Astrid. „Tun Sie es.“

TBC
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Einiges ist ziemlich radikal umgeschrieben, weil ich dachte, über die eine oder andere Ungereimtheit gestolpert zu sein, und weil mir Hohl ein bisschen zu übertrieben als "Memme" dargestellt war.
Hoffe, das geht in Ordnung.
« Letzte Änderung: 10.07.11, 22:04 by Lairis77 »
"Ich habe diese Geschichte nur gepflanzt, aber sie wächst, wie sie will, und alle verlangen, dass ich voraussehe, welche Blüten sie treiben wird." (Cornelia Funke: Tintentod)


Fleetadmiral J.J. Belar

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #53 am: 11.07.11, 10:02 »
Wie immer sehr gut geschrieben. Ich bin immer wieder erstaunt, wie du es hinbekommst, den Überblick über all die Threads zu wahren. Am besten haben mir die Szenen mit Gral und Hohl gefallen. Die beiden sorgen echt für Spannung.
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Alexander_Maclean

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« Antwort #54 am: 11.07.11, 10:24 »
Ich finde auch dass die Überarbeitung sehr gelungen ist.

Bei wieviel Seiten insgesamt sind wir denn jetzt?
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Oddys

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« Antwort #55 am: 11.07.11, 11:09 »
35, jedenfalls bei mir. Habe aber Arial als Schriftart könnten also 1-2 Seiten weniger sein bei Lairis.

ulimann644

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« Antwort #56 am: 11.07.11, 11:15 »
@Lairis
Liest sich schön rund - besonders die Stelle mit Hohl und Gral ist in dieser Form sehr viel besser.
Schön auch: Tarens bissiger Humor.

David

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #57 am: 11.07.11, 11:16 »
Wieder ein gelungener Teil.
Ich freue mich schon tierisch darauf, das komplette Werk im PDF auf meine Festplatte zu laden und dann gemütlich zu schmökern.

Deinen Schreibstil fand ich ja schon immer sehr angenehm zu lesen, Lairis.

=A=

btw.
Ich weis, es ist noch einige Zeit hin, aber ich denke, es könnte nicht schaden, sämtliche Mitspieler des RPG ganz besonders Lairis, als Kandidat für den Titel "Autor des Jahres" als Team vorzuschlagen, wenn dass den nach den Wahl-Regeln erlaubt ist.  :duck
« Letzte Änderung: 11.07.11, 11:18 by David »

Oddys

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #58 am: 11.07.11, 11:34 »
Wenn nicht werden sie sollange gebogen bis es geht. Die Idee finde ich persönlich Klasse. Wenn ihr wollt kann ich euch eine Teilweise korrigierte Fassung des bis jetzt erschienen als PDF zur Verfügung stellen so können gleich noch bestehende Fehler ausgemerzt werden, was Lairis die Arbeit hoffentlich erleichtert.

Nach meinem urlaub werde ich mal die Teile von Episode 2 zusammensammeln und wenn sie fertig ist Lairis zur Verfügung stellen damit sie es nicht zusammen sammeln muss.

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Lairis77

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Antw:U.S.S. Estrella del Alba, Episode 1 - Der Roman
« Antwort #59 am: 11.07.11, 12:19 »
Danke für die Blumen! :)).
Ich habe eben noch ein paar Fehlerchen entdeckt, die ich spätestens heute abend korrigiere.

@Oddys:
Die PDF würde ich gern selbst machen.
Aber wenn du dich freiwillig als Beta-Leser meldest, wäre ich sehr dankbar! Du kannst mir ja die korrigierte Fassung als WORD oder RTF zuschicken.

Nach meinem urlaub werde ich mal die Teile von Episode 2 zusammensammeln und wenn sie fertig ist Lairis zur Verfügung stellen damit sie es nicht zusammen sammeln muss.

Ich hatte hier schon mal angefangen mit der Zusammenfassung von Episode 2: http://www.sf3dff.de/index.php/topic,2614.0.html
Aber du kannst es gern fortsetzen, wenn du magst! Ich bin für jede Hilfe dankbar!  :knuddel
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